Oberpfalz & Bayern 10.07.2012, 19:36 Uhr

Riesenrummel um ein Mini-Monster

Die Krokodiljagd am Schwandorfer Klausensee zieht weite Kreise. Einigen Betroffenen geht sie bereits tierisch auf die Nerven.

Die Stadt Schwandorf hat am Mittleren Klausensee ein Badeverbot verhängt. Sicher ist sicher. Dabei ist das mutmaßliche Krokodil nicht gefährlicher als ein schlecht erzogener Dackel – sagen Experten. Foto: dpa

Die Stadt Schwandorf hat am Mittleren Klausensee ein Badeverbot verhängt. Sicher ist sicher. Dabei ist das mutmaßliche Krokodil nicht gefährlicher als ein schlecht erzogener Dackel – sagen Experten. Foto: dpa

Von Franziska Biederer und Claudia Bockholt, MZ

Schwandorf. Claudia Allwang-Wopper, Betreiberin der Gaststätte „Seeklause am Klausensee“ ist genervt: Seit Montag läuft bei ihr das Telefon heiß. „Und? Habt ihr das Krokodil schon gefangen?“ fragen die Anrufer. Zuerst habe sie sich noch amüsiert, doch mittlerweile sei ihr das Lachen vergangenen: „Niemand kommt mehr zu uns zum Baden“. Die Badegäste setzten den Mittleren Klausensee irrtümlicherweise mit dem Naturbad Klausensee gleich. Die ominöse Panzerechse wurde aber in dem kleinen See nebenan gesichtet. „Das Naturbad Klausensee ist nicht gesperrt!“, betont die Gastronomin. Sie glaubt, dass die ganze Geschichte aufgebauscht wird. Rund um den kleinen See gebe es ein Naturparadies mit Enten, Möwen, Fledermäusen. In der Nacht sehe man dort viel.

Nach Einbruch der Dämmerung wurde gestern mit Booten und Scheinwerfern weitergesucht. Krokodile sind nachtaktive Tiere, erklärt Lothar Mulzer, Sprecher der Stadt Schwandorf und mittlerweile Echsen-Experte. Mit einiger Manpower wird die Hatz betrieben: Polizei, Feuerwehr, THW, Wasserwacht und BRK sind vor Ort. Eine Suchaktion mit Tauchern hatte keine Spur gebracht. Dennoch ist Michael Kern, Einsatzleiter der Bereitschaftspolizei, „relativ überzeugt“, dass die Augenzeugen keiner Täuschung aufgesessen sind. Aus einem Meter Entfernung könne man ein Krokodil durchaus von einem Biber unterscheiden.

Gefahr überschaubar

Experten des Tiergartens Nürnberg schätzen das Tier als äußerst scheu ein. Und ungefähr so gefährlich wie ein „ungezogener Dackel. Wenn sie beißen, tut das natürlich weh. Aber es bringt einen nicht um“, sagt der stellvertretende Direktor Helmut Mägdefrau. Obwohl die Gefahr überschaubar ist, hat die Geschichte „eine unglaubliche Dynamik“ entwickelt, die auch den Schwandorfer Pressesprecher erstaunt. Es liege wohl daran, dass wir bei „Kroko-Alarm“ an vier Meter lange Nilkrokodile denken. Selbst wenn es existiert – mit der menschlichen Fantasie kann das Klausensee-„Monster“ nicht mithalten: Schwimmerin und Spaziergänger haben übereinstimmend berichtet, dass es etwa einen Meter lang sei.

 

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