mz_logo

Startseitenmeldungen 2012
Samstag, 25. März 2017 16° 3

Geschichte

Hartes Gestein, sensibles Gelände

Im Granitsteinbruch in Flossenbürg mussten Tausende KZ-Häftlinge bei Wind und Wetter schuften. Nun soll der Steinbruch erweitert werden.
Von Reinhold Willfurth, MZ

  • Häftlinge im Steinbruch des Konzentrationslagers Flossenbürg. SS-Foto um 1942 Fotos: Niederländisches Institut für Kriegs-, Holocaust- und Genocidstudien
  • Häftlinge im Steinbruch des Konzentrationslagers Flossenbürg. SS-Foto um 1942 Fotos: Niederländisches Institut für Kriegs-, Holocaust- und Genocidstudien
  • Häftlinge im Steinbruch des Konzentrationslagers Flossenbürg. SS-Foto um 1942 Fotos: Niederländisches Institut für Kriegs-, Holocaust- und Genocidstudien

FLOSSENBÜRG. Es war nur eine Frage der Zeit. Wen die SS in den Steinbruch des Konzentrationslagers Flossenbürg zu Füßen der Burgruine im Oberpfälzer Wald schickte, den erwartete der baldige Tod. Schlecht gekleidet und miserabel ernährt, mussten Tausende von Häftlingen bei Wind und Wetter im Steinbruch der SS-Firma „Deutsche Erd- und Steinwerke (DESt)“ mit Schaufeln Erde abtragen, Granitblöcke sprengen und Steine schleppen. Die Schicht dauerte zwölf Stunden, unterbrochen von einer kurzen Pause, in der eine dünne Suppe ausgegeben wurde. Unfälle und die Gewalt von SS-Männern und Kapos taten ein Übriges, um die Todesrate zur höchsten aller Kommandos im KZ Flossenbürg zu machen.

Für die SS war der Steinbruch ein gutes Geschäft. Bis zu 2000 Häftlinge mussten nach Angaben der Gedenkstätte Flossenbürg dort bis zur Erschöpfung arbeiten. Bis zu 60 Zivilbeschäftigte, vom Verwaltungsangestellten bis zum Lehrling, hatten Gelegenheit, das mörderische Regime der SS unmittelbar mitzuerleben – wenn sie nicht weggeschaut haben.

Den Steinbruch hält der Gedenkstättenleiter Dr. Jörg Skriebeleit für historisch extrem wertvoll – zumal dort noch Verwaltungs- und Werksgebäude stehen, die einen Eindruck von der Willkürherrschaft der SS vermitteln. „Von allen europäischen KZ mit Granitabbau, etwa Mauthausen oder Natzweiler, hat Flossenbürg die am besten erhaltene Bausubstanz“, sagt Skriebeleit zur MZ. Schon jetzt hat die Gedenkstätte Informationsstelen aufstellen lassen. Es gibt auch Führungen. Generell aber ist das Betreten aus gutem Grund verboten: Der Steinbruch ist nach wie vor in Betrieb.

Ein Übernachtungshaus als Vision

Die unter Denkmalschutz stehenden Gebäude und eine stillgelegte Abbauwand in die Gedenkstätte einzubinden, ist eine Vision für die Zukunft. Skriebeleit könnte sich gut ein internationales Übernachtungshaus auf dem Areal vorstellen. Unterkommen könnten dort Menschen, die sich im benachbarten, derzeit zur Bildungsstätte umgebauten ehemaligen SS-Kasino aufhalten.

Bis dahin sei es noch ein weiter Weg, sagt Karl Freller, Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, im Gespräch mit der MZ. „Zuerst müssen wir den Kraftakt des Umbaus mit neun Millionen Euro Kosten bewältigen. Das wird uns die nächsten zwei, drei Jahre beschäftigen“.

Trotzdem könnte es sein, dass sich in absehbarer Zeit etwas tut auf dem Steinbruchgelände. Seit 1948 wird auf dem Areal wieder Granit abgebaut. Der Freistaat Bayern und die Bayerischen Staatsforsten als neue Besitzer haben den Steinbruch nach dem Krieg verpachtet. Der jetzige Pächter hat vor kurzem den Antrag gestellt, das Abbaugebiet zu erweitern. Das hat für Ärger im Dorf gesorgt, weil ein Skihang an das Areal grenzt und Anwohner Beschwerde eingelegt haben.

Spaenle kommt zum Ortstermin

Alarmiert sind auch der Denkmalschutz und der bayerische Kultusminister Ludwig Spaenle, der auch Vorsitzender des Stiftungsrats der bayerischen Gedenkstätten ist. Generalkonservator Dr. Egon Egon Johannes Greipl hält den Steinbruch für einen „Ort von nationaler Bedeutung“. Der weitere Abbau des Gesteins durch den Pächter könne die Entwicklung der KZ-Gedenkstätte gefährden. Und Minister Spaenle sorgt sich „um den Erhalt der historischen Bausubstanz und der Topographie“. Der authentische Ort solle erhalten bleiben. Dazu zählt etwa die weitgehend erhaltene Treppe aus Granit, auf der die Häftlinge zur Arbeit getrieben wurden.

In die museumspädagogische Arbeit der Gedenkstätte sollen nach dem Willen Spaenles „neben den denkmalgeschützten historischen Gebäuden, die dringend saniert werden müssen, auch Teile des Steinbruchs eingebunden werden“. Der Minister kündigte an, sich demnächst persönlich ein Bild von der Lage machen.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Anmelden

Hinweis: Bitte schützen Sie Ihr Konto auf öffentlichen Geräten, indem Sie sich nach der Nutzung im Profil-Bereich abmelden.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht