Museumsverantwortlicher Helmut Weindler zeigt eine alte Pumpe.
Von Doris Zupfer, MZ
Roding.
Man stelle sich vor es brennt, und die Feuerwehr schafft es, in ein bis zwei Stunden am Brandherd zu sein. Ein schlechter Scherz? Ganz im Gegenteil – vor 150 Jahren war das Realität! Beim Besuch des Rodinger Feuerwehrmuseums, das von der zweitältesten Freiwilligen Feuerwehr der Oberpfalz geführt wird, wird an diese Zeit erinnert. Entstanden ist die Idee zur Ausstellung im Zuge einer Baumaßnahme. In Roding entstand im Jahr 1985 eine neue Feuerwache. Das Mehr an Platz sollte genutzt werden, um den Menschen die Arbeit der Feuerwehr näherzubringen. „Zu Roding gehören noch 13 weitere Ortsfeuerwehren. Überall lagerten alte Feuerwehrschätze wie Spritzen oder Uniformen. Diese Dinge wollten wir der Öffentlichkeit zugänglich machen“, erzählt Vorstand Simon Hecht, mit seinen 22 Jahren sicherlich einer der jüngsten Feuerwehrvorstände Bayerns.
Ausflugsziel von Schulklassen
Über zwei Geschosse erstreckt sich das Museum, das mittlerweile auch zahlreiche Leihgaben befreundeter Feuerwehren zeigt und gerne von Schulklassen oder Jungfeuerwehren für Unterrichtszwecke besucht wird. „Etwas ganz Besonderes sind sicherlich die beiden Kommandantenstandarten. Wenn man so will ein ganz früher Funkersatz“, erklärt Helmut Weindler, langjähriger Feuerwehrmann der 1860 gegründeten Rodinger Wehr und mitverantwortlich für das Museum. „Mit der Standarte stellte sich der Kommandant auf eine Erhöhung und entzündete in der Laterne eine Kerze, sodass man ihn gut sehen konnte. Um die Befehle einzuholen, liefen die Feuerwehrmänner zu ihm und ließen sich so ihren Aufgaben zuteilen.“
Dass Löscharbeiten organisiert abliefen, war bis zur Gründung der ersten Freiwilligen Feuerwehren vor gut 150 Jahren nicht möglich. „Vor dieser Zeit löschten die Leute zwar auch schon Brände, aber eigentlich wusste niemand genau, wer nun sagt, was zu tun ist“, erläutert Weindler.
Eine Besonderheit: die Kommandantenstandarte
Die Arbeiten seien lediglich zunftmäßig eingeteilt worden. So kümmerten sich die Metzger und Bäcker um das Wasser, die Maurer und Zimmerleute um alles, was mit Leitern zu tun hatte. Wie beschwerlich die Löscharbeiten im 19.Jahrhundert waren, wird schnell klar, wenn man die Handdruckspritzen betrachtet. „Zwei Mann pumpten gleichzeitig und ständig musste wegen des enormen Kraftaufwandes durchgewechselt werden.“ Die Spritzen hatten in der Regel zwei Deichseln. Eine für ein Pferdegespann, aber auch eine, damit die Männer sie selbst ziehen konnten. „Es ging oft wesentlich schneller, die Pumpe mit Menschenkraft an den Brandort zu bringen, als vorher noch die Pferde einzuspannen“, sagt Weindler.
Deutsches Museum lieh Pumpe aus
Ein besonderer Schatz des Museums ist die HJ Pumpe (Hitler Jugend Pumpe), von der nur noch ganz wenige im Original erhalten sind. „Diese Pumpe wurde sogar vom Deutschen Museum in München ausgeliehen, damit sie für die Ausstellung originalgetreu nachgebaut werden konnte“, erzählt Weindler stolz. Er führt uns weiter zur ersten Handdruckspritze der Feuerwehr Roding aus dem Jahr 1922 mit der Bezeichnung „Maschine Imhof“, auf der bis zu zehn Mann Platz fanden und zur Drehleiter aus Holz aus dem Jahr 1907.
Doch nicht nur die Fahrzeuge beeindrucken die Besucher. Alte Uniformen, Vitrine mit golden glänzenden Helmen, alten Handsirenen oder Feuerwehrbeilen sind in der Ausstellung zu finden. „Vielleicht war das eine oder andere Werkzeug auch beim großen Brand von Furth im Wald im Einsatz, bei dem 1863 die halbe Stadt niederbrannte“, mutmaßen Hecht und Weindler.
Auf Eisenbahnwaggons wurden damals die Handpumpen verladen, um sie so schneller zum Brandort zu bringen. „Damals gab es als organisierte Feuerwehr in unserem Umkreis nur die Freiwillige Feuerwehr Roding, die seinerzeit wesentlich dazu beitrug, das Feuer in Furth im Wald in den Griff zu bekommen.“ Nach dieser Katastrophe habe sich die Feuerwehr Furth im Wald gegründet.
Golden glänzen die alten Helme in den Regalen.
Doch nicht jeder durfte früher Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr werden. Nur unbescholtene Bürger mit gutem Leumund hatten das Recht beizutreten. Ein großes Problem, das mit viel Kreativität gelöst wurde, war das Ausstatten der Männer mit Helmen und Uniformen – wie die Ausstellung zeigt. So finden sich in alten Unterlagen Schriftstücke, in denen gebeten wird: „Für Heereszwecke unbrauchbare Reitermäntel“ käuflich an die Feuerwehr abzugeben. „Helme wurden früher oft bunt zusammengewürfelt. War einer bei der Polizei, hatte er ja sowieso einen Helm und benutzte eben diesen. Als eine Verordnung erging, dass die Helme künftig rot sein müssen, wurden vorhandene Lederhelme kurzerhand mit roter Farbe überpinselt.“
Felle um die Feuerwehrmäntel
Da die Kameraden auf den offenen Spritzfahrzeugen oft stundenlang unterwegs waren, wurden Felle über die Feuerwehrmäntel genäht, um sich so warm zu halten. Der Umbruch kam ab den 1950er-Jahren, als durch die Motorisierung der Fortschritt in den Feuerwehren Einzug hielt, das Blaulicht oder auch der erste „Piepser“ damals in der Größe eines riesigen Funkgerätes zum festen Bestandteil wurde. Doch ein Uniformproblem mussten die Rodinger noch 1985 lösen. Eine der Schaufensterpuppen, an denen die Uniformen präsentiert werden, hatte keine passenden Schuhe. Originalstücke waren nicht aufzutreiben. So „opferte“ der damalige Bürgermeister Eduard Bäumel seine Hochzeitsschuhe und der uniformierte Feuerwehrmann im Museum trägt bis heute spitze Tanzschuhe statt Feuerwehrstiefel.