Bayern/Oberpfalz 20.05.2012, 22:30 Uhr

Katholikentag ringt um neue Dialog-Kultur

Bischof Müller kritisiert „Randgruppen“, die sich in Szene setzen. Er meint damit „Wir sind Kirche“ ebenso wie die Piusbrüder.


        Bischof Dr. Gerhard Ludwig Müller beim 98. Deutschen Katholikentag in Mannheim

Bischof Dr. Gerhard Ludwig Müller beim 98. Deutschen Katholikentag in Mannheim

Von Christine Schröpf, MZ

Mannheim/Regensburg. Nach dem Katholikentag ist vor dem Katholikentag: Beim Abschlussgottesdienst in Mannheim hat Bischof Gerhard Ludwig Müller am Sonntag unter Beifall die Christen in Deutschland herzlich zum Glaubensfest 2014 in Regensburg eingeladen. „Viele Leute haben mich angesprochen und gesagt: Wir kommen gerne“, freute er sich hinterher. Ausrichter sind das Zentralkomitee der Katholiken in Deutschland (ZdK) und das Bistum. Für beide Seiten ist es eine Chance und ein gewisses Wagnis. Müller hatte in der Vergangenheit mehrfach mit Laien seiner Diözese Konflikte ausgetragen und sich im Vorfeld Papstkritik verbeten. ZdK-Vorsitzender Alois Glück handelte deshalb bei Vorgesprächen aus, dass auch Organisationen wie Donum Vitae oder Verfechter des Diakonats der Frau in der Domstadt einen Platz im offiziellen Programm haben werden.

Das in Mannheim parallel laufenden Programm des Alternativen Katholikentages hat aber gezeigt, dass Regensburg 2014 auch zum Forum weiter greifender Reformwünsche etwa nach dem Priestertum der Frau werden könnte.

Häring: Lieber Requiem statt Gala

Konfrontationen sind vorprogrammiert. Die Kirchenkritiker hatten das offzielle Programm in Mannheim scharf kritisiert. Ein falsches Kirchenbild, das nicht zukunftsfähig sei, feiere Renaissance. Die Katholikentags-Gala zum Zweiten Vatikanischen Konzil wurde von einer Mahnwache flankiert. Jahrzehnte der „Stagnation und Hinhaltetatik“ müssten eher mit einem Requiem zelebriert werden, sagte Prof. Dr. Hermann Häring.

Müller verurteilte, dass sich kirchenkritische Organsisationen im Schatten des Katholikentages in Szene setzen. „Sie ziehen die Medienaufmerksamkeit auf sich, haben selbst aber gar nicht genug Substanz, um für die Gesellschaft etwas zu erbringen.“ Müllers Beziehung etwa zu der Organisation „Wir sind Kirche“ sind seit Jahren angespannt. Den gegenseitigen Schlagabtausch würde Müller nach eigenen Worten gerne beenden – auch wenn seine aktuelle Kritik diesem Wunsch entgegenläuft. Ihn ärgert offenbar, dass er mit eigenen Äußerungen ungewollt die Aufmerksamkeit auf die Kirchenkritiker lenkt. „Ich will die Mitte des Katholizismus stärken, sodass die auf der einen oder anderen Seiten befindlichen Randgruppen auch einmal merken, dass sie nicht das Ganze für sich beanspruchen können“, sagte er. Zu den Randgruppen auf dem rechten Spektrum gehören für Müller bekanntlich die Piusbrüder, die in seinem Bistum in Zaitzkofen (Lkr. Regensburg) präsent sind.


 

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