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Samstag, 18. November 2017 5

Justiz

Mit Mollath als Beistand vor Gericht

Psychiatrieinsassin Ilona Haslbauer wird angeklagt, weil sie eine Ärztin attackiert haben soll. Doch die hat kein Interesse mehr an dem Verfahren.
von Pascal Durain, MZ

Glücklich über den Beschluss: Rechtsanwalt Adam Ahmed und seine Mandantin Ilona Haslbauer Foto: Durain

Regensburg.Nur Nina Hagen ist nicht gekommen. Sonst haben sich an diesem Dienstag all jene im Sitzungssaal 107 eingefunden, die daran glauben, dass Ilona Haslbauer zu Unrecht in der geschlossenen psychiatrischen Abteilung des Isar-Amper-Klinikums untergebracht ist. Das denkt auch der Mann, der sich gerade am Eingang des Landgerichts ein Stockwerk tiefer seinen schwarzen Hut ins Gesicht zieht und wie allen anderen auf seine Sicherheitskontrolle wartet: Gustl Mollath. Der Mann, der 2013 die bayerische Justiz in die Schlagzeilen holte, weil er vermutlich mehr als sieben Jahre zu Unrecht in der Forensik saß. Sein Fall wird im Juli vor dem Landgericht neu aufgerollt. Wie Mollath sorgte auch Haslbauer für einen öffentlichen Aufschrei: Im Sommer 2013 wurde bekannt, dass Pfleger sie 25Stunden lang an ihrem Bett fixiert hatten.

Die Regensburgerin Haslbauer sitzt seit Jahren gegen ihren Willen in psychiatrischen Abteilungen. Der Grund: Die Sozialpädagogin, die sich lange beim Donaustrudl engagiert hatte, soll ihre Nachbarin zwei Mal mit dem Einkaufswagen gerammt haben. Der Streit endete vor Gericht. Haslbauer leugnete die Tat, ein Gutachter diagnostizierte ihr daraufhin eine wahnhafte Störung. Der Richter verurteilte sie zu vier Monaten Haft – Haslbauer wurde in den Maßregelvollzug eingewiesen. Das war im Februar 2007.

„Das ist KZ-Haltung“

Gustl Mollath ist am Dienstag nach Regensburg gekommen, sagt er abseits des Prozesses zur MZ, um sich ein Bild darüber zu machen, wie es „der sogenannten Patientin“ geht. Der Nürnberger hatte schließlich nach seiner Entlassung im Sommer 2013 angekündigt, sich für bessere Bedingungen von Psychiatriensassen einzusetzen. Dass Ilona Haslbauer seit mehr als sieben Jahren in der Forensik untergebracht ist, sei bloßer Irrsinn. Über die Situation der Frauen im BKH Straubing, in dem der Nürnberger auch eine Zeit lang war, sagt er: „Das ist KZ-Haltung.“

Um die Situation der Psychiatrie-Insassen in Straubing geht es in der Berufungsverhandlung vor dem Landgericht nur am Rande. Die Staatsanwaltschaft wirft Haslbauer vor, sie habe Ende April 2010 eine Oberärztin im Bezirkskrankenhaus Straubing mit einer Krücke absichtlich ans Schienbein geschlagen und dabei verletzt. Ein Jahr zuvor wurde Haslbauer dafür erneut zu vier Monaten Haft verurteilt. Am Dienstag wird das Verfahren dagegen eingestellt, nachdem Richter, Verteidiger Adam Ahmed und Haslbauer selbst einem entsprechenden Antrag des Anklägers zustimmten.

Diese Entscheidung zeichnete sich schon vor der Mittagspause ab, nach dem Haslbauer und die Hauptbelastungszeugen ausgesagt hatten. Während die Regensburgerin wieder betonte, dass der Übergriff überhaupt nicht stattgefunden hätte, erklärte die Ärztin später, dass sie überhaupt kein Interesse an einer Bestrafung der Angeklagten habe. Ohnehin habe sie nur eine „Bagatellverletzung“ erlitten. Als der Beschluss verkündet wird, applaudiert der Saal. Doch es ändert vorerst nichts an der Situation Haslbauers: Nach Bussis und Umarmungen auf dem Flur fahren sie die Polizisten wieder nach Taufkirchen. Ihre Unterstützer hoffen derweil, dass es bis zu ihrem Anhörungstermin zu ihrer Unterbringung nicht mehr lange dauern wird.

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