Malerischer Gewinn mit Benefiz-Buch für Kinder
Das „Lions-Hilfswerk“ empfahl seinen Clubs eine dubiose Spendenaktion. Ein Regensburger Mitglied schritt dagegen ein.
Spendengelder sammeln für Lebensmittelhilfen zählen zu den Aufgaben des Lions-Hilfswerkes.Foto: dpa
REGENSBURG. „Im Dienst für eine besere Welt“ lautet das Motto des „Hilfswerks der Deutschen Lions (HDL)“. Der eingetragene Verein organisiert zahlreiche Hilfsprojekte im In- und Ausland, von der Soforthilfe bei Katastrophen über Lernprojekte bis zum Jugendaustausch. Das Geld dafür – 2010 nahm das HDL über sechs Millionen Euro ein – stammt zu einem Gutteil von Spendenaktionen der knapp 1500 Lions Clubs in Deutschland.
Eine dieser bundesweiten HDL-Aktionen bestand bis vor kurzem aus einem Malbuch für Kinder mit Motiven aus Städten mit Lions Clubs, die bei dieser „Activity“ mitmachen wollten. Die Kalkulation machte auf den ersten Blick den Eindruck einer „win-win-Situation“: Profitieren sollten die örtlichen Clubs, das HDL sowie das beauftragte Graphikbüro. Die Resonanz unter den Clubs war zunächst vielversprechend – bis sich Maximilian Queck vom Lions Club „Johannes Kepler“ in Regensburg die Rechnung etwas genauer anschaute. Das Resultat aus seiner Sicht: ein unkalkulierbares Risiko für die örtlichen Clubs und ein ebenso rätselhafter wie märchenhafter Profit für das Graphikbüro.
Das junge Lions-Mitglied warnte sämtliche deutschen Clubs per Mail vor der Aktion. Das HDL, das den Deal zuvor verteidigt hatte, zog die Reißleine: Seit 15. März hat das Hilfswerk das Projekt „Malbuch“ aus dem Programm genommen. Der Grund: „Beginnende Diskussionen über Graphikerhonorare“ hätten dem Ansehen von HDL und Lions schaden können.
Das „Pilot-Malbuch“ über Duisburg, angestoßen von der Lions-Führungskraft Lutz Stermann, zeigt in schlichtem Stil 24 Stadtszenen, die das junge Zielpublikum ausmalen soll. Die Bücher sind nicht nur in den Augen von Maximilian Queck von dürftiger graphischer Qualität. Manche Bilder zeigen auch die hässlichen Seiten Duisburgs – wie etwa das Hochhaus eines Sponsors, der örtlichen Sparkasse. Laut Kalkulation soll das Graphikbüro – bei einer verpflichtenden Abnahme von 5000 Büchern – 3000 Euro Garantiehonorar erhalten. Damit nicht genug: Wenn die gesamte Auflage verkauft wäre, würde das Büro insgesamt 11000 Euro kassieren – pro Auftrag wohlgemerkt. Für die örtlichen Clubs blieben im günstigsten Fall 15 000 Euro übrig, dem HDL würden 12000 Euro zufließen.

