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Samstag, 10. Dezember 2016 12

Literatur

Stadtführung mit Blutspur

In der Buchhandlung Pustet wurde der Krimiband „Regensburger Requiem“ vorgestellt. Barbara Krohn hat die Storys regionaler Autoren gesammelt.
Von Randolf Jeschek, MZ

„Regensburger Requiem“ zieht eine Blutspur quer durch die Altstadt und die Umgebung Regensburg. Foto: KBV-Verlag

Regensburg.Ein neues Buch: „Regensburger Requiem“. Das klingt nach Musikstadt Regensburg. Ist Regensburg ja auch. Aber in diesem Fall geht es um Ereignisse, die einem Requiem vorangehen: Warum und zu welchem Ende bringt man seine Mitmenschen gewaltsam um die Ecke?

Der Hang zum Regionalkrimi ist ja nach wie vor ungebrochen, und so hatte die Regensburger (Krimi-)Autorin Barbara Krohn bei Kollegen aus der Region und darüber hinaus angefragt, ob ihnen zum Thema Mordstadt Regensburg etwas einfällt. Das Echo war groß, und so entstand eine stattliche Anthologie mit 25 „Kurzkrimis von der Donau“. Erschienen ist sie soeben als 17. Band der Reihe „Mordlandschaften“ im KBV-Verlag. Barbara Krohn, unterstützt von zwei Co-Autorinnen, stellte sie in der Buchhandlung Pustet vor.

Tatjana Kruse aus Schwäbisch Hall las zu Beginn ihren Beitrag „Bahnhofsblues in Babyblau“, eine recht witzige Geheimdienstgeschichte, erzählt aus der Perspektive eines in die Jahre gekommenen Agenten, der seinen letzten Einsatz, eine Routineübergabe am Regensburger Hauptbahnhof, geschickt und mit Einsatz modernster Kommunikationsmethoden dazu nutzt, seine Ruhestandsbezüge aufzubessern. Dann wurde es ernster, nach dem Schlitzohr kam der Kinderschänder. Carola Kupfer, aus Hamburg zugereiste Regensburgerin, widmet sich in „Höllennacht“ dem Thema Missbrauch in der katholischen Kirche, erzählt von einem alt gewordenen klerikalen „Pädagogen“, der später Rache zum Opfer fällt.

Schließlich Herausgeberin Barbara Krohn selber, die in „Totentanz in Regensburg“ vom Leben einer ehemaligen Fremdenführerin in einer Seniorenresidenz erzählt. Deren Erinnerungsvermögen ist noch voll intakt. Eines Tages erhält sie die Gelegenheit, sich für die lange zurückliegende Schmach ihres Lebens zu rächen, nach dem Motto: Man sieht sich immer zweimal im Leben. Drei Geschichten, die bei aller Verschiedenheit eins gemeinsam haben, alle drei Autorinnen versetzen sich in den Täter, in einen älteren Menschen, mitfühlend – aber das bedeutet natürlich keine Rechtfertigung der Taten.

Diese Ähnlichkeit ist natürlich Zufall, wie auf Nachfrage versichert wird, andere Geschichten des Bandes seien ganz anders gestrickt. Die anfängliche Skepsis im Publikum, ob mancher der Texte überhaupt noch ein Krimi sei, wich der übereinstimmenden Überzeugung: toll, diese Vielfalt. In der Tat, schaut man auch auf die anderen Beiträge, wird klar: Krimis können lustig, witzig, ironisch, ernst, makaber oder grausam sein, mehr oder weniger literarisch, aus vielen Perspektiven geschrieben, die Täter alt oder jung, aus allen Schichten, die Motive vielfältig, die Waffen ebenso.

Die alte Erkenntnis, dass die meisten Morde Beziehungstaten sind, spiegelt sich auch in dieser Anthologie. Da bringt sich ein Ehepaar gegenseitig um (Horst Eckert), eine Frau in besten Jahren, Hauptberuf Gattin, ehemals Sprengstoffexpertin beim MAD, versucht aus privaten Gründen den Wiedereinstieg ins Berufsleben (Hildegunde Artmeier), das Problem der schwierigen Konstellation ein Mann – drei Frauen findet eine elegante Lösung: drei Frauen bleiben übrig (Susanne Wiedamann). Zuweilen vermengt sich auch irdische Liebe mit Mythologischem (Petra Würth). Andere Themen wie Drogen, Prostitution, Raub etc. kommen natürlich auch vor. Und auch Historisches, wie die Erzählung vom Erminoldmeister (Rüdiger Woog) mit Anklängen an den Urvater der Kriminalgeschichte E.T.A. Hoffmann. Und das alles auf ganz Regensburg und Umgebung verstreut, Schauplätze sind die Innenstadt, Uni-Klinikum, Schlachthof (ausgerechnet hier fließt kein Blut), die Donauarena, der Golfplatz Sinzing, Kloster Prüfening, die Walhalla usw. Die Schauplätze findet man sorgfältig verzeichnet auf einem Stadtplan, für den Leser also eine virtuelle Stadtführung mit Blutspur.

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