Oberpfalz & Bayern 05.07.2012, 19:56 Uhr

Jugendamt greift häufiger ein

2011 waren 38.500 Kinder und Jugendliche außerhalb ihrer Familien untergebracht. Auch in der Oberpfalz wurden mehr Kinder aus Familien genommen.

Im Jahr 2011 waren deutschlandweit 38.500 Kinder und Jugendliche außerhalb ihrer Familien untergebracht. Foto: dpa

Im Jahr 2011 waren deutschlandweit 38.500 Kinder und Jugendliche außerhalb ihrer Familien untergebracht. Foto: dpa

Von Isolde Stöcker-Gietl und Bettina Dennerlohr, MZ

Regensburg. Die Eltern überfordert, die Kinder verwahrlost, misshandelt oder missbraucht: Immer häufiger müssen die Jugendämter eingreifen und Kinder in ihre Obhut nehmen. Im Jahr 2011 waren deutschlandweit 38.500 Kinder und Jugendliche außerhalb ihrer Familien untergebracht, sechs Prozent mehr als im Jahr 2010 und sogar 36 Prozent mehr als im Jahr 2007. Eine Entwicklung, die sich in dieser Form auch in der Oberpfalz zeigt. Allein im Stadtgebiet Regensburg wurden im vergangenen Jahr 122 Kinder an insgesamt 2639 Tagen in Pflegefamilien oder in Heimen betreut, wie Jugendamtsleiter Günter Tischler auf MZ-Nachfrage mitteilte. Das sind 30 Kinder mehr als noch im Jahr 2008. Auch die Zahl der sogenannten Gefährdungsmeldungen hat deutlich zugenommen. Schulen und Kindergärten, Jugendeinrichtungen, Verwandte oder Nachbarn haben sich in 472 Fällen an das Jugendamt der Stadt Regensburg gewandt. Im Vergleich zu 2008 sind das 111 Meldungen mehr.

„Einrichtungen sind heute besser geschult, um Gefahren für die Kinder zu erkennen. Aber auch die Gesellschaft ist für dieses Thema inzwischen hoch sensibilisiert“, sagt Tischler. Etwa ein Drittel aller Meldungen beim Jugendamt führten dazu, dass die Kinder aus den Familien genommen wurden. Für ein weiteres Drittel wurden engmaschige Kontrollen angeordnet und verschiedene Hilfsangebote unterbreitet. Ein Drittel der Meldungen ergab keinen Verdacht, dass es den Kindern in den Familien nicht gut gehen könnte.

Auch im Landkreis Regensburg liegt die Entwicklung im bundesweiten Trend, sagt Jugendamtsleiter Karl Mooser. Dennoch glaubt er nicht, dass es insgesamt mehr misshandelte oder missbrauchte Kinder in Deutschland gibt oder sich eine Verrohung der Gesellschaft daraus ablesen lässt. „Kinder ab einem gewissen Alter sind heute eher bereit, sich einer Vertrauensperson zu öffnen.“ Überhaupt gebe es inzwischen sehr gute Präventionsmaßnahmen, die dazu führten, dass die Menschen Alarmzeichen besser deuten können. Deshalb würden heute mehr Fälle publik als in der Vergangenheit. Im Landkreis Regensburg wurden im Jahr 2011 rund 220 Gefährdungsmeldungen registriert, teilte Amtsleiter Karl Mooser mit. Aus 67 Familien wurden rund 150 Kinder in Obhut genommen, in nur fünf Fällen ohne die Zustimmung der Eltern, wie Mooser betont. „Wir versuchen immer zum Wohle des Kindes eine einvernehmliche Lösung mit den Sorgeberechtigten zu finden.“

 

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