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Samstag, 22. Juli 2017 30° 8

Beispiel

So bringt man die Menschen an den Fluss

In Deggendorf hat sich im Vorfeld der Landesgartenschau viel getan – in Kelheim Fußgängerbrücke und Parkhaus im Gespräch.
Von Elfi Bachmeier-Fausten

Die Geh- und Radwegbrücke, die über die Donau in Deggendorf gebaut wurde. Foto: Stadt Deggendorf

Kelheim.Die Städte Deggendorf und Kelheim sind von der Größe nicht vergleichbar – 35 818 Einwohner (Erst- und Zweitwohnsitz) hatte die Große Kreisstadt Deggendorf am 1. September 2016, in der Kreisstadt Kelheim lebten zu dieser Zeit 16393 Bürger mit Erstwohnsitz. Aber die Donau fließt in beiden Orten. Neugestaltungsmaßnahmen im Donaubereich sind in Deggendorf schon mehrere Jahre realisiert. In Kelheim gibt es bislang erst eine Rahmenplanung Wöhrdplatz, in der unter anderem „Uferpromenade und Donauplatz“ enthalten sind – mit dem Ziel „Stärkung der Aufenthaltsqualität“.

Deggendorfs Stadtplaner Klaus Busch schildert der Reporterin unseres Medienhauses auf Anfrage, wie das Ganze in der Großen Kreisstadt ablief und wie die Resonanz auf die Maßnahmen ist. Wegen des Baues der Technischen Hochschule sei die erste Planung für eine Umgestaltung des Donauufers zurückgestellt worden. Danach seien die in einem Wettbewerb festgelegten Maßnahmen vertieft worden. Dem Zuschlag 2007 für die Landesgartenschau 2014 sei ein Realisierungswettbewerb gefolgt und die erste Maßnahme sei schon 2009 gewesen. Das Donauufer in Deggendorf ist auf einer Länge „von einem gutem Kilometer“ neugestaltet worden.

Klaus Busch nennt als Maßnahmen: die neue Promenade, zwei Spielplätze, hinterm Deich ein eingeschossiges Parkdeck für die Hochschule und für Besucher des Donauufers mit 435 Plätzen mit „grünem Dach“, das begehbar ist – die sogenannten „Deichgärten“ – und eine Geh- und Radwegbrücke.

Donaupromenade in Deggendorf mit Sitzstufen Foto: Stadt Deggendorf

In der Kelheimer Rahmenplanung sind u. a. ein Parkhaus mit Busterminal auf dem Wöhrdplatz und der Bau einer Fußgängerbrücke zum Donaupark enthalten. Nach Auskunft von Klaus Busch kostete das Parkhaus in Deggendorf 8,5 Millionen Euro, auf circa fünf Millionen Euro (4,1 Millionen Euro von der EU und 830 000 Euro vom Freistaat Bayern) hätten sich die Fördermittel belaufen, „weil es ein besonders innovatives, städtebauliches Vorhaben war“. Durch die 456 Meter lange Brücke für Fußgänger und Radfahrer seien Stadtteile mit der Stadt verbunden. Die Brücke werde „sehr gut“ angenommen, vor allem bei schönem Wetter. Bei der Schiffsanlegestelle ist die Promenade „direkt ans Wasser hingelegt, breiter gemacht, ein paar Strandbereiche geschaffen und Sitzstufen angelegt worden“. Busch erwähnt auch die zweite Promenade auf dem Deich.

Spielplatz in Deggendorf auf dem Parkdeck Foto: Stadt Deggendorf

Als Grundstückseigentümer im Neugestaltungsbereich an der Donau nennt er das Wasserwirtschaftsamt, die Bahn und Privatpersonen. Die Stadt habe einiges an Flächen erworben. Die Gesamtkosten für die Maßnahmen: „knapp über 30 Millionen Euro“ und die Förderung „circa 60 Prozent“, bedingt „eindeutig“ durch die Landesgartenschau. Hat sich die Umsetzung des Konzeptes für Deggendorf gelohnt? „100 Prozent, es wird entsprechend gut genutzt.“ Und ein Vorschlag des Deggendorfer Stadtplaners für Kelheim, der die Wittelsbacherstadt „a bissl“ kennt? Er würde Kelheim empfehlen, Maßnahmen zu ergreifen, die es „den Menschen ermöglichen, sich am Wasser aufzuhalten“. Man brauche „immer eine Gesamtplanung“. Es hätte in Deggendorf „mindestens zehn Jahre länger gedauert“, wenn die Stadt keine Landesgartenschau bekommen hätte. Er spricht von Kelheim „von einer sehr schönen Stadt. Klar kann man am Ufer noch mehr machen.“ „Es stellt sich schon die Frage, ob man den Großflächenparkplatz unmittelbar an der Donau braucht.“ Es sei aber klar, dass ein Parkplatz nötig sei, so Busch.

