Nachrichten 28.07.2007, 00:00 Uhr

Danke Lehrer und Schüler!

Von Harald Raab, MZharald.raab@mittelbayerische.de

Ferien in Bayern: Die Schultasche in die Ecke gestellt oder gefeuert und ein Seufzer der Erleichterung. Wieder einmal durchgewurschtelt. Wenigstens das haben Lehrer und Schüler gemeinsam. Sechs Wochen Ruhe an der Schuldzuweisungsfront Schule, nachdem noch einmal kurz Frust abgelassen wurde. Immer die alte Leier. Lehrer klagen über bildungsunwillige und angeblich zunehmend auch bildungsunfähige Schüler. Die lamentieren ihrerseits im Chor mit den Eltern über ignorante Pauker, unsinnigen Leistungsdruck und Stoffhuberei.

Merken wir eigentlich nicht, welches destruktive Spielchen wir da treiben? Warum loben wir nicht unseren Nachwuchs und unsere Lehrer? Ja, es sind unsere Kinder, unsere Erzieher. Und es ist unsere Zukunft, die wir da miesmachen. Lehrer und Schüler haben auch einmal unseren Dank verdient – für ihre engagierte Arbeit ihren Fleiß. Von wegen faule Säcke.

Herummosern an der Schule: Das kann jeder. Aber konstruktiv verändern: Das wollen leider immer noch zu wenige, zumindest nicht die, die etwas ändern könnten – Politiker, die lieber ihre deutsche Bildungskleinstaaterei pflegen, bestimmte Lehrer-Organisationen, die stur Standespolitik betreiben, die Ober- und Mittelschichten, die einen Teufel tun werden, sich für bildungsferne Teile der Bevölkerung stark zu machen.

In Bayern müssen 35000 Schüler eine Klasse wiederholen, nicht 24000, wie das Kultusministerium schönfärberisch behauptet und die 11000 unterschlägt, die eher gezwungen als freiwillig eine Ehrenrunde drehen. Vergeudete Zeit, vergeudetes Geld, wie Fachleute nachweisen. In Deutschland erreichen drei Prozent der Schüler das Klassenziel nicht. In Dänemark sind es nur 0,3Prozent. „Das deutsche Bildungssystem zeichnet sich dadurch aus, dass es eine schlechte durchschnittliche Leistungsfähigkeit der Schüler, schlechte Spitzenleistungen und eine besonders ungerechte Verteilung der Bildungschancen erreicht.“ So Prof. Karl Lauterbach in seinem Buch „Der Zweiklassen-Staat“.

Lauterbachs Forderungskatalog ist nur zu unterstützen: Einführung der ganztägigen Pflichtvorschule, verpflichtende Sprachförderung, Einführung der Ganztagsschule. Abschaffung der Hauptschule, Aufgabe des dreigliederigen Schulsystems. Hinzuzufügen wäre: In jede Klasse gehören zwei Pädagogen und das Prüfungs- und Notensystem muss grundlegend überdacht werden. Bis wir auch in Bayern so weit sind, muss es leider noch viel schlechter kommen, als es uns der Vergleich an die Wand malt.

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