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Montag, 20. November 2017 3

Hilfe bei häuslicher Gewalt

24171 – so lautet die Telefonnummer des Frauennotrufs Regensburg. Hier finden misshandelte Frauen Hilfe. Foto: Frauennotruf

Regensburg. 25 Prozent aller Frauen haben schon einmal Gewalterfahrungen gemacht. Häufig findet Gewalt da statt, wo es keiner mitbekommt: In Partnerschaften, im eigenen Haus. Diese Gewalterfahrungen können körperlich, psychisch, sexualisiert oder ökonomisch sein. In Regensburg wurden im vergangenen Jahr 249 Fälle von häuslicher Gewalt gemeldet. Warum Partner gewalttätig werden, hat verschiedene Gründe. Möglich sind Alkoholmissbrauch, bestimmte Lebenssituationen wie Schwangerschaft, Geburt, Trennung, Scheidung, aber vor allem auch Missachtung der Person sowie das Gefühl männlicher Dominanz. Um betroffenen Frauen zu helfen, haben sich in Regensburg mehrere Hilfsorganisationen unter dem „Regensburger Runden Tisch gegen häusliche Gewalt“ zusammengefunden. Marga Teufel, Leiterin der Gleichstellungsstelle Regensburg organisiert diesen Runden Tisch.

Zirkel der Gewalt

Als großes Problem bei häuslicher Gewalt nennt sie das Aushalten. Häufig trennen sich die Frauen erst spät oder gar nicht von ihrem gewalttätigen Partner. „Sie hoffen auf Besserung“, sagt Teufel. Als typische Situation nach der Tat beschreibt sie: „Die Frau liegt im Krankenhaus, der Mann kommt mit einem Blumenstrauß und verspricht, dass es nie wieder passieren wird. So entsteht ein Gewaltzirkel.“ Ein weiterer Grund, den Partner nicht zu verlassen, ist für die Frau die Vorstellung der vollständigen Familie. Sie fühlt sich verantwortlich dafür, die Familie zusammenzuhalten, gerade auch wegen der Kinder, aber: „Kinder leiden unter den Gewalttaten, auch wenn sie nicht selbst geschlagen werden. Sie bekommen psychische, aber auch gesundheitliche Probleme und werden als Erwachsene leichter zu Opfern“, warnt Teufel. Sie rät dazu, bei Bedenken früh Hilfe zu suchen. In anonymen Gesprächen mit dem Frauennotruf, den Frauenhäusern, dem Weißen Ring oder den Gleichstellungsstellen können sich die Frauen Tipps holen, welche Schritte zu tun sind. Möglichkeiten gibt es von der Eheberatung bis hin zu Informationen über Rechtliches oder Organisatorisches, wie zum Beispiel welche Unterlagen sie für die Kinder zusammensuchen müssen, wenn der konkrete Plan besteht, in ein Frauenhaus zu gehen. Zwei Frauenhäuser gibt es in Regensburg. Die Adressen sind geheim, damit die Männer sie nicht aufspüren können.

Neue Broschüren

Will eine Frau rechtliche Schritte einleiten, sind Beweise wichtig. Betroffene sollten deshalb nach einer Misshandlung einen Arzt aufsuchen und die Verletzungen dokumentieren lassen. Für den Fall, dass die Frau Gründe für ihre Verletzungen erfindet, um die Misshandlung zu vertuschen, schult der Runde Tisch Ärzte, solche Verletzungen zu erkennen und zu dokumentieren. Wenn die Frau sich später entscheidet, Anzeige zu erstatten, kann sie auf diese Belege zurückgreifen. Der Runde Tisch stellt zudem neue Broschüren und Notfallkärtchen zur Verfügung, auf denen wichtige Adressen stehen: „Die kann sich die Frau in die Geldbörse stecken und anrufen, wenn es nicht mehr geht“, sagt Teufel.

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