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Niederlande

Floriade lockt Blumenfans nach Venlo

Die niederländische Stadt Venlo ist Gastgeberin der Floriade, einer Blumenschau im XXL-Format. Eröffnung ist am 4. April.

Die bepflanzten Boote gehören zu den Kunstobjekten auf der Floriade.

Venlo. Was für eine Begrüßung: Rund 1,5 Millionen Tulpen werden in den nächsten Wochen in Venlo blühen und die ersten Besucher der Floriade 2012 erfreuen. Die internationale Blumenschau, die nur alle zehn Jahre in den Niederlanden stattfindet, öffnet am 5. April für Besucher. Bis zum 7. Oktober können sie sich in Nord-Limburg über Gartenkunst, Ernährung, Naturheilkunde, Umweltschutz und Nachhaltigkeit informieren. Der offizielle Auftakt am 4. April wird feierlich: Königin Beatrix eröffnet als Schirmherrin die Ausstellung.

Die Floriade ist die weltweit größte Veranstaltung ihrer Art. Sie findet erstmals nahe der Grenze zu Deutschland statt. Bisherige Ausstellungsorte waren 1960 Rotterdam, 1972 und 1982 Amsterdam, 1992 Zoetermeer und 2002 Haarlemmermeer. Rund 100 Aussteller beteiligen sich an der Schau. „Wir nehmen die Besucher mit auf eine internationale Erlebnisreise in die Welt der Gärten, Blumen und Pflanzen“, so Paul Beck, der Geschäftsführer der Floriade 2012.

Für die Ausstellung ist die bestehende Landschaft mit in die Planungen einbezogen worden - wie der Wald, die Wiesen und die archäologischen und kulturhistorischen Elemente. Es gibt auf dem Gelände 5000 Jahre alte Hügelgräber und mittelalterliche Wälle. Die Gesamtfläche der Floriade ist 66 Hektar groß - das entspricht etwa 100 Fußballfeldern. 6000 Quadratmeter davon sind unter Dach. Der Großteil der Grundbepflanzung ist schon vor zwei Jahren in die Erde gebracht worden, blüht also in natürlichem Zyklus. Ergänzt wird mit vorgezogenen Blumen.

Rund zwei Millionen Besucher werden an den 180 Öffnungstagen erwartet, darunter 800 000 aus Deutschland. Rund 40 Länder sowie internationale Organisationen und Institutionen werden sich nach Angaben der Veranstalter präsentieren. Deutschland ist durch Nordrhein-Westfalen vertreten. Das Bundesland präsentiert sich mit einer Architekturlandschaft aus Holz, das für die Land- und Forstwirtschaft von NRW von großer Bedeutung ist. Eine eigene Nordrhein-Westfalen-Woche findet bereits ab dem 16. April statt.

Es folgen weitere Themenwochen - etwa zum Thema Spargel, Erdbeeren und Wein. Auch zu verschiedenen Blumen gibt es Schwerpunkte. „Orchideen & Brautsträuße“ lautet ein Motto Mitte April. Später werden auch Pfingstrosen, Bonsai, Fuchsien, Rosen, Chrysanthemen, Gräser und Dahlien vorgestellt. „Darunter sind auch Blumensorten, die lange Zeit in Vergessenheit geraten waren“, sagt Kristina Peeters, die Sprecherin der Floriade.

Der Floriade Park ist in fünf Themenbereiche aufgeteilt. In der Themenwelt „Environment“ erfahren Besucher alles über Gärten und Gartentrends. Und sie bekommen gezeigt, wie die Umwelt behütet und erhalten werden kann. Vom Eingang aus führt die „Allee der Gartenkulturen“ zum Floriade Plaza, dem zentralen Platz der Ausstellung. Sie besteht aus 120 verschiedenen Baumarten und 15 großen Grünflächen zum Thema „Bürogärten“.

Wer sich für Entspannen und Heilen interessiert, für den hält der asiatisch angehauchte Themenbereich „Relax & Heal“ Kräuter bereit, einen Barfußpfad und Spa-Elemente. Hier lernen Besucher, wie sich die Natur und die Gartenpflanzen auf Gesundheit und Wohlbefinden auswirken. Es gibt in diesem Bereich keine eckigen Formen. Die Bauarbeiter hatten mit den hügeligen Rasenflächen zunächst Probleme. Erst der Tipp eines Gartenarchitekten „Denkt an den Busen Eurer Frau“ habe den gewünschten Schwung ins Grün gebracht, wird erzählt.

