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Mittwoch, 29. März 2017 19° 1

Fortsetzung von: Die Königs-Häuser

  • Sa Galera
  • Dalt Murada
  • Cas Garriguer
  • Germán Roldán
  • Miguel Salom
  • Die vielen Gesichter der Insel (unser Foto zeigt die Cala Santanyi) spiegeln sich in den Häusern der Hotel-Vereinigung „Reis de Mallorca“ wider.
  • Ein Traum in Weiß: Das Illa d’Or in Puerto Pollença

„Jeder Zoll königlich!“ Was William Shakespeare dereinst seinem „King Lear“ zuschrieb, gilt auch und in besonderem Maße für die „Könige Mallorcas“. Die Hotel-Vereinigung „Reis de Mallorca“, so die spanische Übersetzung des Adelstitels, die sich mit Haut und Haaren ihrer Insel verschrieben hat, leitet den eigenen Anspruch allerdings nicht von den Sternen ab, obwohl jedes einzelne Haus mit mindestens vier ausgezeichnet ist. Es ist vielmehr die ureigene Philosophie, auf die man setzt: kleine, feine Hotels mit selten mehr als 100 Zimmern abseits touristisch ausgetretener Pfade, professionelle Gastlichkeit, die keine Buffets, sondern ausschließlich Kellner-Service kennt und bei der der Gast nur dann nicht König ist bzw. sein muss, wenn es um die Rechnung geht. Die Zimmerpreise halten sich nämlich durchaus im Rahmen.

Von Wolfgang Ziegler, MZ

ie Kriterien, die sich die Königs-Häuser selbst auferlegt haben, sind streng: Um sich die Krone an die Türe hängen zu dürfen, sind eine perfekte Gastronomie, eine authentische Architektur, die dem landestypischen Stil entspricht, sowie eine persönliche und individuelle Betreuung der Gäste gefragt. Der Aufnahme von neuen Mitgliedern geht eine Besichtigung durch eine Delegation der „Reis“-Hoteldirektoren voraus, nach der ein einstimmiges Votum erfolgen muss. Sagt nur ein einziger der 30 Hoteldirektoren „no“, kann das Haus nicht in die Kooperation aufgenommen werden.

„Und das ist gut so, denn wir wollen unseren Gästen das vermitteln, was Mallorca wirklich ist“, sagt Miguel Salom. Der Direktor des „Reis“-Hotels „Illa d’Or“ in Puerto de Polença im Norden der Insel leitet das zweitgrößte Haus der Vereinigung, das auf eine reiche Geschichte zurückblicken kann: Im Oktober 1929, nur wenige Monate nach seiner Eröffnung, feierte der berühmte spanische Maler, Grafiker und Bildhauer Joan Miró im „Illa d’Or“ seine Hochzeit mit Pilar Juncosa. Ein paar Jahre später ließ sich der berühmteste Gast des Hauses, die englische Schriftstellerin Agatha Christie, vom Charme des Hotels und des Ortes zu ihrer Novelle „Problem in Pollença“ inspirieren, in der sie das „Illa d’Or“ verewigt hat: „Nachdem sie die engen Gassen Pollenças entlang der gewundenen Küste durchschritten hatten, erreichten sie ein kleines Hotel am Meeresufer mit einem Ausblick, der an jenem zauberhaften nebelverhangenen Morgen an den zarten Lichtschleier eines japanischen Stiches erinnerte“, schrieb sie.

Seit dieser „Liebeserklärung“ an das Hotel, ist das „Illa d’Or“ in Großbritannien landauf landab berühmt – bis heute. Noch immer kommen 75 Prozent der Gäste aus England. „Und der britische Hauch, der das Haus dadurch bedingt umgibt, wird auch von den 15 bis 20 Prozent der deutschen Urlauber geschätzt“, wie Hoteldirektor Salom immer wieder bestätigt wird. Die hohe Auslastung des „Illa d’Or“ von annähernd 90 Prozent führt er aber nicht ausschließlich darauf zurück, sondern ebenso auf die moderaten Preise (zwischen 46 und 225 Euro pro Person im Doppelzimmer mit Frühstück).

Eine ganz andere Geschichte erzählt das Landhotel „Sa Galera“ in Ca’s Concos im Südosten Mallorcas. Ursprünglich als Station der Kavallerie eines arabischen Königs gegründet, der ganz in der Nähe eine prächtige Burg bewohnte, war „Die Kutsche“, wie „Sa Galera“ übersetzt lautet, eines von sieben Großgrundbesitztümern, die während der Eroberungen durch König Jakob I. vergeben wurden. Unter Ritter Nuño Sans, der damals als Verwalter fungierte, entwickelte sich auf dem Gut alsbald eines der berühmtesten Gestüte der Insel – eine Tradition, die bis heute gepflegt wird.

Neben den Pferden, die übrigens ausschließlich für die Polizei in der Hauptstadt Palma gezüchtet werden, widmet sich Besitzer Simon Bonet ganz seinem Geschäft, dem Mandel-Export nach ganz Europa, und seinem Hobby, dem „Sa Galera“. Vor nunmehr elf Jahren begann er mit dem Umbau des alten Herrenhauses, vor fünf Jahren eröffnete er das edle Landhotel zwischen Felanitx und Santanyi. „Und seitdem sind die 16 Zimmer zumeist ausgebucht“, sagt Hoteldirektor Germán Roldán – übrigens bei Preisen zwischen 63 und 109 Euro pro Person im Doppelzimmer mit Frühstück. Ein Großteil der Gäste kommt nach seinen Worten aus dem deutschsprachigen Raum, und dies wohl auch wegen der Lage des „Sa Galera“. Einige der schönsten Buchten Mallorcas wie die Cala Mondragó, die Cala Llombars oder auch Es Trenc, der längste Sandstrand der Insel mit seinem berühmten karibik-blauen Wasser, befinden sich ganz in der Nähe.

Nicht minder einzigartig wie das „Illa d’Or“ und das „Sa Galera“ sind die 28 anderen Häuser, die sich zu den „Königen Mallorcas“ zählen dürfen – das „Cases de Cas Garriguer“ etwa, ein von tausendjährigen Olivenbäumen umgebenes Finca-Hotel mit zehn Zimmern (zwischen 53 und 93 Euro pro Person im Doppelzimmer mit Frühstück) bei Valldemossa im Westen der Insel oder das Acht-Zimmer-Haus (drei Doppelzimmer, fünf Suiten) „Dalt Murada“, ein ehemaliges Stadtpalais im Herzen Palmas, von dessen Dachterrasse aus die weltberühmte Kathedrale zum Greifen nah ist (zwischen 70 und 168 Euro pro Person im Doppelzimmer mit Frühstück) oder – die Auflistung ließe sich beliebig fortsetzen.

Allen Häusern gemein ist, dass sie so vielseitig sind wie die Gesichter Mallorcas – und dass sie sich ihre Seele bewahrt haben, damit der Gast seine Seele baumeln lassen kann.

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