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KZ-Gedenkstätten

Einsatz von Kameras umstritten

In der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg sorgt die Polizei im Hintergrund für Sicherheit. Besucher sollen nicht verschreckt werden.
Von Tom Carlos Kupfer und Dagmar Unrecht, MZ

Mehr als 100 000 Besucher kommen pro Jahr nach Flossenbürg. Bild: dpa

Weiden.Das ehemalige Konzentrationslager Flossenbürg soll künftig mit Kameras überwacht werden, um für mehr Sicherheit zu sorgen. Gedenkstätten-Leiter Jörg Skriebeleit bleibt allerdings gelassen: „Unser Sicherheitskonzept funktioniert.“ Die Stiftung Bayerische Gedenkstätten hatte den Einsatz von Videokameras am Montag angekündigt.

Die Gedenkstätte Flossenbürg, die mitten im offenen Gelände steht, lasse sich nicht ohne weiteres einzäunen, so Skriebeleit weiter. Er wolle auch „nicht auf den Sicherheits-Hype aufspringen“. Man werde genau prüfen, an welchen Stellen der Einsatz von Videokameras sinnvoll sei. Nach „detaillierten Sicherheitsanalysen“ seien bereits alle Gebäude der Gedenkstätte mit Einbruchsystemen und Alarmanlagen ausgestattet worden. Besucher und Personal seien außerdem sehr aufmerksam. Auch die Polizei sei Tag und Nacht vor Ort: „Auffällige Personen werden kontrolliert.“

Für Skriebeleit ist es aber wichtig, die Besucher nicht zu verschrecken. Die Sicherheitsleute hielten sich daher bewusst im Hintergrund. Eine israelische Besucherin habe ihn einmal gefragt, warum die Gedenkstätte nicht stärker gesichert sei. „Sie meinte, dass so etwas in Israel undenkbar wäre“, erzählt Skriebeleit. Doch „dass man die Polizei nicht sieht, heißt nicht, dass sie nicht da ist“.

Kleine Zwischenfälle

Nur selten gebe es kleinere Zwischenfälle, zum Beispiel Hakenkreuz-Schmierereien im Besucherbuch. „Das stufen wir als Provokation von Jugendlichen ein.“ Verfassungsfeindliche Inhalte würden allerdings sofort entfernt. Das Besucherbuch werde täglich kontrolliert. Insgesamt mache man in Flossenbürg „gute Erfahrungen mit Schülergruppen“. Etwa die Hälfte der über 100 000 Besucher pro Jahr sind Jugendliche.

In Bayern steht der Besuch einer KZ-Gedenkstätte oder eines NS-Dokumentationszentrums nur für Gymnasiasten verbindlich auf dem Lehrplan. Allerdings werde ein solcher Besuch auch allen anderen weiterführenden Schulen „intensiv empfohlen“, sagte ein Sprecher des bayerischen Kultusministeriums gestern. Man setze bewusst auf Freiwilligkeit, weil eine Verpflichtung auch dazu führen könne, dass so eine Informationsveranstaltung „einfach abgehakt“ werde. Skriebeleit findet diese Regelung „sehr sinnvoll“, da ein Besuch auf freiwilliger Basis die Bereitschaft der Schüler erhöhe, sich tatsächlich mit der Thematik auseinanderzusetzen.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hatte im Zuge des Auschwitz-Gedenkens die Länder aufgefordert, im Schulunterricht mehr Informationen zum Holocaust zu vermitteln. Unter anderem hatte Zentralrats-Präsident Josef Schuster vorgeschlagen, dass jeder Schüler ab der neunten Klasse verpflichtend eine KZ-Gedenkstätte besuchen soll.

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