Oberpfalz & Bayern 25.09.2012, 18:07 Uhr

Oberpfälzischer Acker birgt Sensationen

Ein Gräberfeld voller Geheimnisse: Archäologen graben sich derzeit an der Naab durch die Geschichte der slawischen Ahnen der Oberpfälzer.

Millimeter um Millimeter ziehen Archäologen bei Iffelsdorf den Boden auf der Suche nach Spuren ab. Foto: Willfurth

Millimeter um Millimeter ziehen Archäologen bei Iffelsdorf den Boden auf der Suche nach Spuren ab. Foto: Willfurth

von Reinhold Willfurth, MZ

IFFELSDORF. Das kleine Mädchen war drei bis vier Jahre alt, als es starb. Die Eltern verabschiedeten sich mit einer anrührenden Geste von ihm: Liebevoll schmückten sie ihr Kind mit einer Halskette aus bunten Glasperlen, und sie legten das Taschenmesser des Mädchens mit ins Grab – damit es sich auf der Reise ins Jenseits immer etwas zu essen zubereiten konnte.

Der Anblick der Glasperlen mit ihrem matten Glanz in Gold, Blau und Bronze und der Reste des Taschenmessers geht zu Herzen – auch heute noch, rund 1200 Jahre nach dem Tod des kleinen Mädchens. „Kinder mussten damals früh mit anpacken, um den Erhalt der Familie zu sichern“, sagt Hans Losert. Das kleine Mädchen bot noch keinen praktischen Nutzen für das harte Leben in der slawischen Familie. Es hatte noch keinen gesellschaftlichen Status. Aber Rituale wie diese „zeigen, dass die damaligen Eltern ihre Kinder genauso liebten wie die heutigen“.

Losert, Archäologe an der Universität Bamberg, sein Kollege Prof. Erik Szameit aus Wien und ein Grabungsteam mit Studenten aus vier Ländern untersuchen seit vier Wochen ein Gräberfeld auf einem Acker bei Iffelsdorf, das zur Stadt Pfreimd (Kreis Schwandorf) gehört. Sie haben dort nicht nur anrührende Dokumente menschlicher Liebe gefunden, sondern auch eine archäologische Sensation.

Wie die Griechen und die Römer

Bisher war immer nur vermutet worden, dass die Slawen, diese frühen Oberpfälzer mit Migrationshintergrund, ihre Angehörigen nicht nur feierlich bestatteten, sondern zum Gedenken an ihre Verstorbenen direkt am Grab Feste mit Speis, Trank und Tanz veranstalteten. „Da ging es oft lustig zu“, sagt Losert. Ein Ritual, das sich bis heute im orthodoxen Kulturkreis, etwa in Serbien und Russland, wo man beim Feiern am Grab nicht mit Wodka und Slivovitz knausert, erhalten hat – aber beispielsweise auch im tiefkatholischen Mexiko. Im Oberpfälzer Iffelsdorf aber gelang nun der Beweis für das Feier- und Opferritual der ersten Oberpfälzer slawischer Herkunft. Archäologe Losert nimmt an, dass die aus Südosteuropa zugewanderten Slawen das Feiern am Grab ihrer Angehörigen von mediterranen Kulturen, sprich von Griechen und Römern, übernommen haben. Die Oberpfälzer Zuwanderer „waren wohl schon christianisiert, aber es haben sich noch heidnische Riten erhalten“.

 

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