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Musikpreis

Echo-Macher laden Frei.Wild aus

Die Rocker von Frei.Wild gehören zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Bands. Gegen ihre Echo-Nominierung hagelte es Kritik – mit Folgen.

Die Rocker Frei.Wild werden von der Echo-Nominiertenliste gestrichen. Foto: dpa

Berlin. Der Shitstorm hatte nicht lange auf sich warten lassen: Mit der Nominierung der Rocker von Frei.Wild für einen Echo-Preis hatte die deutsche Musikwirtschaft in den sozialen Netzwerken mächtigen Wirbel ausgelöst. „Nationalisten“ war da noch eine eher mildere Beschimpfung, die auf die Band aus Brixen in Südtirol und ihre Fans losgelassen wurde. Auch Künstler protestierten. Die Chemnitzer Band Kraftklub und die Elektro-Popgruppe MIA. wollten nicht mehr gemeinsam mit Frei.Wild als Kandidaten für einen Echo geführt werden.

Am Donnerstagabend lenkte der Bundesverband Musikindustrie dann überraschend ein und nahm Frei.Wild von der Liste der Nominierten. Die Diskussion um Frei.Wild, der Kritiker Nähe zu rechtem Gedankengut vorwerfen, drohe den Echo zu überschatten, erklärte der Verband. Deswegen habe man sich in diesem Fall entschieden, die Gruppe von der Liste zu nehmen. Der Verband und die Deutsche Phono-Akademie hätten sich immer wieder gegen Rechts engagiert, betonten sie.

Echo hätte Branche Anerkennung verliehen

Für Frei.Wild hätte ein Echo gut zu den jüngsten Erfolgen gepasst. Ihr Album „Feinde deiner Feinde“ verkaufte sich im vergangenen Jahr mehr als 100 000 mal, die Deutschrocker spielen in ausverkauften Hallen und Stadien. Ein Echo wäre eine Anerkennung der Branche gewesen.

Am Donnerstagmorgen hatte der Musikverband noch erklärt, angesichts der Verkaufszahlen müsse die Band nach den Echo-Regeln in die Liste der Echo-Anwärter in der Kategorie „Rock/Alternative National“ aufgenommen werden. Die Südtiroler sollten gegen MIA., Kraftklub, Unheilig und Die Ärzte am 21. März in Berlin antreten.

Tatsächlich kokettiert Frei.Wild gerne mit jenen Begriffen und Sprachbildern, die auch bei rechten Bands auftauchen. „Südtirol, wir tragen deine Fahnen“, heißt es in einem Song, in dem auch von „Ahnen“, „Helden“ und „Feinden“ die Rede ist.

Rocker wehren sich gegen Vorwürfe

Leadsänger Philipp Burger versichert, dass er mit rechtem Gedankengut nichts am Hut habe – oder nicht mehr. Er sei zwar als Jugendlicher bei den Skinheads gewesen, heißt es auf der Frei.Wild-Seite „Die Macht der Medien“. Auch habe er der rechtspopulistischen Südtiroler Partei Die Freiheitlichen nahegestanden. Doch dann heißt es im Song „Wahre Werte“: „Wir hassen Faschisten, Nationalsozialisten, unsere Heimat hat darunter gelitten.“ Dort ist allerdings auch vom drohenden Untergang der Südtiroler die Rede.

Solche Sätze stoßen Beobachtern der rechten Szene auf. „Wer einen Zusammenhang zwischen menschlicher Abstammung und dem Heimatboden behauptet, bewegt sich auf brandgefährlichem Terrain“, sagte der Politikwissenschaftler Christoph Schulze vom Berliner Antifaschistischen Pressearchiv und Bildungszentrum zu „Zeit Online“ vor ein paar Wochen.

Es sei nicht von der Hand zu weisen, dass einzelne Passagen aus Frei.Wild-Texten inhaltliche Überschneidungen mit Texten von Rechts-Rockbands haben, gibt die Band auch selber zu. Doch solche Texte würden in Südtirol (Italien) nicht als anstößig empfunden. In der Bundesrepublik würden sie wohl als radikal empfunden.

Viele nehmen Frei.Wild die Distanzierung von Rechts nicht ab. Jörn Menge von der Kampagne „Laut gegen Nazis“ sagt, die Band spiele etwa mit antisemitischen Stereotypen, so im Song „Gutmenschen und Moralapostel“. Deswegen wünschte sich Menge, dass bei der Echo-Gala die Zuhörer den Saal verlassen sollten, wenn Frei.Wild auftrete. Das wird wohl nicht mehr nötig sein. (dpa)

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