Oberpfalz & Bayern 11.09.2012, 20:28 Uhr

Der harte Kampf gegen Killer-Kristalle

Oberfranken und die Oberpfalz werden mit der Modedroge Crystal Speed überschwemmt. Jetzt soll die Politik den Kampf gegen Crystal unterstützen.

Der Konsum der Droge Crystal Speed entwickelt sich im ostbayerischen Grenzland zu einem immer größer werdenden Problem. Fahnder stellen immer wieder Drogen sicher – doch die Dunkelziffer ist hoch. Foto: dpa

Der Konsum der Droge Crystal Speed entwickelt sich im ostbayerischen Grenzland zu einem immer größer werdenden Problem. Fahnder stellen immer wieder Drogen sicher – doch die Dunkelziffer ist hoch. Foto: dpa

Von Fritz Winter, MZ

Schwandorf. Die Bundestagsabgeordnete Marianne Schieder (SPD) aus Schwarzberg im Landkreis Schwandorf ist auf das Höchste alarmiert. „Hier rollt ein Problem auf uns zu, das in seiner Gefährlichkeit gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann“, sagt sie. Seit langem beobachtet die Politikerin, wie die vor allem in Tschechien hergestellte Modedroge Crystal Speed von der Grenze ins Landesinnere einsickert. „Der Konsum und die damit verbundene Beschaffungskriminalität nehmen dramatisch zu“, sagte Schieder am Dienstag im MZ-Interview.

Für Prävention und Repression

Die bayerische SPD-Landesgruppe im Bundestag hat deshalb unter Schieders Federführung einen Antrag im Parlament eingebracht, indem die Bundesregierung aufgefordert wird, die weitere Ausbreitung des Konsums synthetischer Drogen einzudämmen. „Wir müssen nicht nur ein Programm zur Stärkung der Schulsozialarbeit im Bereich der Drogenprävention auflegen, sondern auch auf europäischer Ebene für eine effizientere Bekämpfung dieser Modedroge sorgen“, sagte Schieder. „Wir brauchen Prävention und Repression“.

Die aktuellen Erkenntnisse des Polizeipräsidiums Oberpfalz geben der Politik Recht: Verstöße mit Methamphetaminen in kristalliner, flüssiger oder Pulverform haben sich im vergangenen Jahrzehnt fast verdreifacht. In Bayern wurden 2011 1558 Fälle aktenkundig, ein Plus gegenüber dem Vorjahr von 420 Fällen – und die Dunkelziffer liegt weit höher. In der gesamten Oberpfalz wurden 2011 2,35 Kilo Crystal sichergestellt, davon 90 Prozent in den Grenzlandkreisen Tirschenreuth, Neustadt/WN, Schwandorf und Cham. Betroffene schildern in Suchtkliniken, dass sie schon mit einem halben Gramm Crystal ein ganzes Wochenende lang „voll drauf“ gewesen seien.

Zwar haben Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich und sein tschechischer Amtskollege Jan Kubice Mitte Februar dieses Jahres in Hof ein Kooperationsabkommen zur verschärften Bekämpfung der Kriminalität im Grenzbereich unterzeichnet, doch das ist Marianne Schieder nicht genug. „Die Politik darf die Polizei an der Grenze mit dem Problem nicht alleine lassen“, sagt sie und fordert, das seit 2007 in Schwandorf bestehende gemeinsames Zentrum der deutsch-tschechischen Polizei- und Zollzusammenarbeit langfristig zu sichern. Auch dürften die im Grenzgebiet benötigten Kräfte der Bundespolizei nicht durch regelmäßige Abordnungen an andere Dienstorte wie etwa an den Flughafen München geschwächt werden. „Die Politik muss hier die Diskussion immer wieder von neuem anstoßen und das Drogenproblem im Bewusstsein der Menschen halten“, so die Abgeordnete.

 

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