Blick auf den Industriepark: In direkter Nachbarschaft des Audi-Grundstückes befinden sich der Autozulieferer Peguform, die Audi-Teststrecke und die Erdölraffinerie der Bayernoil.
von Jochen Dannenberg, MZ
Ingolstadt/Münchsmünster. Audi will seine Produktionskapazitäten erhöhen. Wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte, soll an der Grenze des Landkreises Kelheim ein neues Werk entstehen. Der Grundstückskauf in Münchsmünster sei perfekt. Audi wolle mit dem neuen Werk die Produktionskapazität weiter ausbauen. Geplant ist in der 3000 Einwohner zählenden Gemeinde ein Presswerk für formgehärtete Karosserieteile sowie eine mechanische Bearbeitung von Fahrwerkkomponenten und ab 2013 eine Aluminium-Druckgießerei. Frank Dreves, Produktionsvorstand des Ingolstädter Autobauers, sagte: „Mit Zukunftstechnologien schaffen wir Produktionskapazitäten für weiteres Wachstum.“
Damit beendete Audi zugleich Spekulationen über die Absichten, die das Unternehmen mit dem Neubau verfolgt. U.a. hatte es Vermutungen gegeben, der Ingolstädter Autobauer wolle in Münchsmünster komplette Fahrzeuge fertigen. Die Nähe zur Teststrecke im Nachbarort Neustadt hatte für diese Spekulation gesprochen.
Zu Fuß in fünf Minuten im Werk
Münchsmünsters Bürgermeister Andreas Meyer freut sich über die Ansiedlung. Er rechnet mit vielen neuen Arbeitsplätzen. „Ich gehe im Moment von 600 bis 700 Arbeitsplätzen aus“, sagte er im Gespräch mit der Mittelbayerischen Zeitung. Wichtig ist ihm auch, dass der Industriepark in Münchsmünster mit Audi ein „weiteres Standbein“ erhalte. Derzeit ist das Chemie-Unternehmen LyondellBasell der größte Betrieb im Industriepark. In direkter Nachbarschaft befinden sich der Autozulieferer Peguform, die Audi-Teststrecke und die Erdölraffinerie der Bayernoil. Meyer schwärmt: „Das ist eine einmalige Situation in Deutschland, wenn nicht gar in Europa, dass Petrochemie und Autoindustrie so eng nebeneinanderliegen.“
Den Ausschlag für den Bau des neuen Werks in Münchsmünster dürften mehrere Faktoren gegeben haben.
Audi will seine Produktionskapazitäten erhöhen.
Neben der Nähe zur Bundesstraße 16, die zwischen Neustadt, Münchsmünster und Manching dreispurig verläuft, verfügt der neue Standort auch über einen Bahnanschluss. „Der Bahnhof ist fußläufig nur fünf Minuten vom künftigen Audi-Werk entfernt“, erläutert Meyer. Außerdem habe die Kommune bereits zu Beginn der Verhandlungen mit dem Autobauer über einen rechtskräftigen Bebauungsplan verfügt, der die weitere Entwicklung in Richtung Gewerbe und Industrie vorsah. Zudem gestalteten sich die Grundstücksverhandlungen aufgrund der Ansiedlung Audis im Bereich des Industrieparks Münchsmünster nicht allzu schwierig. Weiterer Pluspunkt war die Infrastruktur des von Basell geführten Industrieparks.
Bauarbeiten sollen bald beginnen
Meyer geht davon aus, dass die Bauarbeiten am neuen Audi-Standort bald beginnen werden. 2013 soll die Aluminium-Druckgießerei eröffnet werden. „Am Anfang werden Tiefbauarbeiten stehen“, sagt der Bürgermeister. „100.000 Kubikmeter Erdreich müssen abgebaut werden.“ Denkmalschützer werden die Arbeiten begleiten und das Areal untersuchen.
„Das Projekt Audi ist eine Herausforderung für uns“, gesteht der Bürgermeister. Er geht davon aus, dass die Kommune den Veränderungen gewachsen sein wird. In den vergangenen Jahren sei erheblich in Schulen, Kinderbetreuung und die Sanierung der Ortsmitte investiert worden. Jetzt werde ein Mehrgenerationenhaus gebaut, das neben einer dreigruppigen Krippe, eine Mutter-Kind-Gruppe auch Jugend- und Seniorenräume enthalten werde.
„Audi ist ein Zugpferd für die Region“
Neustadts Bürgermeister Thomas Reimer sagte: „Ich gönne dem Kollegen aus Münchsmünster den Erfolg.“ Der Einstieg Audis in den Industriepark Münchsmünster sei eine Chance für die Region. Der Autobauer sei ein „Zugpferd“. Kelheims Landrat Dr. Hubert Faltermeier betont: „Es ist erfreulich, dass der Auto- und Audi-Standort verfestigt wird. Auch wenn er an der Grenze außerhalb des Landkreises Kelheim liegt, dürfen wir keine Kirchturmpolitik betreiben. Deshalb haben wir auch der Angliederung des Nachbargrundstückes vom Landkreis Kelheim in das Gemeindegebiet Münchsmünster zugestimmt. Mit der auf der Landkreis Kelheim liegenden Audi-Testrecke gibt es einen schlagkräftigen Produktionsstandort zum Wohle der gesamten Region.“
Sorge um die Fachkräfte
Verhalten ist die Freude über die Audi-Ansiedlung bei den Unternehmern in der Region. Auch wenn keiner von ihnen genannt werden will, sagen sie deutlich, was sie befürchten: Der Bau des neuen Werks könne bedeuten, dass ihnen Fachkräfte abgeworben werden. Nicht aktiv, sondern schlicht durch die hohen Löhne und Sozialleistungen des Autobauers. Die, wird gesagt, könnten sich auch auf die Lohnstruktur der anderen Betriebe auswirken.