Wende im Fall Kurnaz? Neuer Zeuge aufgetaucht
Im Fall des Ex-Guantanamo-Häftlings Murat Kurnaz könnte durch die Aussage eines früheren Mithäftlings das Verfahren gegen zwei Bundeswehrsoldaten eine neue Wende nehmen.
Im Fall des ehemaligen Guantánamo-Häftlings Murat Kurnaz könnte das Verfahren gegen zwei Bundeswehrsoldaten durch die Aussagen eines früheren Mithäftlings eine neue Wende nehmen. Ein Brite, der mit dem aus Bremen stammenden Türken 2002 in einem US- Gefangenenlager im afghanischen Kandahar war, hat nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur dpa vom Donnerstag in Berlin Angaben von Kurnaz in einer entscheidenden Frage bestätigt. Dabei geht es um dessen Darstellung, er sei von deutschen Elitesoldaten des Kommandos Spezialkräfte (KSK) in dem Lager hinter einem Lastwagen misshandelt worden.
Die Staatsanwaltschaft Tübingen hatte das Verfahren gegen zwei Soldaten wegen gefährlicher Körperverletzung im vorigen Mai mit der Begründung eingestellt, dass sie nicht herausfinden konnte, ob der entsprechende Lastwagen im Lager existierte. Er soll zur Fäkalien- Entsorgung eingesetzt worden sein. Im August hatte sie die Ermittlungen wieder aufgenommen, nachdem Kurnaz Anwalt Bernhard Docke zwei Briten als Zeugen benannt hatte.
Beide hätten nun am Mittwoch vor dem geheim tagenden Verteidigungsausschuss des Bundestags ausgesagt, erfuhr die dpa. Während der eine keine genauen Angaben habe machen können, habe sich der andere an den Lastwagen genau erinnert, weil er eigenhändig Kübel mit Fäkalien dorthin gebracht habe. Mit dieser Arbeit habe er seine Essensration aufbessern können.
Docke wertete die Aussage des Briten als „weiteres Indiz“ für Kurnaz‘ Glaubwürdigkeit. „Ich kenne die Aussage nicht, daher möchte ich keine Forderungen aufstellen. Nun bin ich aber schon gespannt, was die Staatsanwaltschaft aus dieser Information macht.“ Docke wies darauf hin, dass amerikanische Soldaten bereits dem „Spiegel“ die Existenz von Lastwagen in dem Gefangenenlager bestätigt hatten. „Insofern überrascht mich die Entwicklung nicht.“
Die Beschuldigten hatten die Vorwürfe bestritten. Sie hatten aber eingeräumt, dass es in dem Lager zur fraglichen Zeit zu einer Begegnung mit Kurnaz gekommen war. Nach Ansicht der Tübinger Staatsanwälte spricht manches für Kurnaz‘ Version des Aufeinandertreffens mit den KSK-Soldaten, es fehlten aber Beweise. „Trotz verbleibenden Verdachts lässt sich nach Auffassung der Staatsanwaltschaft ein Nachweis nicht führen“, hatte die Behörde Ende Mai erklärt. Das Verteidigungsministerium hatte die damalige Einstellung des Verfahrens begrüßt, die Linke hatte sie als voreilig bezeichnet.
Kurnaz war 2001 in Pakistan festgenommen und über Kandahar ins US- Gefangenenlager Guantánamo auf Kuba gebracht worden. Er kam im Sommer 2006 frei, nachdem sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) für ihn eingesetzt hatte. Sein Fall wurde Gegenstand zweier Untersuchungsausschüsse des Bundestags.


