Oberpfalz & Bayern 10.07.2012, 21:55 Uhr

Fabrikantenvilla soll stiften gehen

Die wohltätige Weidener Maria-Seltmann-Stiftung will das Anwesen der Gründerin loswerden. Der Denkmalschutz sperrt sich gegen einen Abriss.

Erhaltenswertes Baudenkmal oder Klotz am Bein einer wohltätigen Stiftung? Die Seltmann-Villa in Weiden Fotos: Schönberger

Erhaltenswertes Baudenkmal oder Klotz am Bein einer wohltätigen Stiftung? Die Seltmann-Villa in Weiden Fotos: Schönberger

Von Reinhold Willfurth, mZ

WEIDEN. Als Maria Seltmann 2005 im gesegneten Alter von fast 103 Jahren starb, hinterließ sie nicht nur ein Millionenvermögen, sondern auch eine Immobilie, die ihren Nachkommen, der nach ihr benannten Stiftung und der Stadt Weiden seitdem viel Kopfzerbrechen bereitet.

Die repräsentative Villa der Porzellanfabrikanten-Familie Seltmann sollte nach dem letzten Willen der alten Dame „versilbert“ und zur Hälfte dem Vermögen der Maria-Seltmann-Stiftung zugeführt werden. Doch aus dem Plan, Erträge aus dem Verkauf der Villa und den 8500 Quadratmetern Grund in guter Lage am Rande der Weidener Innenstadt für gute (Stiftungs-)Zwecke abzuzweigen, wurde nichts: Die Stadt Weiden verhängte ein Veto gegen den geplanten Abriss der „Seltmann-Villa“.

Mit dem Segen der Erben

Die Stiftung unterstützt Kultur- und Bildungsprojekte in Weiden und Umgebung, die manchmal sonst mangels klammer öffentlicher Kassen kaum lebensfähig wären. Aus dem Stiftungsfundus wird zum Beispiel ein Seniorenzentrum mitfinanziert und eine Professur an der Hochschule Weiden. Das Bezirkskrankenhaus Wöllershof wird ebenso gefördert wie das Landestheater Oberpfalz. Zuschüsse erhalten auch viele kleinere Kulturinitiativen in der Region. Und die Stiftung vergisst auch die Ärmsten nicht: Bei der Weihnachtsaktion der Stadt Weiden zählt sie zu den großen Spendern. „Einen Segen für die Region“ hat sie Oberbürgermeister Kurt Seggewiß genannt. Gemäß der Weisung der Stiftungsgründerin und mit dem Segen der Erben, denen die Villa zur Hälfte gehört, machte sich der Stiftungsrat nach dem Tod Maria Seltmanns an die Arbeit, um einen Käufer für das herrschaftliche Anwesen inmitten eines gepflegten Parks zu finden. Interessenten habe es genug gegeben, sagt Hans Grochowina, der Testamentsvollstrecker Maria Seltmanns und Mitglied im Stiftungsrat. „Aber als sie von den Auflagen des Denkmalschutzes hörten, haben sie alle abgewunken“.

Die Stadt als Untere Denkmalschutzbehörde verlangte vom potenziellen Käufer die Sanierung der Villa und den Erhalt des Parks. Damit waren alle Pläne für eine neue Nutzung des Areals, etwa der Bau von Eigentumswohnungen oder Häusern, nach Meinung der Stiftung obsolet. Investoren wurden allein durch die Kosten von bis zu drei Millionen Euro für eine Sanierung des Hauses abgeschreckt. Seitdem bröckelt langsam der Putz von den Mauern des Anwesens, der Park verwildert allmählich. Die Erben müssten alljährlich Tausende von Euro für den Unterhalt aufwenden, die dann nicht für Stiftungszwecke zur Verfügung stünden, bedauert Hans Grochowina.

 

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