Hausaufgaben für Oberpfälzer Betriebe
Internationaler und innovativer werden: Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen regionale Unternehmer umdenken.
Regionale Firmen mit gutem Image, wie zum Beispiel der Getränkeabfüllanlagen-Hersteller Krones, haben wenig Nachwuchssorgen.
WERNBERG.
Die meisten Oberpfälzer Unternehmen haben falsche Weichen für ihre Zukunft gestellt. In vielen Chefetagen der Region spielen Überlegungen, wie man dem demografischen Wandel begegnet, sich besser vernetzt oder sich internationaler aufstellt, keine Rolle. Damit sei ihre künftige Wettbewerbsfähigkeit infrage gestellt, stellte Dr. Karl Lichtblau vom Kölner Institut der deutschen Wirtschaft unmissverständlich fest. Gegenwind erntete der Wirtschaftswissenschaftler bei der Tagung „Perspektiven für die Oberpfalz“ am Freitag auf der Burg Wernberg (Lkr. Schwandorf) von Politikern auf dem Podium.
Analyse ergab „zwiespältiges Bild“
Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) hatte Unternehmer und Politiker zum gemeinsamen Nachdenken über die Zukunft der Region eingeladen und in einem 35-seitigen Gutachten gewichtige Argumente beigesteuert. Darin wird der Region ein „zwiespältiges Bild“ in mehrfacher Hinsicht bescheinigt: Zum Einen die Zweiteilung in die Boomregionen Regensburg/Neumarkt und den Rest mit teilweise massiven Problemen, zum anderen ein klares Gefälle zwischen den Städten und dem Land. Fast die ganze Oberpfalz hingegen erfreut sich guter und stabiler Zahlen auf dem Arbeitsmarkt.
Dem gegenüber stehen Probleme wie (im Bayern-Vergleich) niedrige Einkommen und Produktivität, geringe bis durchschnittliche Kaufkraft, eine schlechte Akademikerquote und, vor allem im Norden, deutliche Bevölkerungsverluste.
Zweifel am Akademikermangel
Wer hier nicht gegensteuere, laufe Gefahr, auf Dauer von einem globalisierten Markt abgehängt zu werden, stellte Lichtblau fest. Der Forscher legte den Oberpfälzer Unternehmern ans Herz, mehr in Forschung und Entwicklung zu investieren, sich internationaler aufzustellen, Netzwerke zu bilden und die eigenen Produkte zu differenzieren. Eine Umfrage unter 200 Unternehmen der Region habe ergeben, dass sich nur ein Fünftel mit diesen Fragen beschäftige, meist die erfolgreichen. Nur ein Drittel der Betriebe mache sich Gedanken, wie man dem demografischen Wandel begegnen könne, „eine existenzielle Frage“. Auch das Image der Region und der Betriebe sei oft verbesserungswürdig. Damit und mit Investitionen in Bildung könne man auch den eklatanten Mangel an Akademikern, vor allem an Ingenieuren, wettmachen.