Die Rahmenplanung sieht ein Parkhaus auf dem Wöhrdplatz in Kelheim vor. Foto: Bachmeier-Fausten

Soll sich Kelheim um Landesgartenschau bewerben?

Eine Neugestaltung des Wöhrdplatzes in Kelheim ist seit längerem im Gespräch. Ende Januar ist von Landschaftsarchitektin Andrea Gebhard die Rahmenplanung Wöhrdplatz im Stadtrat vorgestellt worden. Das darin erhaltene Gebiet mit verschiedenen Neugestaltungsideen und größeren Bauprojekten erstreckt sich vom Volksfestplatz am Pflegerspitz der Donau entlang bis zum Alten Kanalhafen. Da große Vorhaben Geld kosten, beschäftigt so manche Kommunalpolitiker auch die Finanzierung und da kommt der Gedanke an Fördermittel auf.

Darstellung der Rahmenplanung Wöhrdplatz

  • Ausstellung

    Kelheims Altstadtmanagerin Sonja Wessel bereite××t eine Ausstellung zur Rahmenplanung vor.

  • Infotafeln

    Laut Bürgermeister Horst Hartmann werden demnächst Infotafeln an „einigen markanten Punkten“, an denen Maßnahmen im Gespräch seien, aufgestellt.

Vielleicht wäre auch eine Bewerbung um eine Landesgartenschau hilfreich, zum einen, um das Neugestaltungsvorhaben voranzutreiben und auch Mittel dafür zu bekommen. Wie wird eine Bewerbung Kelheims um eine Landesgartenschau von Bürgermeister, Landrat und dem Stadtmarketingvereins-Chef gesehen? Da der Bürgerentscheid in Erlangen in diesem Monat mehrheitlich gegen eine dortige Landesgartenschau ausfiel, wird die Landesgartenschau 2024 neu ausgeschrieben. Eine Bewerbung um eine Landesgartenschau könne er sich „im Prinzip vorstellen, aber nicht zum jetzigen Zeitpunkt, weil’s den Stand noch nicht erreicht hat“, dass man über so etwas aktiv diskutieren könnte, so Bürgermeister Horst Hartmann.

Landrat Martin Neumeyer hatte vor langer Zeit eine Landesgartenschau für das frühere Zellstoff-Areal (jetzt Donaupark) ins Gespräch gebracht. Wenn man Flächen für eine Landesgartenschau habe, „nicht nur in Kelheim, sondern auch in der Hallertau“, würde er es „ganz spannend finden“. Neumeyer spricht von einer Riesenchance – eine Bewerbung würde er Kelheim empfehlen. Laut Stadtmarketingvereins-Chef Bernd Lotter habe er mit Bürgermeister Hartmann und Abteilungsleiterin Wieben gesprochen, ob eine Bewerbung Sinn macht. Im Gespräch sei herausgekommen, dass es im Rahmen der Städtebauförderung und sicherlich auch noch andere Möglichkeiten zur Förderung gebe.

Interview mit Bauoberrat Andreas Schranner vim Wasserwirtschaftsamt Landshut

Bauoberrat Andreas Schranner vom Wasserwirtschaftsamt Landshut, der dort in der für den Landkreis Kelheim zuständigen Abteilung ist. Foto: Bachmeier-Fausten

Herr Schranner, was sagt das Wasserwirtschaftsamt (WWA) Landshut zur Rahmenplanung Wöhrdplatz.

Dem Wasserwirtschaftsamt Landshut sind die Ideen der Stadt und Landschaftsplanerin Andrea Gebhard von der Stadt Kelheim inzwischen präsentiert worden. Aus Sicht des WWA sind die Ideen interessant und spannend und auch grundsätzlich vorstellbar. Das gilt sowohl für eine andere Gestaltung des Donauufers, Öffnungen im Donaudeich, eine Fußgängerbrücke oder auch eine Seebühne im Alten Hafen.

Die weiteren Schritte?

Im Detail müsste allerdings im Zuge einer weiteren Vertiefung von der Stadt Kelheim geprüft werden, welche Ideen tatsächlich weiterverfolgt werden sollen und ob alle Ideen, zum Beispiel unter Berücksichtigung der Aspekte des Hochwasserschutzes auch tatsächlich in Angriff genommen werden sollen. Dies gilt natürlich vor allem für eine Öffnung des Deiches. Beim Alten Hafen wären andere Nutzungen auch intensiv unter den Aspekten des Denkmalschutzes zu prüfen.

Ist das WWA einzubinden?

In den Prozess der Vertiefung der Ideen müsste das WWA auch deshalb intensiv eingebunden werden, weil sich die genannten Flächen überwiegend im Staatsbesitz, in der Verwaltung des WWA, befinden. Das gilt für das Donauvorland, den Donaudeich, den Wöhrdplatz und auch den Alten Hafen.

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