Bischof Müller besucht den Katholikentag
Am Samstag nimmt Bischof Gerhard Ludwig Müller in Mannheim an einer Diskussion teil. Zunächst hatte er abgesagt.
Mannheim.
Bischof Gerhard Ludwig Müller ist am Samstagmittag auf dem Katholikentag in Mannheim eingetroffen. Beim Abschlussgottesdienst am Sonntag wird er die Gläubigen zum Katholikentag 2014 in Regensburg einladen. Am Samstag war Müller prominenter Teilnehmer einer Podiumsdiskussion zum Thema „Welche Theologie will die Kirche?“, die er am Donnerstag wegen anderer Verpflichtungen zunächst kurzfristig abgesagt hatte. Zwei weitere Termine am Freitag zur Ökumene blieben aber gestrichen. Das hatte beim Zentralkomitee der Katholiken für Irritationen gesorgt. Die Veranstaltung des Regensburger Bischofs verlief ohne Zwischenfälle. Diskutiert wurde die Rolle von Lehramt, Theologen und Glaubensvolk. Bischof Müller verwies auf Jesus als konkrete Gestalt. Theologisches Nachdenken stehe zwar jedem Gläubigen zu, Jesus dürfe dabei aber nicht zur Projektionsfläche für eigene Bilder werden.
Müller wandte sich gegen aus seiner Sicht überfrachtete Vorstellungen vom Zweiten Vatikanischen Konzil: „Manche machen daraus die Gründungsurkunde einer ganz neuen Kirche. Das kann nicht sein.“
Der Theologe Prof. Klaus Müller als weiterer Podiumsteilnehmer kritisierte die geringen Spielräume für offene Debatten in der Kirche. Die Möglichkeiten hätten sich in letzter Zeit verengt. Freimütigen Äußerungen werde mit Misstrauen begegnet. Dialog sei immer riskant, räumte er ein. Denn dazu gehöre auch die Bereitschaft, „sich auf neue Wege führen zu lassen“.
Die Dogmatikerin Prof. Margit Eckholt aus Osnabrück forderte ein stärkeres Anerkennen von feministisch-theologischen Ansätzen. Mögliche Schuldzuweisungen an die Kirchenverantwortlichen wies Bischof Müller in diesem Kontext entschieden zurück. „Ich akzeptiere nicht, den Schwarzen Peter dem Lehramt zuzuspielen.“
Bischof Müller ist nicht der einzige Regensburger Botschafter in Mannheim: Die Diözese ist auf der Bistumsmeile an der Alten Feuerwache in Mannheim mit einem eigenen Stand vertreten, der rege frequentiert wird. Auch der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, und der Erzbischof von München, Kardinal Reinhard Marx haben schon vorbeigeschaut, ebenso der Vorsitzende des Zentralkomitees der Katholiken, Alois Glück — obwohl die Bistumsmeile etwas abseits vom Mannheimer Stadtzentrum liegt, wie die Regensburger beklagen.
Martina Kerscher (17) und Theresa Seeholzer (14) von der Schülermitverwaltung des Ursulinen-Gymnasiums Straubing verteilen Fingerrosenkränze. Repräsentanten des Diözesankomitees wollen Neugier auf Regensburg wecken, speziell auf die Pilgerorte im Bistum. „Neue Wege zu vertrauten Zielen“ ist ihr Motto. Sie haben sich für Mannheim sogar Schlipse mit Domtürmen besticken lassen, die einem geschwungenen M gleichen und deshalb bei den Besuchern Fragen aufwerfen, wie der stellvertretende Diözesankomittees-Vorsitzende Michael Meier lachend erzählt. Als erstes denken nach seinen Worten viele an eine versteckte Hommage an Bischof Gerhard Ludwig Müller.





