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Interview

Warum Investitionen in Afrika lohnen

Die burkinische Botschafterin Marie Odile Bonkoungou/Balima sprach in Abensberg mit MZ-Redakteur Martin Anton über Perspektiven für den Kontinent.

Zu Gast in Abensberg; Die Botschafterin von Burkina Faso, Marie Odile Bonkoungou/Balima in LandestrachtFoto: Tino Lex

Abensberg.Frau Botschafterin, Sie sprechen in Vorträgen von Perspektiven für Afrika. Gibt es denn einen gemeinsamen, einen „afrikanischen“ Weg?

Natürlich besteht Afrika aus 54 unterschiedlichen Ländern. Doch nur ein vereinigtes Afrika kann ein Gewicht für die Zukunft haben. Der Beweis, dass man das begriffen hat, sind Organisationen wie die Afrikanische Union oder die Wirtschaftsvereinigung der Westafrikanischen Länder, in der auch Burkina Faso Mitglied ist.

Sehen Sie ein Problem, weil der Kontinent als „Afrika“ gesehen wird und nicht als Summe der Länder und Regionen?

Das kommt auf den Zusammenhang an. Man kann Afrika als eine Gemeinschaft ansehen, wohlwissend, dass es viele Staaten sind, vergleichbar mit der EU. Aber viele Europäer sprechen von Afrika wie von einem Land und das ist natürlich ein Riesenfehler.

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller hat Afrika einen „Kontinent der Chancen“ genannt. Wo sehen Sie diese Chancen?

Afrika ist ein junger Kontinent mit einer jungen Bevölkerung. 60 Prozent der Burkinabe sind unter 35 Jahre alt. Das ist ein großes Potenzial. Auch die Demokratien sind jung. Wir haben in den letzten 50 Jahren viel gelernt und jetzt kann es weiter nach vorne gehen.

Gehört dazu auch, dass ihr Präsident Blaise Compaoré nach 27-jähriger Amtszeit im kommenden Jahr nicht noch einmal zu den Präsidentschaftswahlen antritt?

Der Präsident ist dort wo er ist, weil die Menschen es wollen. Er ist regulär gewählt worden.

Aber seine zweite fünfjährige Amtszeit ist 2015 vorbei. Dann muss laut Verfassung ein neuer Präsident gewählt werden.

Es ist richtig, dass es eigentlich die letzte Amtszeit Compaorés ist. Aber in der Verfassung gibt es auch eine Möglichkeit diesen Artikel auszusetzen. Dann dürfte er noch einmal gewählt werden. Doch soweit sind wir im Moment noch nicht.

Sprechen wir von den wirtschaftlichen Chancen.

Es stimmt optimistisch, dass der der IWF für Afrika ein Wachstum von 5,7 Prozent vorausgesagt hat. Und wir haben unglaubliche natürliche Ressourcen...

...die in der Vergangenheit aber auch kein Garant für Wohlstand waren.

Im Gegensatz zu früher gibt es heute kaum noch ein afrikanisches Land, in dem es nicht gewisse Richtlinien gibt, wie die Entwicklung in diesem Land aussehen soll. Das bietet für Investoren bessere Aussichten.Lange Jahre hieß es von europäischer Seite, es ist zu riskant in Afrika zu investieren. Heute sagen Wirtschaftsexperten, es ist ein Risiko, dies nicht zu tun.

Trotz dieser Chancen dominieren negative Schlagzeilen: die Krise in Mali, in der Zentralafrikanischen Republik, im Sudan ...

Das ist schon ärgerlich, weil es eben so viel mehr gibt. Für die Medien ist es natürlich attraktiver zu berichten, wenn etwas schiefgeht, als wenn alles gut läuft. Ich bin aber optimistisch für die Zukunft Afrikas, unter der Voraussetzung, dass das globale Zusammenleben mit etwas mehr Gerechtigkeit betrieben wird.

Was für Ungerechtigkeiten meinen Sie?

Afrika ist der Kontinent der Primärwirtschaft. Rohstoffe werden in Afrika abgebaut, in Europa verarbeitet und dann teuer zurückverkauft.

Versuche, eine verarbeitende Industrie aufzubauen, scheiterten bisher meist.

Eine der wesentlichen Punkte ist, dass jahrzehntelang europäisches Wirtschaftsdenken nach Afrika exportiert wurde. Heute haben Europäer und Afrikaner verstanden, dass man das, was in Europa funktioniert, nicht eins zu eins in Afrika umsetzen kann, sondern an die lokalen Gegebenheiten anpassen muss.

Afrikanische Probleme brauchen afrikanische Lösungen?

Das ist es. Und das gilt auch für die politischen Konflikte. Wir müssen den Dialog führen, in Mali, in der Elfenbeinküste. Die Intervention der Franzosen in Mali war nötig, um die Sicherheit des Landes wiederherzustellen. Aber weder französische , noch andere europäische Interventionen haben die internen Probleme gelöst.

Und europäische Entwicklungshilfe?

Natürlich ziehen wir auch Bilanz nach 50 Jahren Entwicklungszusammenarbeit. Es sind Billionen Dollar nach Afrika geflossen und ich kann nicht sehen, dass mit diesem Geld etwas Entscheidendes passiert ist.

Ist Entwicklungshilfe also überflüssig?

Nein. Aber man muss versuchen, aus den Fehlern zu lernen und mehr auf die Bedürfnisse der jeweiligen Staaten Rücksicht nehmen.

Also Hilfe an die Staaten anstatt in die Projekte?

Beides. Die Staaten haben ja auch eigene Entwicklungsprogramme. Die Projekthilfe muss auf die Bedürfnisse der Menschen ausgerichtet sein und zwar so, dass die Projekte später auch übernommen werden können. Das gilt im Übrigen nicht nur für die Entwicklungshelfer, sondern für die burkinischen Politiker auch. Das meiste Geld geht im Übrigen häufig in die Löhne der ausländischen Entwicklungshelfer. Die haben gar kein Interesse daran, das Projekt zu übergeben.

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