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Energie

Expertin sieht Probleme für Windenergie

Die Kostenbremse durch die geplante EEG-Reform bedeutet, dass Investoren weniger Geld haben. Das könnte den Ausbau der Offshore-Windenergie behindern.

Ein typischer Windpark mit einer Leistung von 400 Megawatt kostet 1,2 bis 1,5 Milliarden Euro. Foto: dpa

Berlin.Investitionen in neue Windparks auf See lohnen sich nach Experten-Einschätzung möglicherweise nicht mehr, wenn die Subventionen wie vorgesehen zurückgefahren werden. „Unter den gegebenen Kostenstrukturen führen die geplanten Kürzungen zu einem negativen Kapitalwert der Investitionen“, sagte Prof. Marita Balks von der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Berlin der Nachrichtenagentur dpa. Die Rendite sei dann so gering, dass die Investition unattraktiv wäre und unterbliebe. Damit würde der Ausbau der Offshore-Windenergie in Deutschland ausgebremst.

Ein typischer Windpark mit einer Leistung von 400 Megawatt kostet 1,2 bis 1,5 Milliarden Euro. Um die Ausbauziele der Bundesregierung für die Windkraft auf See zu erreichen, müssten jedes Jahr zwei solche Parks gebaut werden – und zwar über die bereits bekannten Projekte hinaus und über einen Zeitraum von 15 Jahren.

Nach dem bisher gültigen Stauchungsmodell erhalten die Betreiber über acht Jahre eine Vergütung von 19 Cent je Kilowattstunde Strom, danach weniger. „Unter diesen Bedingungen ergeben sich Renditen von zehn bis zwölf Prozent für die Anteilseigner“, erklärte Balks. „Das wird angesichts der hohen Risiken von den Investoren auch erwartet.“

Gabriel will Vergütung senken

Bundeswirtschafts- und -energieminister Sigmar Gabriel (SPD) will nun in den Jahren 2018 und 2019 die Vergütungen für die Offshore-Windparks um jeweils einen Cent auf 18 und 17 Cent je Kilowattstunde absenken. „Das ist extrem kritisch“, meinte Balks. „In unserem Modell rechnet sich das nicht.“ Das gelte umso mehr, weil die Vergütungen später noch stärker abgesenkt werden sollen. Die Professorin für Investition und Finanzierung hat gemeinsam mit ihrem Co-Autor Philipp Breloh untersucht, welche Risiken für die Offshore-Windenergie besonders relevant sind.

„Die Ziele der Bundesregierung bleiben mit Blick auf Offshore-Wind sehr ambitioniert“, erklärte Balks. „Wenn jetzt Investoren aufgrund geringerer Fördersätze in den Anfangsjahren ihre Investitionen zurückziehen, werden wir Lern- und Skaleneffekte nicht nutzen, um die Produktionskosten für Offshore-Wind dauerhaft zu senken. Das hilft weder der Industrie noch der Energiewende.“

Weniger Investitionen befürchtet

Die Investitionsbereitschaft der Unternehmen nehme tendenziell ab, weil verschiedene Risiken für Offshore-Windparks mittlerweile stärker gewichtet würden. Darauf sei die öffentliche Förderung nicht abgestimmt.

Gegenwärtig sind 15 deutsche Windparks in der Nord- und Ostsee fertiggestellt, im Bau oder fest geplant und durchfinanziert. Das entspricht einer Leistung von rund 3800 Megawatt. Bis 2030 sollen es 15 000 Megawatt sein. Damit besteht ein offener Kapitalbedarf von 30 bis 40 Milliarden Euro. Derzeit finanzieren vor allem große Energiekonzerne sowie regionale Energieversorger und Stadtwerke den Ausbau der Offshore-Windenergie, aber auch Projektentwickler und Finanzinvestoren. (dpa)

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