Betreuungsgeld: Seehofer schürt Debatte
Der CSU-Chef zieht die Konsequenzen aus dem Streit: Vorläufig will er nicht mehr am Koalitionsausschuss teilnehmen.
Berlin/München. CSU-Chef Horst Seehofer verstärkt wegen des Betreuungsgeld-Streits den Druck auf die Koalitionspartner CDU und FDP. Er werde vorläufig nicht mehr an Sitzungen des Koalitionsausschusses in Berlin teilnehmen, kündigte Seehofer bei der jüngsten Sitzung des bayerischen Kabinetts an. Bayerische Regierungskreise bestätigten am Samstag entsprechende Informationen der Zeitung „Die Welt“. Derzeit gibt es jedoch noch keinen Termin für die nächste Sitzung des unregelmäßig tagenden Koalitionsausschusses.
Laut einem Bericht der „Bild“-Zeitung bringt der anhaltende Streit um das Betreuungsgeld den Zeitplan für dessen Einführung durcheinander. Statt zum 1. Januar solle die Leistung nun erst von August 2013 an gezahlt werden, berichtet das Blatt ohne Angabe von Quellen. Als Grund wird die anstehende monatelange Beratung über den Gesetzentwurf genannt – dieser werde voraussichtlich Ende Mai vorgelegt. Eine Sprecherin von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) wollte den Bericht nicht kommentieren. Am Zeitplan, den Gesetzentwurf bis zur Sommerpause vorzulegen, ändere sich nichts.
Seehofer sagte bei der Sitzung seines Kabinetts am Mittwoch laut „Welt Online“: „Ich mache keinen Koalitionsausschuss mehr in Berlin, bis das Gesetz zum Betreuungsgeld vorliegt.“ Die Bundesregierung wollte diese Äußerungen am Samstag nicht kommentieren.
Am Freitag hatte eine Sprecherin der bayerischen Staatskanzlei dementiert, Seehofer sei wegen des seit Wochen andauernden Streits um die neue Familienleistung derzeit generell nicht mehr für Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zu sprechen. „Das ist schlicht unzutreffend“, sagte die Regierungssprecherin dazu. Wie die „Welt“ weiter berichtete, hatte Seehofer am Donnerstagabend vor der Bundesratssitzung am Freitag auch beim traditionellen „Kamingespräch“ der Unions-Ministerpräsidenten mit der Kanzlerin gefehlt.
Merkel und Seehofer könnten an diesem Samstagabend in Berlin aufeinandertreffen: Beide wollten sich das DFB-Pokalfinale zwischen dem Deutschen Meister Borussia Dortmund und Rekordchampion FC Bayern München ansehen.
Hintergrund des Betreuungsgeld-Streits ist die Verärgerung der CSU darüber, dass Politiker der Schwesterpartei CDU die geplante Leistung offen kritisieren. Nach dem Willen der CSU sollen Eltern, die ihr Kind nicht in eine Kinderkrippe geben, monatlich bis zu 150 Euro vom Staat erhalten.

