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Gesellschaft

Hunde-Kitas sind gefragt

Trotz Vollzeit-Job wollen viele Menschen nicht auf einen Hund verzichten. Vielerorts bieten Hutas – Kitas für Hunde – ihre Dienste an.

„Eine Hundetagesstätte kann auch Stress sein und ist nicht für jeden Hund geeignet“, meint ein Tiermediziner. Foto: dpa

Laatzen. Als er Balu im zarten Alter von acht Wochen zum ersten Mal abgab, hatte Bernd Würfel ein mulmiges Gefühl. „Da gab es bei mir schon Abschiedsschmerz“, erinnert sich der Hundebesitzer. Zwei bis vier Mal die Woche bringt er seinen Laborador-Retriever in die Hundetagesstätte (Huta) in Hannover. Die Trennung ist inzwischen Routine. „Balu begrüßt die Huta-Inhaberin freundlich, freut sich und springt herum. Ich gehe dann schnell weg“, erzählt der 41 Jahre alte Software-Entwickler. Auf dem mehr als 1000 Quadratmeter großen Areal kann der Rüde mit Artgenossen spielen, während sein Herrchen Ruhe zum Arbeiten hat.

Berufstätigkeit ist für viele Hundeliebhaber kein Hindernis mehr, sich ein Tier anzuschaffen. Doch wohin mit dem Liebling, wenn am Arbeitsplatz kein Vierbeiner geduldet wird und das Tier allein zu Hause das Mobiliar auseinandernimmt? In Hannover entstand schon vor zehn Jahren eine Huta, die als bundesweit erste ihrer Art vermarktet wurde. Ähnliche Einrichtungen folgten in vielen Großstädten. Wie viele es sind, lässt sich dem Deutschen Tierschutzbund zufolge nicht beziffern. Einige hundert Euro im Monat kostet meist die Betreuung.

Sozialkompetenz der Hunde soll gefördert werden

Balus Huta liegt in einem Gewerbegebiet nahe der Hannover Messe. Etwa 95 Hundehalter geben hier regelmäßig ihre Tiere ab. Gut ein Drittel von ihnen sind gar nicht berufstätig. Ihnen ist wichtig, dass ihre Hunde Kontakt zu anderen Tieren haben, quasi zur Förderung der Sozialkompetenz. Dazu passt, dass sich die Inhaber Patrik Köhler und Juana Kanzok für das Konzept der Rudelhaltung entschieden haben. So spielt der Dobermann mit dem Dackel und der Neufundländer mit dem Mops. „Wir sind die Rudelführer“, betont Kanzok, die lange in der mittlerweile geschlossenen ersten deutschen Huta gearbeitet hat.

Spielzeug ist in der Einrichtung tabu, das könnte Konflikte auslösen. Die Tiere dürfen sich innerhalb des eingezäunten Außengeländes in Hütten zurückziehen oder auf Matten ausruhen. An heißen Tagen lädt ein Planschbecken zur Abkühlung ein. Bei Regen wird in einer Halle gespielt. „Die Hunde sind nie allein“, betont Kanzok. Von 7 bis 20 Uhr ist die Huta geöffnet, auch Übernachtungen sind möglich. Dann schläft einer der Betreuer mit im sogenannten Wärmeraum. In der Urlaubszeit sind die Übernachtungsplätze wie in vielen vergleichbaren Einrichtungen so gut wie ausgebucht.

Tierschützer sind kritisch

Der Deutsche Tierschutzbund rät jedoch Tierfreunden mit einem Vollzeit-Job, die Anschaffung eines Hundes kritisch zu überdenken. Es sei nicht sinnvoll, wenn Hunde zwischen verschiedenen Bezugspersonen und Umgebungen hin- und hergerissen werden, sagte der Sprecher des Tierschutzbundes, Marius Tünte. Aufgrund von Krankheit oder Reisen sei es aber manchmal nicht zu verhindern, einen Tagespflegeplatz in Anspruch zu nehmen. Dann müsse man auf bestimmte Kriterien achten wie die Gruppengröße und Qualifikation der Betreuer, empfiehlt Tünte.

Auch der Leiter des Instituts für Tierschutz und Verhalten an der Tierärztlichen Hochschule Hannover, Prof. Hansjoachim Hackbarth, sieht den Trend skeptisch: „Eine Hundetagesstätte kann auch Stress sein und ist nicht für jeden Hund geeignet“, meint der Tiermediziner. „Der Hund ist heutzutage Kind-Ersatz. Aber wenn beide voll berufstätig sind, ist ein Hund völlig fehl am Platz.“ (dpa)

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