Eisbär als „kleiner Star“ – aber Zoo will keinen Rummel
Ein „kleines“ Mädchen: Das Eisbär-Baby wiegt derzeit 1700 Gramm.
Es ist kaum größer als die Hand eines Erwachsenen, liegt auf einer karierten Decke und nuckelt am Fläschchen - das vier Wochen alte Eisbärenbaby ist schon jetzt der neue Star im Nürnberger Zoo. Nach dem Drama mit zwei toten Jungtieren in den vergangenen Tagen, nach heftiger Kritik und aufreibenden Diskussionen, überwiegt im Tiergarten allmählich die Freude über das gerettete Baby, das tüchtig trinkt und sich allem Anschein nach gut entwickelt. Doch einen Rummel, wie ihn Eisbär Knut im Berliner Tiergarten ausgelöst hat, möchte man in Nürnberg vermeiden. „Das Wohl des Bären steht im Mittelpunkt“, betont Bürgermeister Horst Förther (SPD). „Der Tiergarten bleibt ein Tiergarten und wird kein Zirkus.“
In den nächsten Wochen werden die Besucher das kleine Eisbärenweibchen, das am Dienstag von Mutter Vera getrennt worden war, ohnehin noch nicht zu Gesicht bekommen. Ein Team von zwei bis vier Tierpflegern wird es - abgeschirmt von der Öffentlichkeit - mit der Flasche aufziehen. Die Chancen, dass es sich ordentlich entwickelt, stehen gut, meinen die Verantwortlichen. „Es trinkt alle vier Stunden, und wir versuchen, ihm zwischendurch möglichst oft Körperkontakt zu geben“, erzählt Tiergartenchef Dag Encke. Sogar ein bisschen robben könne die Kleine schon, „aber so hoch ist der Bewegungsdrang noch nicht.“
Ende März, um Ostern herum, könnte es soweit sein, dass das Bärchen erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wird. Noch sind die Tiergartenchefs vorsichtig, was die weitere Entwicklung des Weibchens betrifft: „Erst wenn es drei Monate alt ist und richtig läuft, kann man durchatmen“, sagt Zoo-Vize Helmut Mägdefrau. Mit der Namensgebung will man sich deshalb Zeit lassen.
Unterdessen fragen die Besucher im Tiergarten schon jetzt verstärkt nach dem Baby, wie Heinz Boscher festgestellt hat, der am Haupteingang die Eintrittskarten kontrolliert. Er erwartet eine „Eisbären-Hysterie“: „Das wird zwar nicht ganz so schlimm wie beim Knut, aber der Nürnberger Eisbär ist ja jetzt schon ein Selbstläufer.“
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