Oberpfalz & Bayern 12.09.2012, 21:57 Uhr

Main-Donau-Kanal spaltet Gemüter

Eine technische Meisterleistung oder die teuerste Freizeitwasserstraße der Welt? Am 25. September 2012 wird der Main-Donau-Kanal 20 Jahre alt – aber schon viel länger entzweit er Naturschützer und Betreiber.

Für Guido Zander ist der Main-Donau-Kanal kein Ärgernis, sondern eine Bereicherung. Der Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes in Nürnberg glaubt daran, dass die Wasserstraße ihre Kapazitäten bald voll ausschöpfen kann. Der Bund Naturschutz hält dagegen. Fotos: Durain

Für Guido Zander ist der Main-Donau-Kanal kein Ärgernis, sondern eine Bereicherung. Der Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes in Nürnberg glaubt daran, dass die Wasserstraße ihre Kapazitäten bald voll ausschöpfen kann. Der Bund Naturschutz hält dagegen. Fotos: Durain

Von Pascal Durain, MZ

Beilngries. Auch wenn der Hausherr spricht, geht der Betrieb weiter. Im grauen Anzug steht Guido Zander vor einer Schar Journalisten in der Steuerzentrale der Schleuse in Hilpoltstein, als gerade ein Güterschiff nach unten gelassen wird. Nach unten – das sind von hier im vierten Stock aus knapp 25 Meter, viele Tonnen Wasser werden abgepumpt, damit 660 Tonnen Dünger, die der lange Kahn „Herbert“ geladen hat, den Main-Donau-Kanal passieren können. Und dieser Moment kommt wie gerufen. Der Wasserweg ist für die einen eine technische Meisterleistung, die die Wirtschaft beflügelt – für die anderen ist der Kanal die teuerste Freizeitwasserstraße der Welt, die gigantische Umweltschäden angerichtet hat. Am 25. September wird der Main-Donau-Kanal 20 Jahre alt.

Der Hausherr erzählt, dass der Kanal auch im Jubiläumsjahr noch Kapazitäten frei habe, sich aber als Wasserstraße längst bewährt hätte. Guido Zander muss das sagen, er ist der Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamts Nürnberg. Wenig später räumt er aber ein, dass sich der Kanal betriebswirtschaftlich nicht rechne und nur 20 Prozent seiner eigenen Kosten decken könne. Volkswirtschaftlich sei das natürlich anders zu sehen. Es ist kurz nach 10 Uhr; die Pressefahrt der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Süd hat begonnen.

Wiedersehen mit alten „Kämpfern“

Der Bund Naturschutz (BN) sieht das anders. Am Montag machten das die Mitglieder an der Schiffsanlegestelle Beilngries klar. Es ist 10.05 Uhr, die Pressefahrt der Kanalkritiker beginnt: Ein Pfundskerl mit Janker und Goldrandbrille steigt aus dem Reisebus aus und schüttelt die Hände alter Bekannter. Dieser Mann ist einer der letzten aktiven „Kämpfer“ gegen den Kanalausbau, wie er von sich selbst sagt. Aber heute ist er auch der Landes- und Bundesvorsitzende der Naturschützer: Professor Dr. Hubert Weiger. Schon vor vier Jahrzehnten gingen er und die Kreisgruppen auf die Barrikaden, als sie erfuhren, was die Betreibergesellschaft, die „RMD“, da vorhat, berichtet er: Eine der wichtigsten Wasserbundesstraßen sollte quer durch das Sulz- und Altmühltal verlaufen. Jetzt steht er unter der Brücke, blickt hinauf und schüttelt den Kopf und erklärt, welches Unrecht der Natur angetan und wie der Bau dieses Prestigeprojekts politisch durchgesetzt worden sei. Aber das sollen die Reporter mit ihren eigenen Augen sehen.

 

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