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Ausstellung

Der Psychiater des Märchenkönigs

Die Todesumstände des Monarchen werden wohl nie mehr ganz geklärt. Doch erstmals wird in einer Ausstellung die Rolle des Gutachters beleuchtet.
Von Paul Winterer, dpa

Der rätselhafte Tod des Märchenkönigs: Vom 15. Mai bis 17. Juli 2014 widmet sich eine Ausstellung mit dem Titel „Dr. Bernhard von Gudden, der Gutachter König Ludwigs II.“ in Benediktbeuern dem Psychiater des Königs. Foto: dpa

Benediktbeuern.Wer war Dr. Bernhard von Gudden? Welchen Anteil hat der Psychiater am Tod des glücklosen bayerischen Königs Ludwig II.? Der Arzt erklärte den „Märchenkönig“ einst für geisteskrank. Seine Rolle als Gutachter des adligen Sonderlings hat ihm keinen Ruhmesplatz in der Geschichtsschreibung zugewiesen. Im Gegenteil: Viele Königstreue sehen in dem Arzt den eigentlichen Verantwortlichen für das tragische Ende des Wittelsbacher-Monarchen. Ums Leben kamen freilich beide am 13. Juni 1886 im Starnberger See.

Totenmaske von Guddens zu sehen

Erstmals wird nun in einer Ausstellung die Rolle des Psychiaters ausführlich beleuchtet. Dabei ist – auch dies eine Premiere – die Totenmaske von Guddens zu sehen, von deren Existenz bisher kaum jemand etwas wusste. Das Exponat kam 1897 auf verschlungenen Wegen ins Städtische Museum nach Rosenheim, wo es allerdings im Depot lag und nicht gezeigt wurde. Die vom Bezirk Oberbayern verantwortete Schau dürfte nicht nur viele noch immer treue Anhänger Ludwigs II. anlocken. Sie wird derzeit bei der Fachberatung Heimatpflege im Maierhof des Klosters Benediktbeuern vorbereitet.

Die Ausstellung ist dort vom 15. Mai bis 17. Juli zu sehen. 80 Tafeln, eine Filmdokumentation über Gudden sowie zahlreiche Bilder und Exponate geben Einblicke in das Leben des Arztes. Kurator der Ausstellung ist der Münchner Schriftsteller und Ludwig II.-Biograf Alfons Schweiggert. Von ihm stammt auch der Ausstellungskatalog. Zur Eröffnung kommt der Ururenkel Bernhard von Guddens, Wolfgang Gudden – auch er Facharzt für Psychiatrie. Bezirkstagspräsident Josef Mederer ist froh, „mit der Ausstellung einen Beitrag zur Aufarbeitung eines dunklen Kapitels bayerischer Geschichte zu leisten“.

Zunächst wird in der Schau der berufliche Werdegang des königlichen Gutachters vom Studium in Bonn über eine Assistenzarztstelle bis hin zur Leitung der Schweizer Kantonsirrenanstalt Burghölzli bei Zürich aufgezeigt. 1872 übernahm Gudden auf Wunsch Ludwigs II. die Leitung der Oberbayerischen Kreisirrenanstalt München. Lange hießen Nervenkliniken so. Dokumentiert wird auch, dass noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts Zwang und Gewalt beim Umgang mit Geisteskranken an der Tagesordnung waren.

Am spannendsten ist der Ausstellungsteil über die Beziehung Ludwigs II. zu Gudden. „Wir gehen der Frage nach, ob die Entmündigung ein rechtswidriger Vorgang war“, verrät der Kurator. Und: „Wie gestaltete sich die Beziehung der beiden in Schloss Neuschwanstein und in Schloss Berg?“ Antworten sucht die Schau auch auf die Frage, wie die Befunde im psychiatrischen Gutachten über den König entstanden. „Wie funktionierte die Entmündigungsmaschinerie und welche Rolle spielte Dr. Gudden darin?“, fragt Schweiggert. „Welche Möglichkeiten hätte der König gehabt, seine Entmündigung zu verhindern?“

Ein Bereich zeichnet die letzten Lebensstunden Guddens und Ludwigs nach. Eine interessante Frage lautet dabei, warum der Psychiater den letzten Spaziergang mit dem König ohne Begleitung eines Pflegers unternahm. Zur Ausstellung gibt es mehrere Vorträge renommierter Psychiater, auch Guddens Ururenkel Wolfgang Gudden referiert.

„Er war nicht der Auftragsmörder“

Schweiggert will mit der Ausstellung dazu beitragen, dass von Gudden „aus der Verteufelungsspirale herauskommt“. Viele sähen in dem Arzt den Auftragsmörder Ludwigs II., „was nicht stimmt“, wie sich Schweiggert aufgrund seiner Forschungen sicher ist. Vielmehr sei der Mediziner schon viel früher von einer psychischen Erkrankung des Königs überzeugt gewesen. Auch sei er nicht der erste Arzt gewesen, der darauf hingewiesen habe, aber auf taube Ohren gestoßen sei.

Freilich wird auch diese Ausstellung eines nicht endgültig klären können: Wie Ludwig II. und sein Psychiater tatsächlich starben. Nach allem, was man weiß, gab es keine Zeugen für den tragischen Tod der beiden. Und auch die noch heute verbreiteten Verschwörungstheorien über die Ermordung des glücklosen Königs werden nach der Schau nicht verstummen. Die Totenmaske von Guddens weist allerdings eine deutlich zu sehende Beule über dem rechten Auge und Kratzspuren an der Nase auf. Dies deutet auf einen Todeskampf des Arztes mit dem König hin. Vielleicht ist deshalb das geheime Hausarchiv der Wittelsbacher nicht an der Totenmaske interessiert.

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