Oberpfalz & Bayern 10.10.2012, 09:49 Uhr

Neue Ermittlungen gegen Organ-Arzt

Dem ehemaligen Transplantationsmediziner am Regensburger Uniklinikum legt die Staatsanwaltschaft nicht mehr 23, sondern jetzt 43 Fälle zur Last.

Die Regensburger Staatsanwaltschaft hat ihre Ermittlungen gegen den 45-jährigen ehemaligen Oberarzt des Universitätsklinikums Regensburg ausgeweitet. Foto: dpa

Die Regensburger Staatsanwaltschaft hat ihre Ermittlungen gegen den 45-jährigen ehemaligen Oberarzt des Universitätsklinikums Regensburg ausgeweitet. Foto: dpa

Von Wolfgang Ziegler, MZ

Regensburg. Der 45-jährige Oberarzt, der den Transplantations-Skandal am Universitätsklinikum Regensburg (UKR) ausgelöst hat, gerät immer mehr ins Fadenkreuz der Justiz. Seit gestern ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen ihn nicht mehr nur in 23, sondern jetzt in 43 Fällen. Nach Angaben von Behördensprecher Oberstaatsanwalt Dr. Wolfhard Meindl habe das UKR nochmals alle Transplantionen des leitenden Mediziners aus den Jahren 2004 bis 2006 untersucht und dabei die weiteren „Auffälligkeiten“ festgestellt.

Aufgrund der neuen Fälle würden die Ermittlungen nach seinen Worten nun ausgeweitet und noch erhebliche Zeit in Anspruch nehmen. Meindl wörtlich: „Das kann noch Wochen dauern.“ Grund für den schleppenden Verlauf der bereits am 2. August aufgenommenen juristischen Recherchen seien nach Aussage des Oberstaatsanwalts die „hochkomplizierten medizinischen Fachfragen“, mit denen sich die Ermittler beschäftigen müssen. Deshalb hat die Anklagebehörde auch einen medizinischen Experten mit Transplantationskenntnissen eingeschaltet, dessen Aufgabe es sei, ärztliche Aufzeichnungen in eine für Strafrechtler verständliche Sprache zu übersetzen. „Für uns ist das wie bei einer Fremdsprache“, sagte Meindl. Wie viel Zeit dafür notwendig sei, vermochte der Sprecher gestern nicht zu sagen. Wegen der 20 neuen Fälle werde sich das Verfahren aber sicherlich weiter in die Länge ziehen.

Fachanwältin fordert Experten

Nach Ansicht von Alexandra Glufke-Böhm, Regensburger Fachanwältin für Medizinrecht, müsste dies nicht so sein. Die Juristin fordert schon seit längerer Zeit eine Schwerpunkt-Staatsanwaltschaft, also Experten innerhalb der Anklagebehörde, für die Medizinrecht kein Fremdwort ist. Gerade in Regensburg, einer Stadt mit so vielen Ärzten und Kliniken, wäre ein solches Kompetenzzentrum sinnvoll, sagte sie gegenüber unserer Zeitung. Schließlich passiere im Medizinsektor in strafrechtlich relevanter Hinsicht immer mehr – „und wir haben kaum Mittel der Ahndung, wenn einmal etwas schief geht“.

 

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