Auch verschiedene Künstler haben sich mit ihren Werken beteiligt. Sehr nahe beim Thema Natur ist dabei Sjer Jacobs, dessen große Erdfigur im Laufe des Sommers Moos ansetzen wird. Als Haare sprießen Gräser, die Arme sind aus Wällen mit bodendeckenden Rosen. Ebenso naturverbunden arbeitet der „Weidenmann“ Will Beckers, der fantastische Weidengepflechte zwischen den Bäumen des Waldes „spinnt“. Sie sollen Anziehungspunkt für Kinder sein, werden aber Erwachsene ebenso fazinieren.

Der Gartenbau als Wirtschaftsmotor ist Thema des Abschnitts „Green Engine“. Höhepunkt ist hier die „Villa Flora“ mit einer großen Indoor-Blumenschau. Der 30 Meter hohe Glaskomplex ist eigens für die Floriade 2012 nach Nachhaltigkeitskriterien entworfen und gilt als grünster Bürokomplex der Niederlande. Hier kann der Besucher auf Blumen bieten, selber Gestecke stecken oder eine holländische Tulpe pflanzen. Die Ausstellungen zeigen jede Woche andere Blumen und Pflanzen.

Im Bereich „Education & Innovation“ geht es um bewussten Umgang mit Materialien, Boden und Wasser. Man lernt, was vielen schwer fällt: die natürliche Entwicklung im Garten abzuwarten. Oder einheimische Pflanzen mit Kulturpflanzen zu kombinieren. In diesem Terrain steht auch ein 1700 Quadratmeter großes Gewächshaus mit tropischen Pflanzen und Tieren unter anderem aus Thailand, Kenia und Mexiko, in dem auch Kinder eine Beschäftigung finden - etwa bei der Suche nach dem König des Dschungels. Wer wer sich über Bienen informieren oder sich einmal wie eine fühlen möchte, kann das im Pavillon „Bee for the World“.

Auf dem Theaterhügel im Bereich „World Show Stage“ steht das Amphitheater für 1500 Zuschauer. Entlang des Floriade Boulevard können Besucher Speisen aus aller Welt probieren. Und am Fuße der Floriade Seilbahn, der mit gut einem Kilometer längsten Seilbahn der Niederlande, ist ein großer Rosengarten zu finden. Die Bahn kommt aus der Skiregion Silvretta Montafon und wird nach der Floriade auch dorthin zurückgebracht. „Sie ist die einzige Bahn, deren Talstation wenige Meter über der Bergstation liegt“, so Kristina Peeters.

Die Länderpavillons sind liebevoll von den jeweiligen Teilnehmern errichtet. „Die Chinesen haben sogar ihre eigenen Baukarren mitgebracht“, erzählt Peeters. Ihr Pavillon ist mit gut 1500 Quadratmetern einer der größten Beiträge auf der Floriade, hier sind unter anderem die berühmten Gärten von Suzhou nachgebildet. Neben dem traditionellen chinesischen Baustil werden charakteristische Blumen wie Lotos, Pflanzen und Bäume gezeigt, eingebettet in Wasserpartien.

Spanien ist in Venlo ebenfall groß vertreten, mit zehn Regionen. In einem Pavillon aus Restmaterialen und Holzabfällen wird die Geschichte des spanischen Gartenbaus erzählt. Auf Monitoren können die Produktionsverfahren verfolgt werden: von der Aussaat über die Ernte bis hin zum Handel. Auch die Türkei, Pakistan und Indonesien präsentieren mit eigenen Pavillons, die Türkei mit einem besonders schönem. Am auffälligsten ist ein oranges „Ei“ - der niederländische Pavillon soll einen aufbrechenden Keim darstellen.

Nach dem 7. Oktober werden die Länderpavillions wieder abgebaut, aber der Großteil des Geländes der Welt-Garten-Expo wird nach deren Ende ein grüner Businesspark. Hier sollen Unternehmen aus dem Gartenbausektor eine Heimat finden. Die „Villa Flora“ und der 70 Meter hohe „Innovaturm“ und auch der orange „Keim“ der Niederlande werden weiterhin als Bürogebäude genutzt. Und die Landschaft selber ist großteils als öffentlicher Park geplant. Der, so hoffen die Einheimischen, auch nach dem Sommer 2012 noch Besucher anlockt.

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