Ein Edelgas, das heilen und töten kann
Das radioaktive Gas Radon tritt in Ostbayern besonders häufig auf. Es kann Schmerzen von chronisch Kranken lindern – und Lungenkrebs auslösen.
Wer mehr als 1000 Bequerel Radonbelastung in seinem Keller misst, sollte laut LfU Abhilfe schaffen. Foto: dpa
REGENSBURG. Es riecht nicht, es ist farblos und hinterlässt keinen Geschmack. Ein Gas ohne Eigenschaften, sozusagen – wenn da nicht zwei unterschiedliche Qualitäten wären, die Umweltmediziner, Baufachleute und Betreiber von Heilbädern hellwach werden ließen. Denn dieses Edelgas kann töten. Und es kann heilen.
In Ostbayern dringt das natürlich vorkommende Gas besonders intensiv an die Erdoberfläche – oder es vermischt sich mit Grundwasser. Letzteres freut den Bezirk Oberpfalz, den Betreiber des Sibyllenbads in Neualbenreuth (Kreis Tirschenreuth): Radonhaltiges Wasser kann, richtig dosiert, Schmerzen bei Gelenkerkrankungen dauerhaft lindern.
Umweltamt warnt vor Rissen
Wenn Radon aber Gelegenheit bekommt, sich in Gebäuden anzusammeln, ist es vorbei mit der Heilkraft. Das Gas kann das Risiko etwa für Lungenkrebs steigern. In Sachsen, wo das Erzgebirge ähnlich hohe Radonwerte aufweist wie der Oberpfälzer und Bayerische Wald, wurde bereits die deutschlandweit erste Baufachberatung zum Schutz vor Radon eingeführt. Seit dem Frühjahr baut das bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) ein „Info-Netzwerk Radon“ auf.
„Das Gas tritt gehäuft aus Granit- und kiesigen Böden aus“, sagt LfU-Sprecher Stefan Zoller. Vor allem bei Rissen in der Bodenplatte und erdberührenden Wänden von Kellern älterer Häuser sei Vorsicht geboten. Auch durch kleine Spalten, die beispielsweise um einen Bodensiphon liegen, könnten erhebliche Mengen Radon in den Keller gelangen. Das LfU rät, Ausbreitungspfade wie Leitungsdurchführungen in Keller und Wohnraum abzudichten. Abwehren kann man die Radon-Invasion auch mit ständigem oder Stoßlüften der Kellerräume.
Wer sich über die Radonbelastung im eigenen Keller oder in den Wohnräumen unsicher ist, kann mit einem einfachen Gerät Klarheit schaffen: Ein sogenanntes Exposimeter misst über einen Zeitraum von bis zu einem Jahr zuverlässig, ob bedenkliche Werte vorliegen. Bei einer Radonkonzentration im Kellerraum von über 1000 Bequerel pro Kubikmeter gibt es laut LfU Handlungsbedarf.

