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Montag, 5. Dezember 2016 1

Kirche

Klare Worte vom Übergangsbischof

Dr. Wilhelm Gegenfurtner erklärt im Regensburger Presseclub, warum er Gerhard Ludwig Müllers Weg bei der Reform der Laiengremien für einen Fehler hält.
Von Isolde Stöcker-Gietl, MZ

Vieldeutig lächeln sahen die Zuhörer im Regensburger Presseclub Dr. Wilhelm Gegenfurtner oft. Foto: Lex

Regensburg. Im Trachtenjanker und ganz entspannt sitzt Dr. Wilhelm Gegenfurtner, der derzeitige „Reservebischof“ von Regensburg, im Presseclub. Nach dem Wechsel von Gerhard Ludwig Müller nach Rom ist Gegenfurtner vom Domkapitel zum Diözesanadministrator gewählt worden. „Man kann einen Zwischenraum gestalten und ein paar Akzente setzen“, sagt Gegenfurtner über diese Aufgabe und lächelt vieldeutig. So, wie noch oft an diesem Abend. Der Dompropst, Superior bei den Mallersdorfer Schwestern und Vorsitzender des Diözesan-Caritasverbandes, spricht am Donnerstag im vollbesetzten Presseclub überraschend offen über die Probleme der Kirche. Die Zuhörer erleben einen Geistlichen, der ganz nah bei den Menschen ist. So nah, wie sie es in der Diözese Regensburg in den vergangenen zehn Jahren nicht erlebt haben.

Kirche soll sich auf die Menschen einlassen

Nicht die Menschen müssen sich auf ihre Kirche einlassen, die Kirche muss sich auf die Menschen einlassen, so versteht Gegenfurtner den Glauben in der heutigen Zeit. Nur noch jeder Fünfte besuche regelmäßig einen Gottesdienst. „Die Gesellschaft verändert sich. Wir müssen Situationen schaffen, die die Menschen wieder erreichen.“ Für den Diözesanadministrator heißt das unter anderem: „Das Evangelium in unsere Zeit übersetzen.“

Der 66-jährige Geistliche liefert dafür im Laufe des Abends eine Reihe von Denkanstößen, die man in Teilen der Kirche als provokant betrachten dürfte. Frauen in Führungsfunktionen? „Das ist ein Gebot der Stunde. In Mallersdorf habe ich gelernt, dass die Kirche viele Talente hat, die sie nicht nutzt.“ Doch auch Gegenfurtner muss einschränken: Frauen als Priesterinnen sind in absehbarer Zeit nicht denkbar. „Hier stehen wir in der theologischen Diskussion noch ganz am Anfang.“

Auch zu geschiedenen Mitarbeitern der katholischen Kirche hat der Diözesanadministrator einen klaren Standpunkt: „Die Kirche darf einer solchen gebrochenen Situation nicht noch durch das Arbeitsrecht einen draufsetzen.“ Über eine getrennt lebende Erzieherin oder einen geschiedenen Arzt in einer kirchlichen Einrichtung dürfe nicht der Stab gebrochen werden. „Diese Menschen haben es in ihrer Situation schwer genug. Wir müssen mithelfen, dass das menschliche Leben gelingt.“ Dies hätten inzwischen die Bischöfe erkannt und suchen nach neuen Wegen. Doch Gegenfurtner räumt ein, dass dies kein einfacher Prozess sei. „Da spürt man, dass wir keine Familie haben.“

Keine Aussage zum neuen Bischof

Natürlich lenken die Zuhörer das Gespräch an diesem Abend immer wieder auf die bevorstehende Ernennung eines neuen Bischofs. Gegenfurtner lächelt vieldeutig und gibt dann zu verstehen: „Ich weiß nicht, wer Bischof wird.“ Das Domkapitel habe eine Liste mit Namen an den Nuntius weitergegeben. Diese Liste enthalte neben den Namen auch die Anzahl der Stimmen, die der jeweilige Kandidat erhalten habe. Weder zu Namen, noch zur Stimmenverteilung wollte sich Gegenfurtner näher äußern. Auch nicht, ob sein Name auf der Liste stand. Entscheiden werde alleine der Papst, unterstreicht Gegenfurtner.

Auch wenn sich der Diözesanadministrator nicht zu Personen äußern will, so hat er doch eine ganz klare Vorstellung, wie der neue Bischof von Regensburg sein sollte: Herzenswärme, Rückgrat vor Rom, Seelsorge und Verwurzelung in der Region bewertet er in einer Fragerunde mit Moderator Gerhard Schiechel, BR-Studioleiter für Ostbayern, als Charaktereigenschaften mit höchster Priorität. Die Frage, ob Regensburg einen Bischof braucht, der im Sinne von Gerhard Ludwig Müller weiterwirkt, lässt Gegenfurtner offen. „Diese Frage überspringen wir.“ Es ist bekannt, dass Gegenfurtner und Gerhard Ludwig Müller ein angespanntes Verhältnis miteinander haben. Als damaliger Generalvikar musste Gegenfurtner die Reform der Laiengremien mittragen. Im Presseclub bestätigt er, dass er vor allem die Art der Umsetzung nicht für den richtigen Weg hielt und deshalb um seine Versetzung bat. „Eine Reform kann man nur mit den Betroffenen machen. Gerhard Ludwig Müller hat sie angeordnet, aber nicht mit den Gläubigen diskutiert.“ Doch Gegenfurtner will nicht vom Leder ziehen, er sieht auch die guten Seiten in Müllers Amtszeit. „Man muss ihm dankbar sein, wie sehr er sich frühzeitig um die Ordensschulen in der Diözese eingesetzt hat. Das bleibt eine seiner nachhaltigen Leistungen in der Diözese.“

Sorge um die Domspatzen

Gegenfurtner selbst liegt dabei vor allem die Schule der Domspatzen am Herzen. „Es ist nicht wegzuleugnen, dass uns der Nachwuchs fehlt.“ Derzeit werde an der Zukunfsfähigkeit der Schule gearbeitet. So wird im Schuljahr 2013/2014 die Grundschule von Pielenhofen nach Regensburg verlegt. Außerdem will man verstärkt Werbung betreiben. „Es wäre für mich unvorstellbar, wenn es diesen Chor vielleicht einmal nicht mehr gibt.“

Über seine eigene Zukunft macht sich Gegenfurtner dagegen keine allzu großen Gedanken. Seine Aufgaben erfüllten ihn voll und ganz, sagt er. Auf der Karriereleiter will er nicht mehr nach oben. „Generalvikar unter dem neuen Bischof möchte ich nicht werden“, betont er. Vielmehr hat er schon seinen Ruhestand in vier Jahren vor Augen, den er in Mallersdorf genießen will. Doch jetzt, und auch daraus macht Gegenfurtner keinen Hehl, genießt er erst einmal die Zeit als „Reservebischof“.

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