Oberpfalz & Bayern 07.03.2013, 22:07 Uhr

Bistum wird Missbrauchsskandal nicht los

Während in Kloster Ettal die Opfer des Missbrauchs aufatmen, bleibt es in Regensburg still. Nun nimmt der Sprecher des Bistums Stellung.

Die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche kommt in vielen Teilen nur sehr schleppend voran. Auch vom Bistum Regensburg fordern Opfer, mehr Details an die Öffentlichkeit zu geben. Foto: dpa

Die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche kommt in vielen Teilen nur sehr schleppend voran. Auch vom Bistum Regensburg fordern Opfer, mehr Details an die Öffentlichkeit zu geben. Foto: dpa

von Pascal Durain, MZ

Regensburg. Als im Jahr 2010 Fälle von sexuellen Missbrauch und Misshandlungen in zahlreichen katholischen Einrichtung in Deutschland bekannt wurden, erschütterte der Skandal auch Regensburg. Denn auch in einem der ältesten Knabenchore der Welt, den Regensburger Domspatzen, kam es zu Übergriffen und Gewaltexzessen. Das Bistum versprach Aufklärung und betonte immer wieder, nichts unter den Teppich kehren zu wollen. Doch zahlreiche Opfer hegen schon lange Zweifel daran.

Die Suche nach der Glaubwürdigkeit

Bistumssprecher Clemens Neck weist diese Kritik zurück. Persönliche und individuelle Aufarbeitung könne sehr unterschiedlich sein. Diese könne zum Beispiel Therapieangebote umfassen oder auch Gespräche mit Beschuldigten.

Er erklärte, dass man sich bei der Aufarbeitung an die Leitlinien der katholischen Kirche halte. Und: „Jede Beschuldigung sexuellen Missbrauchs, die das Bistum Regensburg erreicht, wird umgehend veröffentlicht, indem sie der Staatsanwaltschaft zur Kenntnis gebracht wird“, so Neck schriftlich.

Wenn aber die Staatsanwaltschaft kein Verfahren eröffnen kann, weil der Fall verjährt ist und auch ein kirchenrechtliches Verfahren nicht eingeleitet werden kann, setze man auf ein sogenanntes Anerkennungsverfahren. Dieses Verfahren sei „ein rechtsförmiger Weg, eine Beschuldigung auch dann anzunehmen, wenn die strafrechtlichen Mittel der Rechtsfindung nicht mehr zum Einsatz kommen können“. Dazu müsse der „Beschuldigende“ einen entsprechenden Antrag stellen. Hilfe dazu biete die Missbrauchsbeauftragte des Bistums. Dieses Anerkennungsverfahren helfe, Anschuldigungen zu verfolgen – auch ohne strafrechtliche Mittel. Von einem unabhängigem Juristen werde dann geprüft, ob die Beschuldigung in sich nachvollziehbar ist.

Zehn Täter wurden verurteilt

Seitdem Missbrauchsskandal ist laut Neck ein breites Bündel an Präventionsmaßnahmen zum Einsatz gekommen. Auch er habe beim Antritt seiner Stelle ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vorliegen müssen. Eine Übersicht möglicher Maßnahmen finde man auf der Homepage der Deutschen Bischofskonferenz. Zudem habe das Bistum Regensburg im Jahr 2011 auch die Personalakten aller Mitarbeiter im seelsorglichen Dienst nach Hinweisen auf einschlägige Straftaten durchsucht. Ergebnis: „Die Untersuchung ergab keine neuen Erkenntnisse.“ Bisher seien aber zehn Täter strafrechtlich verurteilt worden.

 

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