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Denkmalschutz

Berliner Gaslicht auf Roter Liste

Die Hauptstadt stellt historische Lampen von Gasflamme auf Strombetrieb um. Denkmalschützer warnen: Immer öfter opfere man aus Geldgründen Kulturerbe.

Zeugen der Geschichte: Eine Gaslaterne im Berliner Stadtbezirk Reinickendorf. Foto: dpa

New York. Die Denkmalschutzinitative World Monuments Watch hat die Berliner Gaslampen auf ihre Liste der bedrohten Kulturgüter gesetzt. „Es ist das typische Beispiel, dass nur nach den Kosten entschieden wird, ohne den wirtschaftlichen Wert eines Stückes Kulturerbe zu betrachten“, sagte Stiftungschefin Bonnie Burnham am Dienstag in New York. Die Initiative hat in ihrem alle zwei Jahre erscheinenden Bericht 67 neue Stätten in 41 Ländern auf ihre Liste der bedrohten Denkmäler gesetzt. Berlin hat in jüngster Zeit viele historische Gaslampen auf Strombetrieb umgerüstet, um Energiekosten zu sparen.

„Die charmanten Aspekte des Lebens spielen einfach keine Rolle, obwohl das Gaslicht auf lange Sicht sogar billiger wäre“, sagte Burnham. Laut Erica Avrami, Forschungsdirektorin der Stiftung, gibt es nirgendwo auf der Welt so viele Gaslampen wie in Berlin. „Das hat einen hohen kulturellen Wert, wird von den Berlinern geliebt und hat einen größeren wirtschaftlichen Einfluss als nur für den Tourismus. Denn die Gaslampe ist auf lange Sicht billiger als die LED.“ Obwohl Zehntausende Unterschriften gesammelt worden seien, halte Berlin an der Umstellung fest. „Wir verstehen nicht, warum man ein Stück kulturelles Erbe einfach so aufgibt.“

Auf der Liste, die jetzt zum zehnten Mal vorgestellt wurde, sind mittlerweile fast 750 Orte, Gebäude oder Industrieanlagen in 133 Ländern der Erde. „Diese Liste soll ein Weckruf sein“, sagte Burnham. „Denn noch immer werden denkmalgeschützte Werte einfach vernachlässigt oder sogar aufgegeben für den schnellen wirtschaftlichen Gewinn.“

Kreuzfahrt-Tourismus nach Venedig ist Dorn im Auge

Ein Beispiel sei die Kreuzfahrtindustrie in Venedig. „Manchmal kommen 20 000 Touristen auf einem Schlag in das kleine Venedig. Das ist eine Gefahr für die Stadt und treibt die Einwohner ins Umland.“ 2005 seien 400 Kreuzfahrtschiffe nach Venedig gekommen. „Im vergangenen Jahr waren es 1000 und sie werden auch noch immer größer.“

Ein anderes Problem seien Kriege und Extremismus. So seien in Syrien, etwa in Aleppo und Hama, unersetzliche Bauten zerstört worden. In vielen Ländern, etwa in Mali, würden radikale Muslime alles zerstören, was sie für unvereinbar mit dem Islam hielten. Und in der Türkei würden frühe Bauten der Christenheit verfallen, weil das Militär keine Experten zu den Gebäuden lasse. (dpa)

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