mz_logo

Startseitenmeldungen 2012
Samstag, 23. September 2017 21° 3

Wissenschaft

Roboter schaffen „fürsorgliche Wohnung“

Noch steht der Roboter „M1“ etwas verloren in der Laborwohnung herum. Später einmal soll er unverzichtbar für Hilfsbedürftige sein, hoffen Forscher.

  • Andreas Kipp von der Universität Bielefeld und der Roboter „Flobi“. Die Roboter sollen in Zukunft älteren Menschen ein möglichst selbstständiges Leben ermöglichen. Foto: dpa
  • Andreas Kipp kontrolliert an dem Roboter „Flobi“ die Verkabelung am Kopf. Foto: dpa
  • Britta Wrege und Helge Ritter von der Universität Bielefeld zeigen ihren Haushaltsroboter „Mekabot“. Der Roboter-Diener soll im Haushalt helfen. Foto: dpa
  • Andreas Kipp und der „Mekabot“. Foto: dpa

Bielefeld.Noch zwei Jahrzehnte könnte es dauern. Dann könnte der Roboter ein nützlicher, robuster und selbstverständlicher Helfer im Alltag sein, schätzt Prof. Helge Ritter. „Das wird auch davon abhängen, wie viel Geld große Unternehmen in die Entwicklung stecken“, sagt der Neuroinformatiker von der Universität Bielefeld. Neben ihm steht ein etwas unförmiger Roboter auf Rädern und hält einen Apfel. Das ist noch nicht sehr beeindruckend. Doch wenn die Forscher fertig sind, soll er ein unverzichtbarer Helfer sein.

Bis 2017 stehen den Forschern des Exzellenzclusters Kognitive Interaktionstechnologie (CITEC) dafür 1,8 Millionen Euro zur Verfügung. Der von einer US-Firma hergestellte Roboter „Meka Mobile Manipulator M1“ kostet 290 000 Euro und ist das Herzstück des Projekts. Er trat am Dienstag seinen Dienst in der Laborwohnung des CITEC an.

In den kommenden Monaten werden Techniker das Appartement mit Sensoren, Kameras und Mikrofonen ausstatten, sagt Ritter. Der Roboter ist wiederum mit dem Steuerungssystem der Wohnung vernetzt. Sensoren sollen auch im Fußboden der Wohnung angebracht werden, um etwa einen am Boden liegenden Menschen zu erkennen und Hilfe zu rufen. „Unsere Forschung zielt auch darauf, älteren Menschen möglichst lange ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.“

Butler soll selbst erkennen, was zu tun ist

Hier eröffnet sich vor dem Hintergrund des demografischen Wandels ein weites Einsatzfeld: immer mehr pflegebedürftige Menschen und zugleich ein sich rasch verschärfender Mangel an Pflegekräften.

Diverse Forschungseinrichtungen und Unternehmen arbeiten an ähnlichen Assistenzrobotern. Die Bielefelder Forscher haben sich aber das ehrgeizige Ziel gesetzt, einen lernenden und flexibel reagierenden Roboter zu entwickeln. „Einzigartig an unserem intelligenten Appartement ist, dass es anhand von echten und spontanen Alltagssituationen trainiert wird“, sagt Projektleiterin Prof. Britta Wrede.

In der 60 Quadratmeter großen Laborwohnung wird zwar niemand wohnen. Hier sollen sich aber Studenten und Forscherteams zu Besprechungen treffen und Besucher empfangen werden. Die Wohnung und der Butler sollen dann selbst erkennen, was zu tun ist: Getränke reichen, so viele Stühle bereitstellen, wie Besucher da sind, die Heizung etwas runterregeln, lauter sprechen.

Psychologen bringen Robotern Gefühle bei

Der Roboter lernt Deutsch, mit Hilfe von Logopäden. Er soll Emotionen ausdrücken und verstehen können. Psychologen sollen ihm das beibringen. So könnte er, wenn er einen Befehl nicht versteht, einen fragenden Gesichtsausdruck aufsetzen. „Der Gesichtsausdruck ist sehr wichtig“, sagt Wrede. Selbst wenn der Roboter nur die Mimik des Menschen spiegele, habe das große Auswirkungen. „Der Mensch findet den Roboter dann gleich viel netter und intelligenter.“

Ein Problem des grenzenlosen Austauschs von Informationen ist der Datenschutz. Totale Erfassung des Alltags ist eben auch totale Überwachung. „Wie bei vielen Technologien gibt es auch hier die „Dual-use-Problematik““, räumt Ritter ein. „Der Datenaustausch muss viel transparenter werden. Und vielleicht müssen wir auf manche technisch machbare Bequemlichkeit verzichten, um unsere Daten zu schützen.“

Er hoffe auf die Generation, die mit der digitalen Welt aufwachse. „Wir müssen alle lernen, damit umzugehen.“ Für Ritter ist es auf jeden Fall eine Technologie mit ungeheurem Potenzial. „Und irgendwann werden wir uns im Alltag entscheiden müssen: Zweitwagen oder Roboter-Butler.“ (dpa)

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Anmelden

Hinweis: Bitte schützen Sie Ihr Konto auf öffentlichen Geräten, indem Sie sich nach der Nutzung im Profil-Bereich abmelden.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht