Studie: Wenig Geld für frühkindliche Bildung
Im Ländervergleich landete Bayern auf dem drittletzten Platz. Der Freistaat gibt 2100 Euro pro Kind aus – Berlin fast doppelt so viel.
Immer mehr Kinder in Deutschland besuchen Kitas oder werden in Tagespflege betreut. Bayern investiert im Ländervergleich aber verhältnismäßig wenig in frühkindliche Bildung.
Gütersloh. Trotz einer deutlichen Erhöhung der Ausgaben für frühkindliche Bildung in den vergangenen Jahren liegt Bayern beim Umfang seiner Investitionen im Ländervergleich auf dem drittletzten Platz. Wie die Bertelsmann Stiftung am Montag in Gütersloh mitteilte, steigerte Bayern seine Ausgaben in diesem Bereich zwischen 2005 und 2007 um 13 Prozent auf 2100 Euro pro Kind unter sechs Jahren. Dagegen gab Berlin 2007 fast doppelt so viel für frühkindliche Bildung aus. SPD und Grüne warnten vor Investitionskürzungen angesichts der angespannten Haushaltslage.
Wie aus dem „Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme 2010“ hervorgeht, stieg in Bayern die Zahl der Ein- und Zweijährigen in Kitas und Tagespflege. Fast 15 Prozent der Einjährigen besuchten im vergangenen Jahr eine frühkindliche Bildungseinrichtung oder wurden in Tagespflege betreut, bei den Zweijährigen waren es rund 31 Prozent. Bayern liegt damit jeweils knapp über dem Durchschnitt der westlichen Bundesländer.
Die Bildungsexpertin der SPD-Landesgruppe Bayern im Bundestag, Marianne Schieder, sagte: „Jeder investierte Cent nützt nicht nur dem einzelnen Kind, sondern der gesamten Volkswirtschaft.“ Angesichts der von der Staatsregierung angekündigten Sparvorgaben für den anstehenden Haushalt sei zu befürchten, dass sich die Situation für das frühkindliche Bildungssystem weiter verschlechtern werde. „Dies wäre absolut fatal, da der Ländermonitor auch darlegt, dass die Nachfrage nach Betreuungsangeboten für Kleinkinder weiter steigen wird“, warnte Schieder. Lediglich Niedersachsen und Schleswig-Holstein sei die Bildung kleiner Kinder noch weniger wert.
Nach den Worten der sozialpolitischen Sprecherin der Grünen im bayerischen Landtag, Renate Ackermann, zeigen die Zahlen der Bertelsmann Stiftung, dass „Bayern entgegen eigener Beteuerungen nicht genug in diesem Bereich“ investiert. „Gerade vor dem Hintergrund, dass Bayern einen erhöhten Nachholbedarf hat, ist hier mehr Anstrengung nötig als bisher“, sagte Ackermann. Sie kritisierte, dass der Freistaat etwa zur Anschubfinanzierung des Bundes in Höhe von 400 Millionen Euro nur 100 Millionen Euro dazugegeben habe. Bildung sei eine Sache der Länder, „darum darf man sich hier nicht auf den Spendierhosen des Bundes ausruhen“.


