Bayern/Oberpfalz 25.04.2010, 19:43 Uhr

Die wahren Helden leben in den Herzen weiter

Die Überlebenden der Konzentrationslager werden weniger. Die Angehörigen beginnen, ihre Botschaft der Menschlichkeit in die Welt zu tragen.

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Rodolfo und Alessandra Focherini gedachten ihres Vorfahren Odoardo.

Rodolfo und Alessandra Focherini gedachten ihres Vorfahren Odoardo.

Von Reinhold Willfurth, mZ

Flossenbürg. Zehn Jahre hat er dann noch auf seinen Papa gewartet. Dann war Rodolfo Focherini alt genug, um es zu akzeptieren: Sein Vater Odoardo würde nie mehr zurückkehren in seine Heimat, das oberitalienische Carpi –zu Rodolfo und seinen sechs Geschwistern Olga, Lena, Attilio, Gianna, Carla und Paula und der Mutter Maria.

Gegen Ende des Jahres 1944 starb Odoardo Focherini im Außenlager Hersbruck des Konzentrationslagers Flossenbürg. Erst im Juli 1945 traf die Todesnachricht ein. Die angebliche Todesursache: Blutvergiftung. „Ich wollte es einfach nicht glauben“, sagt Rodolfo im Gespräch mit der MZ.

Es ist ein traumhaft schöner Frühlingssonntag, als die Familie Focherini gut 65 Jahre danach in der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg eintrifft. Rodolfo, 73 Jahre alt, pensionierter Berufsberater, wird von seiner Tochter Alessandra und sechs weiteren Familienmitgliedern begleitet. In einem großen Bierzelt gibt es ein Mittagessen für die Ehrengäste. Das sind an diesem Tag vor allen anderen die alten Herren, die vor 65 Jahren von den Soldaten der 3. US-Armee im KZ Flossenbürg und seinen knapp 90 Außenlagern lebend vorgefunden wurden. Noch lebend: Manche der hartgesottenen GIs begannen zu weinen, als sie die halb verhungerten Elendsgestalten erblickten.

Die Enkel machen sich bemerkbar

Die Männer, die meisten von ihnen um die 80 Jahre alt, sind die jüngsten Überlebenden beim Gedenken zum 65. Jahrestag der Befreiung. Begleitet werden sie in diesem Jahr von vielen Angehörigen. Und so kommt es, dass sich unter die alten Männer und Frauen im Sonntagsstaat wie selbstverständlich kleine Mädchen mit rosa Rucksack, Teenager in frechem Outfit und Kleinkinder im Buggy mischen. Auch die jungen Leute von der Internationalen Jugendbegegnung und eine jüdisch-arabische Pfadfindergruppe sorgen für frischen Wind beim etwas steifen Gedenkakt.


 

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