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Organspendeskandal

Zwei Leitz-Ordner mit Ermittlungen

Die Untersuchungen gegen Dr. O. sollen im Spätherbst beendet sein. Er soll Daten manipuliert haben, damit Patienten schneller an Organe kommen.
Von Reinhold Willfurth, MZ

In ihren Ermittlungen zum Organspende-Skandal ist die Regensburger Staatsanwaltschaft vor dem Abschluss. Foto: dpa

Regensburg. Genau ein Jahr nach Bekanntwerden des Organspende-Skandals am Universitätsklinikum Regensburg kommt allmählich ein Ende der Ermittlungen in Sicht. „Seit drei Wochen liegt der Abschlussbericht der Kripo Regensburg vor“, sagte der Sprecher der Regensburger Staatsanwaltschaft, Wolfhard Meindl, am Montag auf Anfrage der Mittelbayerischen Zeitung. Die Ermittlungsergebnisse füllten zwei Leitz-Ordner, die Akten mit Beweisdokumenten nicht mitgerechnet. Mit der Entscheidung über eine Anklage rechnete Meindl im Spätherbst. Auf Antrag des zuständigen Staatsanwalts nehme vorher noch ein ärztlicher Gutachter die Ermittlungsergebnisse unter die Lupe.

Die Behörde prüft 43 Lebertransplantationen auf Manipulation. Die Ermittlungen richten sich gegen einen früheren Oberarzt des Uniklinikums. Der heute 46-Jährige Dr.O soll zwischen 2004 und 2006 falsche Daten an die Vergabe-Organisation Eurotransplant gemeldet haben, damit seine Patienten schneller ein Spenderorgan bekamen.

Dr. O. soll zuerst als Oberarzt am Uniklinikum Regensburg und später im Universitätsklinikum Göttingen medizinische Unterlagen manipuliert haben. Dabei soll er die Krankheit auf dem Papier verschlimmert haben, um seinen Patienten einen besseren Platz auf der Warteliste für Leber-Transplantationen zu verschaffen, obwohl andere sie vielleicht nötiger gehabt hätten. Geld ist dabei offenbar nicht geflossen. Der 46-jährige frühere Chef der Göttinger Transplantationsmedizin sitzt seit Januar in Untersuchungshaft.

Die Ermittler der Regensburger Kripo mussten laut Staatsanwaltschafts-Sprecher Meindl eine Vielzahl von Personen vernehmen – darunter die 43 Patienten oder deren Angehörige, und das damals beteiligte Klinikpersonal. „Die mussten zum Teil erst mühsam ausfindig gemacht werden, denn nicht alle damals Beteiligten sind heute noch an der Uniklinik Regensburg beschäftigt“, sagt Meindl.

Nach seiner Regensburger Tätigkeit war der Mediziner an das Uniklinikum Göttingen gewechselt. Wegen ähnlicher Manipulationsvorwürfe wurde er dort Anfang 2013 verhaftet. Vom kommenden Montag (19. August) an muss sich der 46-Jährige vor dem Göttinger Landgericht wegen versuchten Totschlags in elf und Körperverletzung mit Todesfolge in drei Fällen verantworten. Dieses Gerichtsverfahren habe jedoch keinerlei Auswirkungen auf die Ermittlungen in Regensburg, betonte Oberstaatsanwalt Meindl.

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