Glaubenskongregation berät über Piusbrüder
Am Mittwoch wird in Rom über die Wiederaufnahme der Bruderschaft beraten. Das letzte Wort hat dann der Papst.
Über die Wiederaufnahme der Pius-Bruderschaft wird diskutiert.
Rom/Regensburg. Fast ein Vierteljahrhundert nach der Exkommunikation des Ordensgründers Marcel Lefebvre wollen Kardinäle und Bischöfe der Glaubenskongregation in Rom über eine Wiederaufnahme der Pius-Bruderschaft beraten. Das Thema stehe am Mittwoch auf ihrer Tagesordnung, schreibt die Nachrichtenagentur Ansa. „Das ist tatsächlich die letzte Chance für die Priesterbruderschaft St. Pius X.“, zitiert die Ansa ihren Informanten. Das letzte Wort habe der Papst.
Der „Spiegel“ schreibt, Benedikt XVI. könnte noch Ende Mai seine Entscheidung bekanntgeben. Laut Ansa ist die Rückkehr der Piusbrüder in den Schoß der Kirche eine Herzensangelegenheit des Papstes.
Unter den vier Bischöfen der Bruderschaft sei über die mögliche Einigung ein Streit ausgebrochen, schreibt der „Spiegel“. Vor allem der als Holocaust-Leugner bekanntgewordene britische Bischof Richard Williamson wolle kompromisslos die Rückkehr der Bruderschaft in die römische Kirche verhindern.
Die Mehrheit der Gemeinschaft unterstütze jedoch den Kurs ihres Chefs, Bischof Bernard Fellay. Der habe gerade erst Williamson sowie alle Piusbischöfe brieflich aufgefordert, das Angebot des Papstes nicht auszuschlagen und nicht länger in der Position von Sektierern und Kirchenspaltern zu verharren.
Die Leugnung des Holocaust durch Williamson im Pius-Priesterseminar im oberpfälzischen Zaitzkofen hatte die katholische Kirche vor mehr als drei Jahren in eine schwere Krise gestürzt. Damals hatte der Vatikan überraschend die Aufhebung der Exkommunikation von vier Bischöfen der Bruderschaft bekanntgegeben – darunter auch Williamson.
Man habe allerdings nicht gewusst, dass der Geistliche im November 2008 in einem in Zaitzkofen aufgezeichneten Interview eines schwedischen TV-Senders den Massenmord an sechs Millionen Juden durch die Nazis und die Existenz von Gaskammern abgestritten hatte. Der Schritt löste weltweit Empörung aus. Wegen der Holocaust-Leugnung führt die Regensburger Staatsanwaltschaft immer noch ein Strafverfahren gegen Williamson.

