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Rechtsextremismus

Polizei rollt Amberger Nazi-Mord auf

Der Mord an Klaus Peter Beer, den Neonazis verprügelten und in die Vils warfen, ist in Amberg unvergessen. Nun ermittelt die Polizei auch wieder.

Als der „NSU“ aufflog, machten Ermittler vor allem durch Pannen und Ignoranz von sich reden. Nun werden viele Fälle neu untersucht, ob es Indizien auf eine militante rechtsextreme Szene gibt. Foto: Archiv

Amberg/München.Der Mord jährt sich heuer zum 19. Mal – und auch die Täter wurden vor fast 16 Jahren zu hohen Haftstrafen verurteilt. Die beiden stadtbekannten Neonazis, die den damals 48-Jährigen nach einer gemeinsamen Zechtour verprügelten und in die Vils warfen, sind zwar schon wieder auf freiem Fuß. Dennoch ermittelt die Polizei wieder im Fall des ermordeten Klaus Peter Beer. Hintergrund sind die NSU-Morde: Die Kriminalpolizei Amberg ist aktuell mit der Tat befasst, somit bestätigte der Kriminaloberrat und Leiter der Kriminalpolizeiinspektion (KPI) Amberg, Wolfgang Meier, einen Bericht des Bayerischen Rundfunks. Laut Meier geschehe die Überprüfung auf Anordnung des Bayerischen Innenministeriums. Es werde der Frage nachgegangen, ob die Täter Teil eines Netzwerks gewesen seien. Die Auswertung der Erhebungen liege beim Landeskriminalamt. Beim LKA München liege auch das Auskunftsrecht.

In Amberg ist das Geschehen von 1995 bekannt. Klaus-Peter Beer soll mit den beiden Männern aus der Neonazi-Szene gezecht haben. Als die Täter mitbekommen haben, dass Beer schwul ist, haben sie ihn zusammengeschlagen und dann im Stadtgraben unterhalb des Pavillons im Englischen Garten die Vils geworfen. Dort ertrank Beer.

Die verdi-Jugend fordert seit Jahren eine Gedenktafel am Steg über der Vils – an der Mordstelle. Im September 2010 sollte bei einer Kundgebung gegen Neonazis in der Stadt Amberg eine Gedenktafel an Beer, der im September 15 Jahre zuvor ermordet worden war, an die Stadtverwaltung übergeben werden. Doch Verantwortliche aus dem Rathaus waren nicht anwesend. Stefan Dietl, Vorsitzender der verdi-Jugend sagte, die verdi-Mitglieder hätten die Tafel dann selbst provisorisch am Steg angebracht. Kurz darauf sei sie verschwunden gewesen. An der Stelle seien Nazi-Schmierereien und Nazi-Aufkleber gewesen. „Da liegt der Verdacht nahe, dass das Nazis waren“, sagte Dietl.

Mehr als 40 ungeklärte Tötungsdelikte in Bayern aus den Jahren 1990 bis 2011 werden derzeit neu auf einen möglichen rechtsextremen Hintergrund geprüft. Der Sprecher des Landeskriminalamts (LKA), Ludwig Waldinger, bestätigte den Bericht des Bayerischen Rundfunks (BR). Zu einzelnen Fällen äußerte er sich nicht. „Wir machen ganz bewusst keine Angaben, welche Fälle das sind.“ Die Fälle seien Ende 2013 zum Bundeskriminalamt (BKA) gemeldet worden. Dort würden sie von Experten untersucht, die auch im Fall des Nationalsozialistischen Untergrunds ermittelten. „Sie haben ein unglaubliches Fachwissen“, sagte Waldinger. Laut BR liegt ein Verdacht auf rechtsextremistische Täter nahe, etwa weil die Opfer Migranten, Moslems, Juden, Behinderte oder Homosexuelle waren. Bisher habe die offizielle Polizeistatistik für Bayern neben den fünf NSU-Morden in Nürnberg und München nur einen Toten durch extrem rechte Gewalt seit der Wiedervereinigung verzeichnet.

Rund 3300 ungeklärte Fälle vollzogener oder versuchter Tötungsdelikte aus ganz Deutschland aus den Jahren 1990 bis 2011 seien dann mit einem Fragenkatalog an die zuständigen Mordkommissionen in den Ländern geschickt worden, sagte LKA-Sprecher Waldinger. Mehr als 300 Taten betrafen Bayern. Von diesen seien 45 Taten an das BKA zurückgemeldet worden. Die Ergebnisse der Überprüfung wurden im Laufe des Jahres erwartet. „Es soll gründlich gemacht werden.“

NACHTRAG: Die jungen Liberalen Oberpfalz/Amberg haben darauf hingewiesen, dass sie dem Stadtrat bereits im August 2013 eine neue Gedenktafel überreicht haben. Laut der Pressestelle der Stadt Amberg hängt aber bisher noch keine Gedenktafel am Vilssteg. (fu/pd/dpa)

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