SPD-Kandidat zwingt Höher (CSU) in die Stichwahl
OB-Wahl Weiden: Seggewiß überrascht mit hohem Ergebnis / Union wertet Wahlgang als Abstrafung von Schröpf
Siegesgewissheit auf beiden Seiten: Lothar Höher (CSU, rechts) und sein sozialdemokratischer Herausforderer in der Stichwahl in zwei Wochen, Kurt Seggewiß, nach dem gestrigen Wahlgang. Foto: Schönberger
Von Fritz Winter, MZ
WEIDEN. Tosender Applaus bei der SPD – lange Gesichter bei der CSU: Die Entscheidung über die Nachfolge von Oberbürgermeister Hans Schröpf (CSU) ist am gestrigen Wahlsonntag in Weiden um zwei Wochen vertagt worden. Der CSU-Bewerber Lothar Höher erhielt nur 41,7 Prozent der Stimmen, Kurt Seggewiß von der SPD kam auf 37,6 Prozent. Beide müssen nun in die Stichwahl.
Aus dem Stand erhielt der FDP-Kandidat Prof. Theodor Klotz 14 Prozent.
Giesela Helgath kam auf 5,04 Prozent und Karl-Heinz Schell von den Freien Wählern auf 1,63 Prozent.
Lothar Höher, derzeit amtierender Bürgermeister, wertete das Wahlergebnis für sich auch als Protest der Wähler gegen den zweifach vorbestraften Ex-Oberbürgermeister Hans Schröpf. „Viele unserer Stammwähler sind daheim geblieben“, sagte er. Der FDP-Kandidat habe zahlreiche Stimmen aus dem bürgerlichen Lager erhalten. „Ich gehe aber nicht davon aus, dass die Wähler in der Stichwahl Hans Schröpf nochmals eine mitgeben“, sagte er.
Kurt Seggewiß sagte gegenüber der MZ, er halte das gute SPD-Ergebnis zum einen als eine Strafe für die CSU unter Hans Schröpf, gleichzeitig aber als persönliche Zustimmung für ihn selbst. „Ich stehe für mehr Ehrlichkeit, mehr Transparenz und für klare Ziele in der Stadt Weiden.“ Die Grünen kündigten noch am Wahlabend eine Wahlempfehlung für Kurt Seggewiß an. FDP-Mann Klotz wollte sich noch nicht festlegen.
Bei den letzten Oberbürgermeisterwahlen hatte Schröpf noch mehr als 61 Prozent der Stimmen erhalten. Der damalige SPD-Kandidat Reinhard Hese erhielt nur 25 Prozent.
Höher hatte sich im Vorfeld der Oberbürgermeisterwahlen bereits gegen seinen internen Widersacher Walter Leupold durchgesetzt, der weiterhin die CSU-Fraktion im Weidener Stadtrat führen wird. Zuletzt hatte es öffentliche Diskussionen darüber gegeben, dass Höher in seiner Jugendzeit bekennender Maoist war. Auch sein veröffentlichter Lebenslauf war umstritten. So bezweifelte man in Weiden, dass er jemals in leitender Funktion als Geschäftsführer einer Veranstaltungshalle, als Organisationsleiter einer mittlerweile nicht mehr existierenden Bleikristallglasfirma und als Marketingleiter eines Waggonbauwerkes tätig war. Als Geschäftsführer des regionalen Fernsehsenders OTV genießt er aber in der Nordoberpfälzer Stadt einen hohen Bekanntheitsgrad.


