CSU: Huber geht, Seehofer kommt – Beckstein wackelt
Horst Seehofer (links) und Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein. Seehofer hat seine Kandidatur für das Amt des CSU-Vorsitzenden angemeldet. Aus den Reihen der Christsozialen sind Stimmen zu vernehmen, die fordern, dass er auch das Amt des Ministerpräsidenten übernehmen solle.
Nach dem Rücktritt von Parteichef Erwin Huber ist in der CSU eine Revolte gegen Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein ausgebrochen. In der Berliner CSU-Landesgruppe verlangten am Dienstag viele Abgeordnete die Ablösung Becksteins durch Bundesagrarminister Horst Seehofer, der bereits neuer Parteichef werden soll. Auch im mitgliederstärksten CSU-Bezirksverband Oberbayern wird der Sturz Becksteins gefordert. Wissenschaftsminister Thomas Goppel (CSU) brachte sich als möglicher Nachfolger ins Gespräch. Huber kündigte zuvor angesichts des CSU- Fiaskos bei der Landtagswahl seinen Rücktritt an. Damit machte er den Weg für Seehofer frei. Das letzte Wort hat ein Sonderparteitag Ende Oktober. Abtreten wird auch CSU-Generalsekretärin Christine Haderthauer.
„Fast die gesamte Landesgruppe will, dass Günther Beckstein aufhört und Horst Seehofer das Amt mit übernimmt“, sagte ein Teilnehmer einer Sitzung in Berlin. Dann seien beide Ämter wieder in einer Hand. Seehofer will nach Angaben von Landesgruppen-Geschäftsführer Hartmut Koschyk jedoch als Parteivorsitzender in der Hauptstadt bleiben. Über die Person des Regierungschefs werde in der Landtagsfraktion in München entschieden. Die Fraktion trifft sich an diesem Mittwoch zu einer Krisensitzung.
Goppel sagte dem „Münchner Merkur“ (Mittwoch): „Wenn Günther Beckstein nicht antritt, dann sehe ich nicht jeder Kandidatur ohne Widerstand entgegen.“ Er fügte hinzu: „Ich würde dann unter Umständen kandidieren.“ Falls Beckstein aber selbst wieder kandidiere, „dann hat er meine volle Loyalität“, betonte Goppel. Beckstein bekräftigte, er wolle diese Woche Sondierungsgespräche mit den möglichen Koalitionspartnern FDP und Freie Wähler beginnen.
Der Chef der Jungen Union (JU) Oberpfalz, Alexander Fischer, forderte Beckstein auf, Konsequenzen zu ziehen. Der „Mittelbayerischen Zeitung“ sagte Fischer nach einer JU-Sitzung: „Ich erwarte, dass auch der CSU-Spitzenkandidat die Verantwortung für das katastrophale Wahlergebnis übernehmen wird.“ Auch die JU Oberbayern hat gegen Beckstein Stellung bezogen.



