Bayern/Oberpfalz 25.04.2012, 20:41 Uhr

Stricken: Die neue Welle mit der Wolle

Maschenware zu tragen, ist total angesagt. Selbst Jugendliche greifen zu den Nadeln. In Regensburg gibt es Kurse und ein Strickcafé.

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        Auch Laternenpfosten tragen in Regensburg Strick.

Auch Laternenpfosten tragen in Regensburg Strick.

Von Heike Sigel, MZ

Regensburg. Vier rechts, vier links, vier rechts, vier links. Zwei verkrampfte und verschwitzte Kinderhände mühen sich stundenlang mit zwei mattsilbernen Stricknadeln ab, die in kratziger, dunkler Wolle stecken. Schließlich soll der selbstgemachte Topflappen pünktlich am Muttertag überreicht werden. Die Beschenkte lässt das gute Stück, mühsam Freude heuchelnd, dann für immer in der Küchenschublade verschwinden. Wer ähnliche Erinnerungen an seinen Strickunterricht in der Schule hat, der gehört bestimmt auch zu der Generation, die lieber erfroren wäre, als mit einer uncoolen, Juckreiz auslösenden, Strickmütze in der Schule zu erscheinen. Wie sich die Zeiten geändert haben! Stricken ist total „in“. Ohne gestrickte Loop-Schals und Mützen gehen modebewusste Jugendliche selbst an warmen Frühlingstagen kaum noch aus dem Haus.

„Letztes Jahr kam dieser Strick-Boom ganz plötzlich auf. Die Welle war so groß, dass die Wollhändler im Winter Lieferschwierigkeiten hatten. Teilweise habe ich mehr Zeit für die Materialbeschaffung, als für’s Stricken gebraucht“, erzählt Cornelia Hasler. Die 40-Jährige strickt seit ihrem zwölften Lebensjahr. Gelernt hat sie es von ihrer Oma, die in der Nähe von Jena für diverse Boutiquen strickte. Die alte Dame konnte sogar mit geschlossenen Augen wie in Trance die Stricknadeln klappern lassen. Ihre Enkelin ist ihr heute dankbar. Weil die Aufträge aus dem Familien- und Bekanntenkreis immer häufiger wurden, hat sich Cornelia Hasler im März mit ihrer Strick-Firma „Puschl“ selbstständig gemacht. Zwischen 18 und 25 Euro kosten ihre selbstdesignten Mützen. Tochter Yasmin schnappt sich eine neon-orange Kreation. „Wenn ich mal schnell eine in einer bestimmten Farbe brauche, dann gebe ich einfach bei meiner Mutter eine Bestellung auf“, meint sie lächelnd.

 

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