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Tiere

Ein paar Katzen zum Kaffee

In Schwabing hat das erste Katzencafé Münchens eröffnet. Sechs Katzen leben im „Café Katzentempel“. Ein Streichelzoo soll das Lokal aber nicht sein.
Von Katia Meyer-Tien, MZ

  • Katzencafébesitzer Thomas Leidner mit seinen Geschäftspartnern Fotos: Meyer-Tien
  • Kater Gizmo ist der Chef der Cafékatzen.
  • Die Cafékatzen haben inzwischen ihre eigene Fangemeinde, und Elisa Hanusch aus Kaufbeuren gehört dazu: Wann immer sie Zeit findet, besucht die Studentin den Katzentempel.

München.Mieke und Theo aus den Niederlanden sind nur für wenige Tage Urlaub in München, als sie die Katze im Schaufenster sehen. Rot-Weiß ist das Tier, es hat ein kuscheliges langes Fell, fast so wie Miekes Stubentiger daheim. Die Katze räkelt sich und streckt sich, eine Mutter mit einem kleinen Kind sitzt daneben, vorsichtig streichelt das kleine Mädchen die Katze, es ist „ein wunderschönes Bild“, sagt Mieke. Und so kommt es, dass nur einen Tag später Theo auf der anderen Seite des Schaufensters sitzt, einen Milchkaffee trinkt und den Münchener Stadtplan studiert, während seine Frau entzückt durch das Café läuft und eine Katze nach der anderen streichelt.

Denn hinter dem Schaufenster befindet sich Münchens erstes Katzencafé. Café Katzentempel steht über dem Eingang, sechs Katzen leben hier, die Miete zahlt Thomas Leidner. Der steht gut gelaunt hinter dem Tresen und beobachtet seine Katzen, die sich entspannt auf dem Boden räkeln, über Bretter an den Wänden klettern oder seinen Gästen um die Beine streicheln. Eigentlich ist er ja Banker, hat BWL studiert und für verschieden Versicherungen und Banken gearbeitet. Und nicht bloß gearbeitet: Als Spezialist für Derivate war er für das große Geld zuständig, saß täglich mit vier Telefonen vor acht Bildschirmen und verschob Milliardenbeträge. Bis er sich eines Tages dachte: „Was mache ich hier eigentlich für einen Käse?“.

Es begann in Wien

Plötzlich Aufruhr. Kater Gizmo, Britisch-Kurzhaar, braun weiß mit niedlichem roten Fleck auf der Nase, hat sich eine Stoffmaus aus dem Spielzeugkorb geholt. Und weil gerade niemand zum Spielen kommt, jagt er sie selber zwischen zwei Pfoten quer über den dunkel gefliesten Fußboden. Leidner grinst.

Zum 30. Geburtstag hat ihm seine Freundin eine Reise nach Wien geschenkt. Dort gibt es das erste Katzencafé Europas (die MZ berichtete), und als der Banker das sah, war er sofort begeistert. Nur drei Monate später hatte er den Businessplan fertig und machte sich auf die Suche nach Geldgebern und einer Immobilie. „So ein Blödsinn, da kommt doch keiner hin“, hörte er mehr als einmal. Er musste lange suchen, bis er schließlich mitten in Schwabing die perfekte Immobilie fand – und sie auch bekam: 160 Quadratmeter gehören nun seinen Katzen. Die holte er vom Verein „Rassekatzen in Not“, zuerst für drei Monate in seine Wohnung, dann schlief er drei Wochen gemeinsam mit ihnen im Laden: „Damit sie sich hier richtig zu Hause fühlen“.

Denn das ist ihm wichtig, so wichtig, dass er es immer wieder betont: Die Katzen sind für ihn keine Objekte, sein Café ist kein Zoo. Die Katzen entscheiden, ob sie gestreichelt werden möchten oder Abstand brauchen, sie können sich jederzeit in ein eigenes Zimmer zurückziehen. Wer hier zu Gast ist, muss respektieren, dass er die Tiere nicht mit Blitzlicht fotografieren, sie nicht verfolgen, hochheben oder füttern darf. Und die meisten Gäste sehen das auch ein. „Mein größtes Problem waren am Anfang Mütter mit Kleinkindern“, erzählt Leidner. Zwar sei es toll, wenn kleine Kinder so an den Umgang mit Tieren herangeführt würden. Bloß: „Wenn auch die Mütter nicht wissen, wie sie mit den Tieren umzugehen haben und die Katzen als Spielzeug für ihre Kinder missverstehen, dann wird es schwierig, sagt Leidner. Aber mit viel Geduld und vielen Erklärungen könne man auch das meistern.

Die Idee der Katzencafés kommt ursprünglich aus Japan. Dort sind sie schon seit Jahren beliebt, ganz besonders in Tokyo, wo die Arbeitszeiten so lang und die Wohnungen so klein sind, dass nur die wenigsten Menschen selber ein Haustier halten können. Dabei bestätigen Soziologen, dass der Anblick und das Streicheln von Katzen beruhigend und entspannend wirkt: Kein Wunder, dass Haustiere zum Besuchen gerade in den Großstätten begeistern. Wobei sich Leidner von den Katzencafés in Japan energisch distanziert: „Dort werden oft viel zu viele Katzen auf kleinstem Raum gehalten, die Leute zahlen Eintritt und erwarten dafür natürlich auch, dass sie auf jeden Fall eine Katze streicheln dürfen“.

Nur vegane Speisen

In Leidners Katzentempel sind die Tiere die Chefs, und zwar nicht nur die Katzen. Aus der Küche, aus hygienischen Gründen streng getrennt vom Gastraum mit den Katzen, kommen durch ein Schiebefenster nur vegane Speisen, auch die Kuchen und Torten werden ohne tierische Produkte gebacken. In einer Ecke des Cafés gibt es Literatur über Tierschutzprojekte, und ein Teil des Erlöses der Katzen-T-Shirts, Katzen-Tassen und Buttons, die Leidner auch verkauft, geht direkt an Tierschutzorganisationen.

Das Konzept kommt gut an bei den Münchnern. Seit einem Jahr gibt es den Laden nun schon, ein fester Kern von Stammgästen allen Alters kommt regelmäßig. Am Wochenende geht ohne Reservierung gar nichts. Für eine Neugründung laufe es gut, sagt Leidner, aber noch reichen die Einnahmen nicht ganz, um davon auch leben zu können. Grinsend fügt er hinzu: „Früher habe ich viel gearbeitet und dafür richtig viel Kohle gehabt. Heute arbeite ich nur noch viel“. Zurück in die Welt der Banken will er trotzdem nicht. Im Gegenteil: Momentan arbeitet er an einem Franchise-Konzept. Anfragen hat er schon aus ganz Deutschland.

Das Café Katzentempel findet sich in der Türkenstraße 29. Infos gibt es im Internet auf www.cafe-katzentempel.de.

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