Oberpfalz & Bayern 27.10.2012, 17:36 Uhr

Anruf von Söder-Sprecherin sorgt für Wirbel

Ein BR-Beitrag über wechselnde Standpunkte des CSU-Ministers zur Atomkraft wurde 2011 nach einem Anruf von Söders Sprecherin aus dem Programm genommen. Der Sender und die Sprecherin weisen die Vorwürfe politischer Einflussnahme zurück.

Der BR nahm 2011 einen Beitrag mit Markus Söder aus dem Programm. Foto: dpa

Der BR nahm 2011 einen Beitrag mit Markus Söder aus dem Programm. Foto: dpa

München/Berlin. Die Affäre um Einflussversuche auf Medien weitet sich aus: Dieses Mal geht es um einen Fall aus dem Jahr 2011, um das CSU-geführte Umweltministerium und den Bayerischen Rundfunk (BR). Die Sprecherin des heutigen Finanzministers Markus Söder bestätigte am Samstag einen Bericht der „Süddeutschen Zeitung“, wonach sie am 17. März 2011 einen kritischen Bericht über den Meinungswandel des damaligen Umweltministers nach der Atomkatastrophe von Fukushima monierte. Der Beitrag aus der Nachmittagsausgabe der BR-Rundschau wurde am Abend nicht mehr gesendet. „Meiner Ansicht nach war der Beitrag aus journalistisch-fachlichen Gründen nicht sachgerecht“, sagte Ulrike Strauß. Söder stellte am Samstag klar, dass er nichts davon gewusst habe. „Der Anruf erfolgte ohne Auftrag und ohne mein Wissen“, sagte er der „Bild am Sonntag“. BR-Chefredakteur Sigmund Gottlieb betonte, es gebe keinen Zusammenhang zwischen Anruf und Programmentscheidung.

Sprecherin nimmt Söder in Schutz

Söder sagte der „Bild am Sonntag“, er habe den beanstandeten Fernsehbeitrag nie gesehen. „Ich hatte an diesem Tag eine Regierungserklärung zum Thema Energiewende abzugeben. In der Nacht zuvor hatten wir beschlossen, Isar I abzuschalten. Da gucke ich nachmittags nicht Fernsehen.“

Zuvor war Söder bereits von seiner Sprecherin in Schutz genommen worden. „Ich habe mich eigenständig entschieden, anzurufen. Es gab keinen Auftrag, ich habe darüber niemanden informiert.“ Strauß betonte außerdem: „Der Anruf erfolgte nach Ausstrahlung der Sendung.“ Der BR bestätigt in einer Stellungnahme, dass es keine Einflussnahme gegeben habe. Der Finanzminister sieht darin den Unterschied zum Fall um den vergangene Woche zurückgetretenen CSU-Sprecher Hans Michael Strepp. Dieser hatte im Vorfeld einer Berichterstattung über die Nominierung des bayerischen SPD-Spitzenkandidaten Christian Ude interveniert. Eine Vergleichbarkeit sehe er deshalb nicht, „da die Anregung nach Ausstrahlung des Beitrags erfolgt ist. Das ist Alltag zwischen Sprechern und Medien.“

 

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