Der DSDS-Truck machte am Mittwoch in Regensburg Halt. Foto: Schönberger
Von Isolde Stöcker-Gietl, MZ
Regensburg. Wer Superstar werden will, der braucht vor allem eins: Geduld. Schon um elf Uhr morgens stehen die ersten Kandidaten vor dem Casting-Truck in Regensburg. Hier und da wird noch einmal der Song einstudiert, die Gitarre gestimmt und der Lidstrich nachgezogen. Max Kolbeck, derzeit Praktikant in der MZ-Kulturredaktion, reiht sich in die Schlange ein. Singen, sagt er, kann er eigentlich nicht. Aber musikalisch ist er. Deshalb hat er heute einen Spezialauftrag: Einmal hinter die Kulissen von Deutschlands größter Castingshow blicken.
Zwischen 100 und 120 Teilnehmer stehen in der prallen Sonne vor den Arcaden. Sie alle wollen Superstar der zehnten Staffel werden. Zwei Regensburger Kandidaten haben es ja schon geschafft. Elli Erl ist bis heute die einzige weibliche Gewinnerin, Daniele Negroni kam bis ins Finale. Und wer schafft es heute eine Runde weiter?
Florian Podvorica aus Neutraubling ist der Erste in der Reihe. Der 18-Jährige will „Killing me softly“ singen. „Mein Puls ist schon auf 200, ich bin ziemlich aufgeregt.“ Doch es dauert noch, bis er endlich die erste Hürde nehmen darf. Denn erst kommt Kim Gloss. Die Sängerin war bei DSDS einst unter den Top vier. Vom Truckdach aus dirigiert sie ein Ständchen für Dieter Bohlen und singt ihren neuen Song „Barbie Girl“. Dann geht es ab zum Bad in der Menge.
Warten, warten, warten
Und Florian Podvorica wartet weiter. Es ist schon halb eins, als sich die Absperrung öffnet und die ersten Teilnehmer Einlass erhalten. Vertrag ausfüllen, unterschreiben, Nummer anheften. Danach ist wieder Warten angesagt. In der Schlange stehen Manu Kappenberger aus Cham und Kristina Zink aus Regensburg. Sie haben sich gerade erst kennengelernt. Beide wollen „Halleluja“ singen. Jetzt stimmen sie den Song nochmal gemeinsam an. Klingt nicht schlecht, aber ob es reichen wird?
Unser MZ-Teilnehmer Max Kolbeck ist da ganz locker. „Ich weiß ja, dass das eh nix wird.“ „Wannabe“ von den „Spice Girls“ will er zum Besten geben. Geübt hat er nicht. Wozu auch, wenn er nur sehen will, was sich hinter der verschlossenen Trucktür abspielt. Dagegen will sich Sandra Horvatic einen Lebenstraum erfüllen. „Singen bedeutet mir sehr viel“, sagt sie. Zum Casting hat sie ihre dreijährige Tochter Mariella mitgebracht. Kind und Singen – sie will beides unter einen Hut bringen, sofern sie es in die nächste Runde schafft.
Tom Wenzel aus Rohr hat das Vorcasting in Regensburg überstanden. Foto: Schönberger
Florian Podvorica ist endlich am Ziel. Nervös steht er vor der Trucktür und wartet auf Einlass. Drei Songs, so hat man ihm vorher gesagt, soll er vorsingen. Hinter der Tür sitzen zwei Musikredakteure. Auf Dieter Bohlen treffen die Kandidaten erst, wenn sie dieses erste Casting erfolgreich überstanden haben. Die Tür geht auf. Florian tritt ein. Wenige Minuten später ist er schon wieder draußen und schüttelt den Kopf. „Sie haben mir gesagt, dass ich nicht mit meinem Publikum korrespondiere“, berichtet er im Gespräch mit der MZ. Der Traum ist geplatzt. Traurig, sagt Florian Podvorica, sei er aber nicht. Wer nicht wagt, kann schließlich nicht gewinnen.
Bis aus Tirol ist die 15-jährige Ema mit ihrem Vater angereist. Das Mädchen hat Casting-Erfahrung, hat sich bereits beim „Supertalent“ beworben und kam in die zweite Runde von „My name is...“ Auch diesmal sieht es so aus, als ob die junge Sängerin nicht umsonst eine zweieinhalbstündige Autofahrt auf sich genommen hat. Gerhard Hanisch erzählt, dass seine Tochter bereits bei den Olympischen Jugendspielen in Innsbruck das Eröffnungslied singen durfte. „Sie ist wirklich gut“, lobt der Vater. Ema kommt aus dem Truck. Kurzzeitig herrscht Verwirrung. Sie soll vor der Kamera noch einmal singen, obwohl man ihr eigentlich schon mitgeteilt hat, dass sie nicht weiter ist. Dennoch singt Ema „Call me maybe.“ Die RTL-Castingredakteurin schwenkt die Kamera, dann bedankt sie sich. „Vielleicht beim nächsten Mal“, sagt sie zum Abschied. Ema ist enttäuscht und verschwindet mit gesenktem Kopf.
Durch 30 Städte fährt der Casting-Truck in diesem Jahr. Die Tour des mobilen Studios begann am 24. August in Bern, der Geburtsstadt des diesjährigen DSDS-Gewinners Luca Hänni. Über Stuttgart, Mannheim, München und Wien kam das Casting-Team aus Salzburg an die Donau. Wieviele Kandidaten bislang die Vorcastings erfolgreich durchlaufen haben, will RTL nicht sagen. Überhaupt geben sich die Castingredakteure beim Besuch in Regensburg sehr verschwiegen. Keine Teilnehmerzahlen, keine Daten zur neuen Staffel. Das Einzige was wohl sicher ist: Dieter Bohlen ist auch bei der Jubiläumsstaffel mit dabei.
Kandidat Michael Exl kommt aus Passau und singt vor der Jury.
Jubelnde Eltern an der Bande
Nun ist auch Max Kolbeck an der Reihe. „Bevor du durch die Tür gehst, erhältst du genaue Anweisungen. Auf der Markierung stehen bleiben. Die Jury nicht per Handschlag begrüßen, kurz vorstellen“, berichtet er. Max ist nach drei Minuten wieder da. Sein Gesang hat nicht überzeugt. „Und Kim Gloss hat mich gar nicht angesehen, sondern nur mit ihrem Handy gespielt.“. Wie er sich als DSDS-Kandidat gefühlt hat? „Wie eine Sau, die zur Schlachtbank geführt wird.“
Es ist kurz vor zwei Uhr, als Tom Wenzel (26) aus Rohr (Lkr. Kelheim) aus dem Truck kommt. Der Sänger mit der Nummer 20672 reckt die Daumen nach oben. Geschafft! Seine Eltern Elisabeth und Gerry stehen jubelnd an der Bande. „Ich kann es nicht glauben“, sagt die Mutter. Tom wird am Ende dieses Casting-Tages der einzige Kandidat sein, der es in die nächste Runde schafft. Steht hier schon der nächste Superstar aus Regensburg? Jetzt liegt es an Dieter Bohlen.