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Sonntag, 23. April 2017 9

Messe

In Basel knallen die Schampuskorken

Beim Gipfeltreff der Galerien wechseln hochkarätige Werke für viel Geld den Eigentümer. Schon zum Start wurden die ersten Millionenumsätze erzielt.
Von Sabine Glaubitz, dpa

Die Schweizer Performancekünstlerin Milo Moire spaziert nackt über das Messegelände der Art Basel, die Haut beschriftet mit den Worten für Kleidungsstücke. „The Script System“ heißt die Performance. Foto: epa

Basel.Die Art Basel zeigt sich glänzend gelaunt und lässt die Champagnerkorken knallen. Die finanzstarken Käufer greifen tief in die Tasche auf der weltweit bedeutendsten Kunstmesse. 285 Aussteller aus 34 Ländern haben hochkarätige Exponate mitgebracht, und auf die ersten Millionenumsätze wurde bereits wenige Stunden nach der Eröffnung für VIPs am Dienstag angestoßen.

Seit Donnerstag ist die Messe, das wichtigste Schaufenster für Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts, auch für die breite Öffentlichkeit zugänglich. Bis zum 22. Juni zeigt die Art Basel Werke von mehr als 1700 Künstlern, darunter Arbeiten von Georg Baselitz, Pablo Picasso, Paul Klee, Gerhard Richter und Jeff Koons.

In der Kölner Galerie Karsten Greve hing neben fast jedem dritten Exponat der kleine rote Punkt, der signalisiert, dass das Werk schon verkauft ist. Neben einer filigranen Metallskulptur von Fausto Melotti wechselten bei Greve drei Werke von Lucio Fontana sowie Arbeiten von Claire Morgan den Besitzer.

Asiaten sind breiter vertreten

Schon an den beiden VIP-Tagen wurden Millionen umgesetzt. Der Stahldelfin „Dolphin“ von Jeff Koons wechselte bei dem New Yorker David Zwirner für mehr als 3,5 Millionen Euro den Besitzer, ein großformatiges Werk von Kazuo Shiraga fand für rund 1,8 Millionen Euro bei Georg Nothelfer aus Berlin einen Käufer ebenso wie eine Arbeit von Anselm Kiefer bei Michel Haas aus Berlin. Für rund 900 000 Euro konnte man vor der Publikumseröffnung bei der Londoner Marlborough Fine Art noch das großformatige Anselm-Kiefer-Gemälde „Sefer Hechaloth“ erwerben.

Die 1970 gegründete Basler Messe ist mittlerweile auf drei Kontinenten präsent. Im Jahr 2002 eröffnete sie in Miami Beach ihren ersten Ableger, ihm folgte 2013 Hongkong. Die beiden Ableger finden Ende Dezember beziehungsweise Mitte Mai statt. Der Marathon scheint weder die Ressourcen der Aussteller noch die der Sammler zu erschöpfen, wie die beiden VIP-Tage am Rhein zeigten.

Auffallend ist, dass asiatische Künstler nicht mehr nur mehrheitlich in Galerien aus China und Japan vertreten sind. „Man hat die stilistischen Gemeinsamkeiten entdeckt. Der Sammler unterscheidet nicht mehr länger zwischen Chinesen, Japanern oder Künstlern aus dem Westen“, sagt Lock Kresler von der New Yorker Galerie Dominique Lévy. Das Werk „Composition“ des Japaners Kazuo Shiraga aus dem Jahr 1962 zum Beispiel wurde für rund 1,8 Millionen Euro verkauft.

Generationenwechsel

Ai Weiwei, Takashi Murakami, Yayoi Kusama, Zeng Fanzhi und Katsura Funakoshi gehören zu den Favoriten der Galerien aus Europa und Amerika. Bildhaft für diese Auflösung der Kategorien steht die monumentale Installation „Eternity“ von Xu Zhen in der Halle 1 in Basel, die ausschließlich raumgreifenden Arbeiten gewidmet ist. Die Installation besteht aus mehreren Statuen, die ihre Inspiration aus der Antike und dem Buddhismus schöpfen.

In den Messegängen sind dieses Jahr nicht mehr ganz so viele Stars aus Hollywood zu sehen. Dafür sind mehr Kunstberater und chinesische Sammler gekommen, darunter auch Qiao Zhibing. Der Konzertveranstalter und Besitzer eines Nachtclubs in Shanghai begann 2006 ,auf dem Kunstmarkt mitzuspielen. Seine Privatsammlung aus chinesischer und westlicher Kunst will er in naher Zukunft in einem Privatmuseum zeigen.

Künstler nutzen die Kulisse der Art Basel, um bei Sammlern und Galeristen Aufmerksamkeit zu generieren. Ein Beispiel ist Milo Moire: Die Schweizer Performancekünstlerin spazierte nackt über das Messegelände, die Haut beschriftet mit „Jacket“ und „Paints“ und anderen Worten für Kleidungsstücke. „The Script System“, wie die Kunstaktion betitelt war, zog die Blicke auf sich.

Neu ist auf der Art Basel 2014, dass die Nachwuchsgalerien nicht mehr räumlich von den Großen der Branche getrennt sind. Die jüngeren Galerien stellen erstmals in derselben Halle aus wie die Traditionshäuser Gagosian, Perrotin, Yvon Lambert und Hauser & Wirth. Damit läutet die Messe einen Generationenwechsel ein und setzt verstärkt auf Positionen zeitgenössischer Kunst. „Der Unterschied ist enorm. Wir haben viel mehr Besucher“, bestätigt Stephanie Schneider von Arratia Beer. Die Berliner Galerie ist zum zweiten Mal in Basel präsent. Erstmals stellte sie im Jahr 2012 aus, damals noch in der für die jüngeren Galerien vorgesehenen Halle. Für sie bedeutet der Standortwechsel eine Aufwertung.

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