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Freitag, 22. September 2017 21° 2

Internet

Verwaisten Konten ein Ende setzen

ICQ statt Whatsapp, StudiVZ statt Facebook: Je früher sich Nutzer um ihre Karteileichen im Netz kümmern, desto besser.
Von Tobias Hanraths, dpa

Einen Button zum Löschen von Internetkonten gibt es längst nicht immer. Oft muss man diese Möglichkeit aktiv anfragen. Foto: dpa

Darmstadt.Als Yahoo Ende 2016 einen Hackerangriff auf seine Server meldete, war daran vor allem eins bemerkenswert: die Anzahl der betroffenen Konten. Insgesamt sollen die unbekannten Hacker Daten aus einer Milliarde Accounts erbeutet haben, so das Unternehmen. Dass Yahoo so viele Nutzer hat, scheint zunächst unrealistisch – doch die Mischung aus Suchmaschine und Webportal war einmal einer der Giganten des Internets. Wie viele Accounts allerdings sind seit Jahren ungenutzte Karteileichen? Und wie viele solcher ungenutzten Konten gibt es noch?

Yahoo ist schließlich längst nicht der einzige Anbieter, an dem im Netz mal kaum ein Weg vorbei führte, der heute aber nur noch ein Schattendasein führt. Sei es ICQ zum Chatten, StudiVZ und Co. als Facebook-Vorgänger oder unzählige Webmailer und Portalanbieter im Stil von AOL – Beispiele gibt es genug. Wer schon seit ein paar Jahren surft, hat also womöglich zahlreiche Konten angesammelt, die heute brach liegen.

Ist das ein Problem? „Das hängt vor allem davon ab, was bei den Diensten gespeichert ist und ob Sie das Passwort von diesen Konten noch anderswo nutzen“, sagt Prof. Melanie Volkamer, die an der TU Darmstadt die Forschungsgruppe SECUSO (Security, Usability, Society) leitet.

Kritisch sind natürlich Zahlungsdaten aller Art – vor allem, wenn die hinterlegten Konten und Kreditkarten auch heute noch im Einsatz sind. Auch noch aktuelle Adressen oder Telefonnummern können für Kriminelle wertvoll sein. Und ein mehrfach genutztes Passwort dient Hackern als Generalschlüssel für andere Accounts und die Daten darin.

Passwörter besonders gut sichern

Hier dürfen sich Nutzer auch nicht darauf verlassen, dass jeder Dienst ihre Daten gleichermaßen gut schützt. So sollten die Anbieter Passwörter zum Beispiel stets besonders gut sichern – Experten sprechen von „hashen“. „Das war auch vor Jahren schon bekannt“, sagt Volkamer. Das vorgerückte Alter eines Dienstes muss also noch kein Indiz für Sicherheitsmängel sein. Es gebe aber immer wieder Firmen, die sich nicht daran halten, so die Expertin.

Mehr über den richtigen Umgang mit Ihren Daten lese Sie hier:

Nur weil man Zugriff auf einen alten Account hat, lässt er sich aber nicht unbedingt direkt löschen. Einen entsprechenden Link in den Einstellungen gibt es nicht immer – auch nicht bei aktuellen Diensten. Google bietet etwa eine entsprechende Option, Facebook auch, bei Skype gibt es immerhin eine entsprechende Webseite. Doch bei Amazon etwa müssen Kunden den Support bemühen.

Bei älteren oder nicht mehr aktuellen Anbietern ist der Weg zur Kontolöschung oft noch umständlicher. Eine Übersicht dazu, was sich wo wie löschen lässt, gibt es auf Seiten wie Accountkiller oder Justdeleteme – oft gleich mit den passenden Links zur Löschfunktion.

Kundendaten oft nicht gelöscht

Wenn der Nutzer ein Konto schließt oder löscht, sind die Daten darin aber nicht immer weg. 2013 fand der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) bei einer Stichprobe heraus, dass viele Dienste Kundendaten nicht konsequent löschen – leicht erkennbar daran, dass diese auch Jahre später bei einer neuen Anmeldung noch vorhanden sind.

Carola Elbrecht vom Verbraucherzentrale Bundesverband glaubt nicht, dass sich das grundlegend geändert hat: „Sie haben als Verbraucher einen Anspruch darauf, dass Ihre Accounts und die darin gespeicherten Daten gelöscht werden“, erklärt sie. „Der Verbraucher kann aber oft nicht überprüfen oder nachvollziehen, dass das auch passiert.“

Trotzdem kann es sich lohnen, den Rechtsanspruch auf Auskunft über gespeicherte Daten und deren Löschung geltend zu machen – am besten schriftlich und per Post oder Fax.

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