Ein unwürdiger Bischof
Es ist menschenverachtend, was Bischof Richard Williamson zum Holocaust von sich gegeben hat. Auch wenn es schwer fällt: Man muss das Interview in voller Länge betrachten. Man muss hören, wie der Brite in Seelenruhe darüber doziert, dass das Vergasen von Juden in Auschwitz unmöglich gewesen sei –weil die Türen nicht luftdicht geschlossen hätten und somit die Wärter in Gefahr gewesen wären. Man muss ihn vom deutschen Schuldkomplex schwadronieren hören, der den Juden Milliarden Euro eingebracht habe. Williamson zeigt das hässliche Antlitz des Antisemitismus. Ein unwürdiger Bischof demaskiert sich selbst.
Für den Vatikan ist es ein Debakel. Der Skandal ist eine weitere Bürde für das schwierige jüdisch-christliche Verhältnis. Schwer wiegt, dass Williamson zu den Lefebvre-Bischöfen zählt, dessen Exkommunizierung der Papst soeben aufgehoben hat. Das Dekret war vergangenen Mittwoch abgesegnet worden – am Ausstrahlungstag des Interviews. Der Vatikan wusste damit nichts vom Interview. Doch in der Öffentlichkeit wirkte das Dekret wie ein Persilschein. Eine falsche Kommunikationspolitik hat diesen Eindruck verstärkt. Anfangs hat Rom nur lasch reagiert. Eine rasche, klare und unmissverständliche Distanzierung wäre nötig gewesen.
Der Fall Williamson muss Konsequenzen haben. Eine Entschuldigung des Bischofs reicht nicht aus. Der Vatikan muss gegen den Holocaust-Leugner alle Sanktionsmöglichkeiten ausschöpfen. Ob Rom ihn als Bischof entheben kann, ist fraglich. Williamson könnte eine solche Entscheidung vor den Kirchengerichten anfechten. Eine fatale Vorstellung. Auch die Möglichkeiten der weltlichen Justiz sind begrenzt. Mit mehr als einer Geldstrafe muss Williamson nicht rechnen. Dabei behauptet er am Ende seines Skandal-Interviews, dass er für diese Worte in Deutschland ins Gefängnis geworfen würde. Selbst das ist eine Lüge.
von Christine Schröpf, MZ


