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Bauwerk

Köschinger Unternehmer plant Kolossales


von Christine Strasser, MZ

  • Die Löwenfigur verdeutlicht die Größe: Elf Meter soll das neue Köschinger Tor hoch sein. Foto: Pogoretschnik
  • Die Manufaktor Scheibinger hat für die Rost-Optik der Stahltore gesorgt. Foto: Pogoretschnik

Karl-Heinz Pogoretschnik denkt in großen Dimensionen. Der Inhaber einer Modekette hat den Arc de Triomphe in Paris oder wenigstens das Siegestor in München vor Augen, wenn er über sein Großprojekt erzählt. Entstehen soll es aber nicht im Herzen einer Metropole, sondern am Ortsrand der 9000-Einwohner-Gemeinde Kösching im oberbayerischen Landkreis Eichstätt. Auf dem Kreisel unweit der Köschinger Realschule, wo die A9, das Factory Outlet Center „Ingolstadt Village“ und das Werk des Autobauers Audi nicht weit sind, wird ein Tor entstehen.

Nicht gerade irgendein Tor. Mit den üblichen Skulpturen auf den Verkehrsknotenpunkten flachlandauf flachlandab hat das Tor nicht fiel gemeinsam. 22Tonnen Stahl werden verbaut sein, wenn die vier Bögen aufgestellt sind. In der Nacht zum Samstag soll es soweit sein. Dann rücken die Kräne und Schwerlasttransporter an. Voraussichtlich zehn bis 14 Stunden wird der Aufbau dauern. Währenddessen kann der Verkehr nicht fließen, aber danach wird sich alles um Köschings neues Wahrzeichen drehen. „Koloss von Kösching“ haben Fernsehleute das Tor schon getauft.

Pogoretschnik gefällt das. Er ist Ideengeber, Projektleiter und Geldeintreiber in einem. Selbst den Job des Kritikers übernimmt er. „Manche nennen mich größenwahnsinnig“, sagt er. Und fügt hinzu: „Sie werden aber niemanden finden, der Ihnen das offen sagt. Deshalb erzähle ich es Ihnen.“ 25 Jahre lang war Pogoretschnik Vorsitzender des Gewerbevereins Kösching. Er beschreibt sich als Macher. Dass er mit seiner Idee auf viele Hindernisse stieß, hat ihn nicht abgeschreckt. Ganz im Gegenteil. Irgendwann sei ihm eines klar gewesen: „Jetzt habe ich mich so lange damit beschäftigt. Jetzt muss ich das Tor auch bauen.“

Die Idee kam Pogoretschnik vor zwei Jahren in Regensburg. Damals schlenderte er über den Weihnachtsmarkt im Fürstlichen Schloss, als es plötzlich funkte. Und das kam so: Pogoretschnik sah einen Mann, der Feuerstellen ausstellte. Die gefielen Pogoretschnik wegen der Anmutung des verrosteten Stahls. Die beiden Männer kamen ins Gespräch. Bei dem Mann mit den Feuerstellen handelte es sich um Karlheinz Scheibinger. In Sinzing führt er eine Manufaktur. Scheibingers Betrieb beherrscht ein Spezialverfahren zur Oberflächenverrostung. Pogoretschnik hatte nun ein Bild im Kopf: aufeinander aufliegende Stahlbögen in Rostoptik.

Im Gemeinderat war das elf Meter hohe Bauwerk umstritten. Dennoch gab es eine knappe Mehrheit dafür. Der Finanzierungsanteil der Gemeinde wurde auf 20 000 Euro gedeckelt. Pogoretschnik war das egal, Hauptsache er konnte loslegen. Über 60 Sponsoren gewann er und trieb 100000 Euro an Spenden ein. Etliche Handwerksbetriebe – allein in Kösching sind es zehn – überzeugte er, für ihre Arbeitsleistung keinen Cent zu verlangen. Im Raum Regensburg zählen noch die Sandstrahltechnik Eichenseer GmbH aus Mintraching dazu und die Lehmann-Gruppe in Neutraubling, wo die Stahltore verzinkt wurden. „Sie kennen ja den Herrn Pogoretschnik“, meint ein Unternehmer schulterzuckend. „Er ist ein begnadeter Bettler.“

Zumindest ist dem Textileinzelhändler Pogoretschnik nicht abzusprechen, dass er ein begnadeter Verkäufer ist – auch was „verrückte“ Projekte angeht. Er hat ohnehin eine ganz andere Sicht auf das Tor. Für ihn hat das neue Köschinger Wahrzeichen etwas Bodenständiges. „Wir bauen eine Geisteshaltung“, versichert er. Tradition, Stolz, Patriotismus. Das seien die Werte, die dahinter stünden. Überhaupt: „Ich hasse nichts so sehr, wie dieses ewige Sinnen nach Zweckbestimmtheit“, sprudelt es aus Pogoretschnik heraus. Es gehe doch um das Gute, Schöne und Wahre. Außerdem sei so ein Tor ja auch ein Zeichen nach außen. „Es ist für jeden offen.“

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